Deutsche Minderheit

Weihnachtspreisrätsel 2025: An diese Türen haben wir geklopft

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Ulla Terp
Für Ulla Terp aus Tondern war der Besuch des „Nordschleswigers“ ein großer Grund zur Freude. Schon im vergangenen Jahr hatte sie gewonnen.

Dichter Nebel und ein Auto voller Käse, Schokolade und Gänse: Die Weihnachtspreisrätseltour führte den „Nordschleswiger“ in diesem Jahr erneut kreuz und quer durch den Landesteil zu zehn Adressen – mit neuen und alten Bekannten. Wer hinter den Türchen wartete.

Motiviert starten meine Kollegin Hannah Dobiaschowski und ich am Mittwochmorgen am Medienhaus in Apenrade. Es ist unsere dritte gemeinsame Weihnachtspreisrätseltour – das auch, weil unser Chefredakteur Gwyn Nissen vorab fragte, ob wieder das „Dream-Team“ auf die Tour gehen möchte. Es möchte.

Zehn Adressen, 260 Kilometer

Hannah Dobiaschowski und Gerrit Hencke
Das „Dream-Team“: Hannah und Gerrit

Auf dem Zettel stehen in diesem Jahr zehn Adressen in ganz Nordschleswig, die wir nacheinander anfahren. Gezogen wurden die Gewinnerinnen und Gewinner per Zufallsprinzip aus den mehr als 200 Einsendungen.

Die Route führt zunächst nach Westen – nach Tingleff (Tinglev) und Tondern (Tønder), danach nach Hadersleben (Haderslev), Pattburg (Padborg) und Sonderburg (Sønderborg). Es ist die erste Weihnachtspreisrätseltour, die wir emissionsfrei in unserem neuen Elektro-Dienstwagen zurücklegen. 

Unsere erste Station führt uns zum Landwirtschaftlichen Hauptverein Nordschleswig (LHN). Auf dem Weg dorthin sehen wir hinter einem Waldstück die Sonne aufgehen. Es ist das letzte Mal an diesem Tag, dass wir sie sehen. Es ist bewölkt und regnet, als wir auf den Parkplatz rollen. Es ist das dritte Jahr in Folge mit typisch nordschleswigschem Weihnachtswetter. 

Jette Erichsen ist die erste, die wir überraschen. Sie ist seit bald 30 Jahren Hausmeisterin beim LHN. Von uns bekommt sie mit der Gans ein vorgezogenes Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk, denn am 2. Weihnachtstag feiert sie Geburtstag. Auch zwischen den Tagen werden in der Familie und im Freundeskreis Geburtstage gefeiert – nicht mehr so viel wie früher, wie sie sagt, dennoch wartet ein volles Programm. Die Freude bei Jette über den Gewinn ist jedoch groß, weshalb es gleich noch ein Erinnerungsfoto mit Hannah gibt.

Jette Erichsen
Große Freude bei Jette Erichsen, die als Hausmeisterin beim LHN arbeitet.

Weihnachtlicher Segen für Käse 

Wir fahren weiter nach Tingleff, wo wir Gerd Lorenzen im Kontor der Nordschleswigschen Gemeinde an der Hovedgade mit einem großen Präsentkorb Käse überraschen. Er habe schon immer mitgemacht, sagt er – auch für seine 83-jährige Mutter. „Zuletzt gewonnen habe ich, da hieß das noch Gänsepreisrätsel.“

In Tingleff suchen wir dann das Haus von Lisa Muus Bennetzen. Nachdem wir uns trotz Navigationssystem einmal verfahren haben, finden wir doch noch die richtige Haustür. Die Radiologin bekommt eine Gans und erzählt, dass ihre Mutter für sie teilgenommen hat. „Das hat meine Oma schon für meine Mama gemacht“, sagt sie.

Gerd Lorenzen
Gerd Lorenzen ist Geschäftsführer der Nordschleswigschen Gemeinde.

Was mit der Gans passieren soll? „Da muss ich Mama fragen. Weihnachten feiern wir bei ihr.“

Schokolade am Ende der Welt

Lisa Muus Bennetzen
Eine Gans für Lisa Muus Bennetzen.

Die Schokoladen-Präsente von Fylla holen wir anschließend bei Fylla Jensen zu Hause ab. Dafür müssen wir zunächst durch Tondern und zum letzten Haus am Gammel Digevej.

Große Überraschung in Tondern

Tondern
Die beste Schokolade in Nordschleswig müssen wir „ab vom Schuss“ abholen.

Auf dem Rückweg über Stock und Stein geht es zu einer Adresse, die wir bereits im vergangenen Jahr angefahren haben. Als uns Ulla Terp die Tür öffnet, ist die Überraschung riesengroß. Wir werden sogleich umarmt und hereingebeten zu Apfelsaft, Marzipanpralinen mit Haselnüssen vom eigenen Strauch und selbstgemachtem Früchtebrot.

Im vergangenen Jahr saß noch ihr zu dem Zeitpunkt gesundheitlich schwer angeschlagener Mann Horst mit am Tisch. Im Januar starb er. 67 Jahre lang war er an Ullas Seite. „Ich vermisse ihn sehr“, sagt sie. Doch Ulla ist ein positiver und herzlicher Mensch. „Ich bin allein, aber nicht einsam. Nach seinem Tod bin ich gleich rausgegangen.“ Ihr enges soziales Netz hat sie aufgefangen. Sie sei froh, dass ihr niemand aus dem Weg gegangen ist, sagt sie.

