Kulturgeschichte

Osterhoist: Restaurierung der Dorfkirche liegt im Zeitplan

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Die restaurierten Kalkmalereien treten nun weit deutlicher in Erscheinung.

Barrierefreiheit, Wärmepumpen und restaurierte Kunstschätze: In der Osterhoister Kirche laufen umfangreiche Arbeiten. Am 19. April ist die Durststrecke ohne Gottesdienste vor Ort beendet.

„Wir liegen voll im Zeitplan“, sagt der Vorsitzende des dänischen Kirchengemeinderats in Osterhoist, Jes Nørgaard Jessen, noch, bevor er die Tür zum Gotteshaus öffnet. 

Hinter dieser zwischenzeitlichen Tür laufen die Restaurierungsarbeiten. Und dies nicht erst seit gestern. Die romanische Mittelalter-Kirche mit gotischen Elementen ist seit Mitte August 2024 für den kirchlichen Betrieb geschlossen.

Seither bestimmen Handwerkerinnen und Handwerker den Alltag in dem Gotteshaus, das um das Jahr 1200 als Zweigstelle der Klosterkirche in Lügumkloster (Løgumkloster) errichtet wurde. 

Bei einer Restaurierung 1973 stieß man unter dem Boden auf Pfostenlöcher, die Fachleute darauf schließen lassen, dass es mal eine Kirche aus Holz gegeben hat.

Rund 50 Jahre später sind bei den aktuellen Restaurierungsarbeiten – zumindest bislang – keine spektakulären Sachen aufgetaucht. 

Barrierefreiheit am Taufbecken eingeplant

Gottesdienstbesuchende, die im Rollstuhl sitzen oder auf Gehhilfen angewiesen sind, können nach der Restaurierung ganz nah an das Taufbecken herankommen. Das älteste Inventar der Kirche zieht nämlich vom erhöhten Altarraum in das ebenerdige Kirchenschiff um.

„Wir streben auch hier draußen eine bessere Passage für Menschen im Rollstuhl und mit Rollatoren an“, sagt Jes Nørgaard Jessen und zeigt an einem trockenen Vormittag im Dezember auf den Kiesbelag. Ein Fliesenbelag wäre eine Wunschlösung.

 „Dazu reichen unsere finanziellen Mittel aber wohl nicht“, befürchtet Jessen. Es werde wahrscheinlich eine Lösung mit fest usammengepresstem feinkörnigem Schloss-Kies gewählt.

Die Kosten für die Restaurierung belaufen sich auf neun Millionen Kronen. 5,4 Millionen Kronen wurden bei Stiftungen eingeworben. Der Restbetrag wird durch einen Kredit beim Ripener Stift finanziert.

Die Kalkmalereien haben neue Kraft

Jes Nørgaard Jessen verfolgt die Restaurierung Schritt für Schritt.

„Die Restaurierung schreitet still und ruhig voran“, so der Vorsitzende, während es gerade an diesem Tag drinnen aufgrund von arbeitenden  Handwerksleuten etwas lauter ist als sonst.

Im Kirchenraum hat das Kruzifix wieder seinen Platz auf der Nordseite eingenommen. Auf der gegenüberliegenden Wand wird die eingepackte Kanzel von ihrer „Verpackung“ erlöst, Gleiches gilt für den Altar.

Die hohen Baugerüste sind inzwischen abgebaut. Das umfassendste Pensum war die Restaurierung der spätgotischen Kalkmalereien. Diese präsentieren sich nun farbintensiver. Zudem hätten einige hartnäckige dunkle Flecken das Tünchen der Kirche erschwert, erzählt Jes Nørgaard Jessen.

Weitere Verzierungen tauchten auf

Um die dunklen Stellen auszumerzen, musste der Putz bis zu den Steinen im Mauerwerk abgeklopft werden. Anschließend wurden die Schwachstellen mit korrektem Mörtel neu verputzt.

Im Turmraum der Kirche stieß das Expertenteam auch auf einige Kalkmalereien. „Sie sind wieder zugedeckt worden, da es viel zu umfassend wäre, sie freizulegen“, so Jessen.

Farbliche Kur für die Kirchenbänke

Das Kruzifix hängt wieder an seinem angestammten Platz.

Derzeit gibt es für die ausgebauten Kirchenbänke in ihrem zwischenzeitlichen Domizil in Lügumkloster (Løgumkloster) eine farbliche Überholung. 

„Sie werden hellbraun. Der Farbton unterscheidet sich nicht viel vom bisherigen Aussehen“, erläutert der Vorsitzende. Ausgezogen sind zudem ein Großteil der Orgel und die Kronleuchter. Die Instrumententeile und die Leuchtkörper werden von Fachleuten auf Vordermann gebracht. 

Das Heizsystem des Gotteshauses wird von Gas auf Wärmepumpen umgestellt. Damit eröffne sich die Möglichkeit, schnell für Wärme zu sorgen. Neue Vorsatzfenster werden noch ihren Einzug halten.

„Es ist spannend, die Arbeit mitzuverfolgen. Hier sind große Risse im Mauerwerk repariert worden“, erzählt Jessen und zeigt auf die Nordwand, wo früher der seit Generationen zugemauerte Eingang für die Frauen war. 

Ein Termin zum Vormerken

Es gehen noch einige Monate ins Land, bevor sich die ursprüngliche Kirchentür wieder öffnet.

Der Festgottesdienst für die Wiedereröffnung der Kirche in der Regie von Bischof Elof Westergaard ist für Sonntag, 19. April, 10.30 Uhr, geplant. 

Die Mitglieder der dänischen und der Nordschleswigschen Gemeinde nutzen zwischenzeitlich die Kirche in Hostrup. Diese gehört im Vorwege zum Wirkungsbereich von Pastor Carsten Pfeiffer und seinem dänischen Kollegen Thorsten Bjerg Christensen. 

Umfassende Restaurierung der Dorfkirche

Osterhoist: Die Restaurierung der Dorfkirche läuft