Kunst

Rønhaveplads: 21 Kinderschicksale stecken in dieser langen Bank

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Diese Bank ist seit einigen Wochen ein Zeichen für die große Fürsorge des Sonderburger Frauenhauses.

Die Keramikerin Sys Mindedahl hat für den Rønhaveplads ein besonderes Kunstwerk geschaffen. Mit der Bank möchte die Künstlerin die Arbeit des Sonderburger Frauenhauses würdigen und den Kindern, die dort Unterkunft finden, Fürsorge zeigen.

Eigentlich konzentriert sich die Keramikerin Sys Mindedahl (49) von der Galerie Mindedahl am Rønhaveplads auf Tassen, Geschirr und andere kunstvoll gestaltete Dinge fürs Zuhause. Doch seit einem Jahr hat sie sich nebenbei einem ganz anderen Projekt gewidmet. Eines von gigantischer Größe: eine fünf Meter lange Bank mit 10.000 kleinen Mosaiken. Jedes Teil hat die Künstlerin geschnitten, geputzt, glasiert und mit der Hand platziert. 

Ein Hingucker, der am Freitag um 14 Uhr von Bürgermeister Erik Lauritzen (Soz.) eingeweiht wird. Bis dahin bleibt das Objekt ein gut behütetes Geheimnis. Auch für den „Nordschleswiger".

Vier Tonnen wiegt ihr großes Kunstprojekt: Acht Quadratmeter sind mit keramischen Mosaiken und einigen von Sonderburgs bekanntesten Wahrzeichen ausgeschmückt. 

Bank der Fürsorge für Kinder im Frauenhaus

Für die Künstlerin sollte es aber nicht nur ein schöner Treffpunkt mitten im Sonderburger Zentrum sein: „Sie sollte einen tieferen Sinn erhalten: Die Bank der Fürsorge, („the bench of care“). Niemand verdient es, das Zuhause verlassen zu müssen. Ich wollte die Arbeit des Sonderburger Frauenhauses anerkennen und symbolisieren, dass alle Kinder ein Zuhause verdienen. Kinder sind unser Gold. Sie sind eine Herzenssache“, sagt Sys Mindedahl. 

Auf ihrer Bank sind außerdem das Sonderburger Schloss, das Steigenberger Hotel Alsik, die Düppeler Mühle und die Søndre Havnegade zu sehen.

Als Zeichen für die Kinder hat die Künstlerin 21 der Fenster mit 18 Karat vergoldet. Das ist kein Zufall. 2024 beherbergte das lokale Frauenhaus genau diese Anzahl Kinder. 

Die meisten Passanten werden vermutet haben, dass das eingepackte große Ding auf dem Rönhofplatz zu Halloween gehört. Darunter steckt aber etwas ganz anderes.

Warum das Interesse am Frauenhaus? Sys Mindedahl hat eine Freundin aus dem Libanon, die einst im Sonderburger Frauenhaus Zuflucht suchen musste. Unter anderem für diese Frau war das Frauenhaus eine sehr wertvolle Hilfe. Jedes goldene Fenster symbolisiert für die Keramikerin ein Zuhause voller Geborgenheit, Wärme und Hoffnung. 

Keramikerin aus Höruphaff

Der Rønhaveplads ist die perfekte Platzierung für die Bank, findet die Künstlerin. Nicht wegen der danebenliegenden Galerie. Am Abstecher von der Fußgängerzone legen viele Spaziergängerinnen und Spaziergänger eine Pause ein. 

„Hier ist es immer schön. Mit der Bank symbolisiere ich aber auch, wie privilegiert wir sind“, sagt die Künstlerin, die selbst eine Tochter hat. Vor zwei Jahren richtete sie ihre Galerie ein. Sie und ihr Mann René zogen 2023 von Sjælland in ihre Heimatgegend Sonderburg. Sys Mindedahl wurde in Höruphaff (Høruphav) geboren.

