Folketingswahl 2022

Kommunale Wahlanalyse III: Biodiversität, Energie, Soziales – und Dänemark zuerst

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Für Atomkraft und ein starkes Militär macht sich der Grammer Kommunalpolitiker Thomas Vedsted (Neue Bürgerliche) stark. Hier ist er mit seiner Parteichefin Pernille Vermund zu sehen.

Wer die Wahl hat, hat bekanntlich die Qual. Was wollen die potenziellen Volksvertreterinnen und -vertreter, die im Großkreis Hadersleben kandidieren? Ihre Themenpalette ist breit gefächert. Wahlversprechen gibt es zuhauf. Eine Partei kann die Quintessenz ihres Programms in nur zwei Worte fassen.

Am 1. November findet die Folketingswahl statt. „Der Nordschleswiger“ begleitet sie national und regional. In unseren kommunalen Wahlanalysen schauen wir genauer auf die Themen und Chancen der Kandidatinnen und Kandidaten in den Kommunen in Nordschleswig. Hier ist Teil 3 von 4: die Kommune Hadersleben.

Alles geht noch bis zu den Parlamentswahlen. Wer passt zu wem? In diesen Tagen und Wochen entscheidet sich das Wahlvolk für seine Favoritinnen und Favoriten. Es ist für jeden etwas dabei in den Wahlprogrammen der einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten, die sich unter anderem im Großkreis Hadersleben zur Wahl stellen.

Grenzkontrollen ein zentrales Thema im Wahlkampf

Die Themenpalette ist breit gefächert.

Die Grenzkontrollen sind ein Thema, das sich die Haderslebener Christdemokratin Mirjam Fibiger Olesen und die Partei Alternative auf die gemeinsamen Fahnen geschrieben haben. Unter dem Motto #ÖffnetDenSchlagbaum! setzen sie sich in ihrem Wahlkampf für eine Abschaffung der seit der Flüchtlingskrise praktizierten, „vorübergehenden“ Grenzkontrollen ein. Energie und eine saubere Umwelt gehören ebenfalls zum Wahlprogramm – ebenso wie das Ja der Christdemokraten zur Atomkraft.

Chancenlos – trotz Netzwerks

Mirjam Fibiger Olesen hat als Schulleiterin in Hadersleben ein großes Netzwerk. Das hätte ihr im Bündnis mit der Partei Alternative und der Schleswigschen Partei zur Kommunalwahl 2021 fast ein eigenes Mandat eingebracht. Dennoch hat Olesen keine Chance, ins Folketing einzuziehen.

Mirjam Fibiger Olesen, hier zu sehen mit Helene Hellesøe Appel bei der Kommunalwahl, hat kaum Chancen.

Immerhin: Dort sind die Christdemokraten dank des Parteiwechsels von Jens Rohde seit dem vergangenen Jahr nach Jahren der Abwesenheit erneut repräsentiert gewesen – zumindest bis Ende August, als Rohde wieder aus der Partei austrat. Zu dieser Wahl kandidiert Rohde, der früher Mitglied von Venstre und Radikaler Venstre war, nicht mehr und beendet somit seine Karriere als „Parteiüberläufer".

Umweltpartei und Dänische Volkspartei an der Sperrgrenze

Die Umweltpartei Alternative, Kandidat ist hier unter anderem Nilas Bay-Foged, dümpelt ebenso wie die Dänische Volkspartei (DF) nach den jüngsten Umfragen unter der Sperrgrenze. Chancenlos ist auch der Haderslebener DF-Kandidat, der Kommunalratsabgeordnete Jon Krongaard. Politisch hat er an der Spitze des kommunalen Beschäftigungsausschusses, vornehm ausgedrückt, wenig erreicht – von landesweiten Schlagzeilen abgesehen. Im Gegenzug hängt nun auf seine Initiative eine riesige Dannebrog-Flagge im Saal des Kommunalparlaments. Immerhin. Die Quintessenz ihres politischen Anliegens fasst DF in zwei Worte: „Dänemark zuerst“.

Polit-Routinier Hans Christian Schmidt (Venstre) dürfte nach der Wahl auf der Siegerseite stehen.

