Eishockey

Herz, Leidenschaft und auch eine Massenschlägerei

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Matthias Borring Hansen und SønderjyskE haben sich mit aller Macht gegen ein zu frühes Ausscheiden gestemmt.

Der amtierende dänische Eishockeymeister stand mit dem Rücken zur Wand, hat aber im Kampf um die Titelverteidigung ein Ausscheiden erst einmal vermieden und mit einem 1:0-Sieg ein siebtes und entscheidendes Viertelfinalspiel erzwungen.

Der Teamgeist ist über die ganze Saison ein Thema gewesen. Nicht immer war sie von außen erkennbar, doch in der Not kam er in aller Deutlichkeit zum Vorschein. Nicht nur in spielerischer Hinsicht, auch in der Schlussminute, als in einer wüsten Massenschlägerei die Fäuste flogen.

Die Eishockeyspieler von SønderjyskE zeigten viel Herz und Leidenschaft und haben mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung ihre Titelchancen am Leben gehalten, zumindest für drei Tage. Mit einem hart erkämpften 1:0-Heimsieg gegen die Odense Bulldogs hat der amtierende Meister ein siebtes und entscheidendes Viertelfinale erzwungen, das am Freitag in Odense ausgetragen wird.

„Es ist eine Saison mit Höhen und Tiefen gewesen. Wir standen mit dem Rücken zur Wand und haben einfach versucht, alles zu geben. Wir haben Teamspirit gezeigt, auch als unser Kapitän in der Schlussminute von zwei Gegenspielern herumgeschubst wurde. Da hält man dagegen“, sagt William Pelletier zum „Nordschleswiger“.

William Pelletier (hinten) kam zu seinem Playoff-Debüt in der laufenden Saison.

Der Kanadier hatte die gesamte Viertelfinalserie verletzt gefehlt, schonte sich aber nicht und war einer von vier SønderjyskE-Spielern, die nach der Massenschlägerei vorzeitig unter die Dusche geschickt wurden.

„Als Eishockeyspieler wartet man die gesamte Saison auf die Playoffs. Da hat man ein gewisses Feuer in sich. Wir haben jetzt ein Spiel sieben erzwungen und hoffen, dass wir es zu unseren Gunsten entscheiden können“, so Pelletier.

Torwart Mattias Pettersson war der Mann des Abends. Das war auch nötig, denn in der Offensive springt weiterhin zu wenig Zählbares heraus.

Odense-Torwart Niklas Lundström war lange Zeit nicht zu überwinden.

106 Minuten lang war der dänische Meister ohne Torerfolg geblieben. Nach dem zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich von Mathias Borring Hansen in Spiel vier hatten sich die Hellblauen an Odense-Torwart Niklas Lundström die Zähne ausgebissen, doch Nikolaj Krag-Christensen beendete Mitte des zweiten Drittels die lange Torflaute.

SønderjyskE-Mannschaft geriet nach dem Führungstreffer mächtig unter Druck und konnte sich kaum aus der Umklammerung befreien. Der Ausgleich schien nur eine Frage der Zeit, doch der Titelverteidiger kämpfte sich im Schlussdrittel ins Spiel zurück und hatte in einem offenen Schlagabtausch genau so viele Chancen wie der Gegner.

59 Minuten lang war es ein Spiel ohne eine einzige Hinausstellung. In den Playoffs eine Seltenheit, doch dann ging es in der Schlussminute hoch her. Es entwickelte sich eine wüste Massenschlägerei. Die Fäuste flogen minutenlang.

William Boysen und SønderjyskE haben ein siebtes und entscheidendes Spiel erzwungen.

Die Schiedsrichter Kenneth A. Nielsen und Martin Theiltoft Christensen hatten das Spiel bis dahin im Griff gehabt und wählten in einer schwierigen und unübersichtlichen Situation die salomonische Lösung. Jeweils vier Spieler aus beiden Teams wurden vorzeitig unter die Dusche geschickt.

SønderjyskE spielte dennoch die letzten 45 Sekunden in Überzahl, weil die Schiedsrichter diesmal einen mit dem Fuß und somit unerlaubt ausgeführten Bully bestraften. Ein Vergehen, das sie in Spiel vier kurz vor dem Odense-Siegtreffer übersehen hatten.

In Überzahl brachte der Meister den Vorsprung locker über die Zeit.

Im sechsten Aufeinandertreffen zwischen SønderjyskE und Odense ging es nicht zimperlich zu.

„Wir haben gekämpft, mit allem, was wir hatten, und haben ein Spiel sieben erzwungen. Hier wird der Schlüssel sein, wer am besten mit dem Druck umgehen kann“, meint SønderjyskE-Trainer Casper Stockfisch.

SønderjyskE – Odense Bulldogs (0:0,1:0,0:0) 1:0

1:0 Nikolaj Krag-Christensen (30:50/Ass.: William Pelletier).

Spieldauer Disziplinarstrafen: Jacob Panetta, William Pelletier, David Madsen, Alexander Wiklund – Martin Larsen, Malte Setkov, Kristian Jensen, Brandon Estes.

Zeitstrafen: SE 4x5 und 0x2 – Odense 4x5 und 1x2 Minuten. Schiedsrichter: Kenneth A. Nielsen/Martin Theiltoft Christensen. Zuschauer: 2.417.