Gästeservice

Unbemannte Touristinfo: Stadtmanager kritisiert Schließung des Büros

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Hier in der Perlegade haben bis zum 22. Dezember Angestellte der Tourismuszentrale Gäste persönlich beraten. Damit ist jetzt Schluss.

Sonderburg verabschiedet sich von der bemannten Touristinfo und setzt künftig auf digitale Angebote, lokale Infospots und geschulte Gastgebende in Hotels, Cafés und Geschäften. Stadtmanager Axel Nielsen hält die Schließung der klassischen Touristeninformation für einen Fehler.

Die Kommune Sonderburg reagiert auf den steigenden Tourismus mit der Schließung des städtischen Tourismusbüros in Sonderburg. Künftig soll die Betreuung der Gäste in stärkerem Maße digital und durch lokale Akteurinnen und Akteure erfolgen, teilt die Kommune in einer Pressemitteilung mit.

Damit endet die bisherige Form des klassischen Tourismusbüros in Sonderburg – das Büro in der Perlegade hat seit dem 22. Dezember geschlossen. Für Stadtmanager Axel Nielsen ein falsches Signal an Urlauberinnen und Urlauber sowie den Handel. 

„Touristenberatung ist nicht Aufgabe der Geschäfte“

Während die Kommune verstärkt auf digitale Lösungen und Infospots bei Geschäften und Übernachtungsbetrieben setzt, sieht er die Nachteile dieses Modells klar. „Ich weiß ja, dass es Infospots und so etwas geben soll, und dass die Geschäfte unsere Touristen gern empfangen“, sagt Nielsen, „aber als Touristhotspot zu agieren, das ist doch nicht der Sinn. Es sind Läden, die zum Einkaufen oder Einkehren da sind. Touristenberatung ist nicht Aufgabe der Geschäfte.“

Neue Infospots sollen entstehen

Citymanager Axel Nielsen auf der großen weißen Bank in der Innenstadt von Sonderburg. Er hält die Reform des Tourismusservice für einen Fehler und warnt, dass digitale Lösungen und Infospots den persönlichen Service der Touristinfo nicht ersetzen können.

Kern des neuen Konzeptes sind zwischen 60 und 80 sogenannte Infospots, die in der gesamten Kommune eingerichtet werden. Diese Anlaufstellen bei Hotels, Cafés, Geschäften oder touristischen Attraktionen sollen persönliche Beratung und lokale Informationen als Ergänzung zu den digitalen Angeboten bieten, so der Plan der Kommune.

Parallel dazu wird die digitale Präsenz der Kommune ausgebaut – mit verbesserten Online-Informationen und einer gezielteren Nutzung sozialer Medien. 

Digitale Angebote seien wichtig, betont Axel Nielsen, dürften aber den direkten menschlichen Kontakt nicht ersetzen: „Ich weiß, wir müssen digital sein, aber ich finde einfach, das ist der falsche Weg. Zumal wir immer wieder deutlich erleben, dass eben längst nicht alle digital unterwegs sind – und es auch nicht sein wollen.“

Während die Kommune auf neue Modelle setzt, erinnert der Stadtmanager daran, dass viele Gäste weiterhin auf persönliche Beratung setzen – und dass genau dieser Service nicht zum Auslaufmodell werden dürfe.

Ab Januar 2026 startet die Ausbildung der neuen touristischen Akteurinnen und Akteure unter der Leitung der Tourismusorganisation „VisitSonderburg“. Bis März sollen alle Beteiligten darauf vorbereitet sein, Gästen mit Rat und Insiderwissen zur Seite zu stehen, wenn die neue Reisesaison ab Ostern beginnt.

Wenn man darauf setzt, mehr Touristen zu bekommen, warum schließt man dann?

Axel Nielsen

Doch der Stadtmanager gibt zu bedenken: Gerade in der Hauptsaison sei die Nachfrage hoch und die Angestellten in den Geschäften schickten Fragende regelmäßig an die Touristinformation, die nun geschlossen ist. „Wir verweisen im Laufe des Sommers so oft an das Tourismusbüro“, erklärt Nielsen, „und genau das kann ich nicht verstehen: Wenn man darauf setzt, mehr Touristen zu bekommen, warum schließt man dann?“ 

„Ich finde einfach, das ist der falsche Weg“

Aus seiner Sicht sendet die Kommune damit ein widersprüchliches Signal an Gäste, die nach persönlicher Orientierung, Tipps und Empfehlungen suchen.

Statt einer Ausdünnung des Angebots fordert Nielsen eine Stärkung der touristischen Präsenz vor Ort. „Eigentlich müsste man ein Touristenbüro mehr eröffnen, statt es zu schließen“, sagt er und spricht von „dem falschen Weg“, den die Kommune einschlage.