Wahldebatte

Fünf Rats-Politiker und acht Kandidaten im Haus Nordschleswig

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Diskussionsleiter Gwyn Nissen gibt gerade SP-Spitzenmann Gösta Toft das Wort. Links neben Toft SF-Spitzenkandidat Villy Søvndal. Foto: Karin Riggelsen

Das Haus Nordschleswig war am Donnerstagabend das Zentrum einer Wahldebatte. 13 Kandidaten stellten sich den Fragen zu Gesundheitswesen und grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

Fünf Regionsratspolitiker und acht Kandidaten, die es ebenfalls werden wollen, trafen sich am Donnerstagabend im Haus Nordschleswig zur Wahldebatte. Vor welcher Herausforderung steht die Region? Womit wollen die Parteien punkten? Wie kann das Gesundheitswesen gestärkt werden? Die Antworten auf die Fragen von Moderator Gwyn Nissen zu Gesundheitswesen und grenzüberschreitender Zusammenarbeit fielen höchst unterschiedlich aus.

Villy Søvndal (SF) unterstrich seine Ambitionen, Ratsvorsitzender zu werden und Regionsratspolitik-Neuling Gösta Toft (SP) warb für die lokal verankerten Krankenhäuser nach Vorbild Tonderns. Vagn Christensen (Retsforbundet) versprach, sich um den Fachkräfte-Nachwuchs zu kümmern. „Uns fehlen in Dänemark in den kommenden Jahren 35.000 Handwerker, da müssen wir uns drum kümmern!"

Gesundheit

Zuhörer und Arzt Hans-Iver Kley aus Hadersleben wollte von den 13 Kandidaten und Politikern wissen: Was wollt ihr für die praktizierenden Ärzte tun? Flemming Agerskov (Konservative) warb in diesem Zusammenhang für eine bessere Gesundheitsaufklärung in Kindergärten und Schulen und Poul Erik Svendsen (Sozialdemokraten) sprach von einer "großen Herausforderung" bei der Rekrutierung neuer Ärzte für die Westküste. Marianne M. Matthiesen (Liberale Allianz), selbst Ärztin, benannte Probleme beim Nachwuchs und warb für einen stärkeren Einsatz bei der Arzt-Ausbildung sowie für mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten. „Viele Ärztinnen wollen beispielsweise lieber nicht in Vollzeit arbeiten, darauf müssen wir eingehen!" An Fragen und Kommentaren aus dem Publikum mangelte es nicht und nach der Gesundheitspolitik nahmen sich die Teilnehmer des Wahlabends die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zur Brust.

Foto: K. Riggelsen

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Was wollen die Kandidaten an der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ändern? Welche Vorschläge bringen sie in die Regionspolitik ein? „Wir sind hier zwei Außenregionen, die voneinander profitieren. Wir wollen 2020 als Volksabstimmung feiern und zeigen, dass 1920 damals etwas passiert ist, was sehr selten in Europa war und ist. Dass die Bevölkerung demokratisch über eine Grenzziehung entscheiden durfte. Darauf können wir so stolz sein! Und wir wünschen und zweisprachige Ortsschilder“, so Vibeke Syppli Enrum von der Einheitsliste. Nach dem letzten Satz erhielt sie spontanen Applaus im Saal.

„Wir wollen bestehende Hindernisse, beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt, abbauen. Es gibt Barrieren. Es sind schließlich zwei Ausbildungs- und Gesundheitssysteme. Hier wollen wir die Probleme minimieren“, so Hans Philip Tietje, Venstre. Flemming Agerskov von den Konservativen will seine militärische Berufserfahrung nutzen. „Warum sollte es nicht möglich sein, die Heimwehr aus Dänemark nach Deutschland zu schicken, um beispielsweise bei Überschwemmungen zu helfen? Da muss die Grenze in den Köpfen weg, auch in Berlin. Soldaten zum Helfen über die Grenze zu schicken, sollte kein Tabu sein.“

Bjarne Jensen, Dänische Volkspartei, schlug vor: „Die gewerbliche Ausbildung muss auf beiden Seiten zu nutzen sein. Der Gesellenbrief sollte auf beiden Seiten gelten. Dafür wollen wir uns einsetzen.“ „Wir können mit unseren Kontakten punkten. Wir wissen in der Minderheit ganz genau, wen wir auf der anderen Seite anrufen müssen“, so Gösta Toft, Schleswigsche Partei.

Regionale Entwicklung

„Was tut ihr für die regionale Entwicklung in Nordschleswig in den kommenden Jahren, wenn ihr gewählt werdet?“, wollte Gwyn Nissen als abschließende Frage von den Kandidaten wissen. Vagn Christensen, Retsforbundet, will die Psychiatrie stärken. „Immer mehr Kinder und Jugendliche werden psychiatrisch behandelt. Hier steigt der Bedarf und hier muss nachgebessert werden.“ Marianne Mørk Mathiesen von der Liberalen Allianz sagte: „Tourismus, Tourismus, Tourismus.Hier liegt das Potenzial, das wir ausnutzen müssen.“ Vibeke Syppli Enrum von der Einheitsliste will „klimafreundliche Produktionsmöglichkeiten in der Gegend groß machen“. „Dafür gibt es auch Mittel von der EU. Wir brauchen wieder neue, große Betriebe in der Region, nicht nur Danfoss und Lego.“ Henri Nissen, Christdemokraten, will sich dafür einsetzen, dass „ Banken ihr Geld wieder in diese Region stecken, indem sie Hauskäufern Kredite geben“. „Vielleicht ist es eine Idee, dass die Region Kreditvereine ins Leben ruft, damit das Geld nicht in den Banken liegenbleibt sondern raus kommt aufs Land?“ Nils Sjøberg bot der SP eine Zusammenarbeit an, „wenn ich im Regionsrat sitze, will ich gerne mit Gösta arbeiten, wir haben viel gemeinsam. Auch, falls die SP es nicht schaffen sollte.“

Nach über zwei Stunden ging eine angeregte Diskussion zu Ende. Die Regionswahl und die Inhalte der Parteien waren nach diesem Abend greifbarer geworden und die Gesichter von Flyern und Wahlplakaten wurden mit Leben, Stimmen und Inhalten gefüllt. Die rund 60 Teilnehmer im Haus Nordschleswig gingen mit konkreten Einblicken in die Denk- und Arbeitsweisen der Kandidaten nach Hause.

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