Kultur, Natur – und das große Sorgenkind Kleiner Belt

Helene Hellesøe Appel und Mathias Christiansen von der Haderslebener Einheitsliste ziehen gegen soziale Ungleichheit ins Feld, für die Kultur und die Biodiversität. Diese ist auch ein Anliegen von Nanna Bonde. Die frühere Vorsitzende der Jugendorganisation der Sozialistischen Volkspartei in der Region ist eine warme Befürworterin der Energiewende. Doch auch für die ältere Generation, für Kinder und das Gesundheitswesen setzen sich diese Vertreterinnen und Vertreter des politisch linken Spektrums ein. Zumindest Nanna Bondes Chancen sind aussichtsreich.

Ebenfalls ein sicherer Kandidat ist Ausbildungsminister Jesper Petersen (Mitte), hier zu sehen mit seinem Parteifreund, dem sozialdemokratischen Verteidigungsminister Morten Bødskov (rechts) und dem Vorsitzenden der Kasernenfreunde, Ole Gellert.

Für ein starkes Militär und Atomkraft

Am anderen Ende des politischen Spektrums steht der Haderslebener Kommunalratsabgeordnete Thomas Vedsted aus Gramm (Gram), der für Neue Bürgerliche ins Parlament einziehen möchte. Auch er ist ein warmer Fürsprecher von Atomkraft – und eines starken Militärs. Seine Aussichten für einen Wechsel ins Parlament sind praktisch nicht vorhanden.

Die Konservative Volkspartei in Hadersleben hat sich ihre Spitzenkandidatin aus der Nachbarkommune Apenrade (Aabenraa) geholt: Rikke Norlyk setzt in ihrem Programm auf Ausbildung, Klima, Infrastruktur und Natur. Ob das angesichts der gegenwärtigen Talfahrt ihres Parteivorsitzenden Søren Pape für einen Sitz im Parlament ausreicht, steht in den Sternen. Bei allem Pessimismus: Mehr als eine sichere bürgerliche Stimme dürfte schon drin sein.

Sichere Sieger

Ganz gewiss ist, dass das Wahlvolk das Mandat des langjährigen Venstre-Politikers und früheren Ministers Hans-Christian Schmidt aus Woyens (Vojens) bestätigen wird. Er ist bekannt als Mann des Volkes, der sich nicht zu schade ist, auch „Kleinigkeiten“ aus seinem politischen Hinterhof zu einem Fall für Christiansborg zu machen.

Zur Energiewende in Dänemark haben fast alle Parteien eine Meinung im Wahlkampf.

Gleiches gilt für den Sozialdemokraten, Ausbildungsminister Jesper Petersen, Hammeleff (Hammelev): Es müsste schon einiges schieflaufen, sollte er seine politische Karriere in der Landespolitik nicht fortsetzen dürfen. Auch er ist emsig in seinem Hinterland unterwegs und hat sich schwerpunktmäßig die Themen Ausbildung und Streitkräfte auf die politische Fahne geschrieben.

Für die Abschaffung der Grenzkontrollen steht Nils Sjøberg aus Kolding von der Radikalen Venstre. Auch der Kleine Belt liegt ihm am Herzen, ebenso der Ausbau der Bahngleis-Infrastruktur im Landesteil. Seine Hürde sind die sinkenden Umfragewerte für seine Partei.

Wie wird die Folketingswahl enden? Vermutlich nicht mit einem bürgerlichen Staatsminister oder einer Staatsministerin, dafür aber mit einer Regierung, die teilweise auf einem bürgerlichen Fundament ruhen wird. Das ist ein wahrscheinliches Szenario des Wahlausgangs. Zumal das bürgerliche Lager hierzulande gespalten ist und nicht an einem Strang zieht.

Ungeachtet der politischen Talfahrt der einstigen Überflieger- und Volkspartei: Mehr als eine bürgerliche Stimme dürfte den Konservativen gewiss sein.

Doch wer weiß? Vielleicht kommt alles ganz anders. Spätestens am 2. November werden wir es besser wissen.