Mittlerweile arbeitet die Künstlerin in ihrer gemütlichen Werkstatt im Herzen Sonderburgs. Mit einem Arbeitstisch neben einem großen Ofen, frisch gebrannten Tassen und Dekorationen mit Blick über die Grünfläche des Rønhaveplads. 

Da war viel mehr drin, als ich mir je hatte träumen lassen. Ich habe nicht die Stunden oder Tage gezählt. Der Prozess hat mich Präzision, Geduld und eine gute Portion Beharrlichkeit gekostet.

Sys Mindedahl

Hätte sie das gewusst …

Ihr Kunstprojekt mit der Bank begann vor zwei Jahren. Im Nachhinein sagt Sys Mindedahl: Hätte sie gewusst, wieviel Arbeit sie darein stecken musste, dann hätte sie es vermutlich nicht in Angriff genommen. „Da war viel mehr drin, als ich mir je hatte träumen lassen. Ich habe nicht die Stunden oder Tage gezählt. Der Prozess hat mich Präzision, Geduld und eine gute Portion Beharrlichkeit gekostet.“

Die Ziegelsteine der Bank hat die örtliche Ziegelei Egernsund Wienerberger gesponsert. Mit einem großen Trailer transportierte Sys’ Ehemann René die vielen Steine zur technischen Schule in Apenrade (Aabenraa). 

Sys Mindedahl

Die Schule hatte sich sofort bereiterklärt, dass einige ihrer Maurerschüler diese ganz andere kreative Aufgabe übernehmen. Anschließend wurde die vier Tonnen schwere Bank im Laster nach Sonderburg gebracht. Nun konnte die Keramikerin mit der Gestaltung mit den Tausenden Mosaiken beginnen. 

Gemeinsam ins Ziel

Sys Mindedahl hat vor ihrem großen Projekt vorher nie mit Mosaiken gearbeitet. Sie erhielt daher Hilfe von der Mosaikkünstlerin Simone Vogel aus Wollerup (Vollerup) und der grafischen Zeichnerin Kiana. Ohne diese beiden hätte sie ihr ambitioniertes Projekt nicht so schnell verwirklichen können. 

„Von der Idee bis zum fertigen Kunstwerk, das erfordert mehr als nur Fleiß. Das erfordert Gemeinsamkeit, Kreativität und Willen. Davon habe ich glücklicherweise ganz viel erhalten. Das nenne ich gutes Karma“, so Sys Mindedahl dankbar.

Sys Mindedahls Bank könnte ihrer Meinung nach 100 Jahre auf dem Rønhaveplads stehen. „Aber sie kann auch woanders hingestellt werden, wenn hier auf dem Platz etwas passieren soll“, meint sie lächelnd. Die technische Verwaltung der Sonderburger Kommune hatte sofort grünes Licht gegeben, als die Künstlerin beim Sonderburger Gewerbeservice nachfragte. 

Ein Blick in die Werkstatt der Gallerie Mindedahl

Sys Mindedahl zog einst nach ihrem Abitur für zehn Jahre nach Kopenhagen. In der Landeshauptstadt hatte sie unter anderem eine leitende Funktion in einer IT-Abteilung, wo sie die Chefin von 15 Männern und Frauen war. Aber dann holte sie der Stress ein. 

Drei Generationen in einer Boutique

Bei einem Keramikkurs in Frederiksværk verlor sie dann ihr Herz an die Keramik. „Ich bin eigentlich Autodidaktin. Aber dort habe ich alles über Keramik gelernt. Nach 2,5 Jahren zog es uns dann nach dem Tod meines Vaters wieder nach Sonderburg.“ Ihr Mann, den sie einen Erz-Kopenhagener nennt, gab seine eigene Zimmererfirma auf. 

Das Paar kaufte das alte Haus am Rønhaveplads und richtete unten die Werkstatt mit Galerie und auf der oberen Etage ein Bed & Breakfast ein. Heute helfen ihre Mutter Pia (73) und die Tochter Sille ihr in der Galerie: „Jetzt sind wir drei Generationen in einer Boutique.“

Sys Mindedahl mit einigen ihrer frischgebrannten Arbeiten