Ulla Terp
Riesige Überraschung in Tondern für Ulla Terp, die zum zweiten Mal in Folge gezogen wurde.

Auch Weihnachten ist sie nicht allein. Gefeiert wird bei Sohn Ulf mit neun Leuten. Dabei wird sicher auch der Wahlerfolg von Enkel Victor Puck Terp Thema sein. „Ich habe da schon mitgefiebert“, sagt Ulla.

Da wir noch ein paar Adressen auf der Liste haben, müssen wir leider weiter. Ulla winkt uns zum Abschied. 

Die nächste Anschrift haben wir vor zwei Jahren zuletzt angefahren. Hier öffnet Edith Tröster die Tür, die sich erneut über einen Korb voller Fylla-Schokolade freuen kann. Die Weihnachtszeit wird sie mit ihrer Familie zwischen Tondern und Hamburg verbringen, wie sie sagt.

Reiher, Musenødder und Vielfältigkeit

Edith Tröster
Edith Tröster durfte sich bereits 2023 über Schokolade freuen.

Ein Stück weiter westlich in Bülderup-Bau (Bylderup-Bov) geht das nächste Käsepaket an Margit Hinrichsen. Im hellen Wohnzimmer mit Blick auf die Au und einen Fischreiher gibt es alkoholfreien Punsch und Musenødder. Die langjährige Erzieherin arbeitete 22 Jahre lang an der Schule in Burkal (Burkhall).  Drei Söhne hat das Paar, die in Aalborg, Aarhus und Kopenhagen leben. Zu Weihnachten kommen sie alle mit Familie ins Ferienhaus auf Röm (Rømø).

Gemeinsam betrieben Uwe und Margit über viele Jahre eine Tankstelle mit Werkstatt im Ort. Heute leuchten hier die Tafeln der Tankstellenkette „Ingo“ an der Hauptstraße.  „Es gab auch einen kleinen Shop und eine Videothek“, sagt Uwe, der als Automechaniker die Werkstatt betrieb. 2016 gab Uwe die Werkstatt an einen Nachfolger ab. 

Uwe und Margit Hinrichsen
Uwe und Margit Hinrichsen kauften das Haus direkt an der Au nach der Aufgabe der Tankstelle.

Die Familie ist im Ort nicht zuletzt durch die Tankstelle sehr bekannt – aber auch, weil sie in der Minderheit sehr engagiert ist. 

Uwe spielt Tischtennis in Tingleff und freut sich, dass es heute so bunt gemischt ist. Es werden Deutsch, Dänisch und Sønderjysk im Training gesprochen. Dass das nicht immer so war, wissen Uwe und Margit genau. Gemeinsam im Sportverein? Das sei noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen. Dänen hätten Handball gespielt, die Minderheit eher Fußball. „Früher war das sehr getrennt hier im Ort. Da wurde einem schon gesagt, zu welchem Schlachter man gehen sollte – als Minderheit natürlich zum deutschen, nicht zum dänischen.“ 

Besuch im Kindergarten

Nach dem angenehmen Zwischenstopp bei den Hinrichsens geht es zum dänischen Kindergarten in Boldersleben (Bolderslev). Hier arbeitet Ina Schmidt Sørensen, der wir unter neugierigen Blicken der Kinder einen Korb Schokolade überreichen. 

Anschließend geht es für uns auf die Autobahn nach Hadersleben, wo der Nebel immer dichter wird. 

Ina Schmidt Sørensen
Ina Schmidt Sørensen treffen wir auf der Arbeit.

Schokolade für zwei Bücherwürmer

Im Kulturhaus Bispen finden wir trotz Hindernissen – die Treppe wird gerade renoviert und der Fahrstuhl ist defekt – in die deutsche Bücherei. Monika Knutzen ist alleine, als wir ihr ebenfalls Schokolade überreichen. Die werde sie mit ihrer Kollegin Annegret Moritzen teilen, sagt sie. Sie habe schon häufig mitgemacht, aber zuletzt gewonnen, als sie in und um Hadersleben noch mit dem Bücherbus fuhr.

Von Hadersleben fahren wir hinter unzähligen Nebelschlussleuchten hinterher in Richtung Pattburg (Padborg).

Monika Knutzen
Schokolade zum Teilen mit der Kollegin: Monika Knutzen überraschen wir auf Umwegen.

Weihnachten in Fernost

Dort besuchen wir am Ortsrand von Bau (Bov) Günther Bonnichsen und seine Frau Mia. Das Paar ist auf dem Sprung. Am Donnerstag geht es mit Enkeln und Kindern nach Thailand – insgesamt 13 Personen. Schon häufig hat es die Familie an Weihnachten in wärmere Gefilde gezogen. Mit Blick auf die triste Suppe draußen vor dem großen Wintergarten keine schlechte Idee. Außerdem muss Günther dann auch die Maulwurfshügel auf seinem Rasen für zwei Wochen nicht mehr sehen, über die er sich offenbar etwas ärgert.  

Weil der alte Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha derzeit wieder aufflammt und auch touristische Regionen betroffen sind, wird die Familie wohl kurzfristig noch den genauen Urlaubsort wechseln. „Erst mal landen wir in Bangkok und dann schauen wir“, sagt Mia.

Günther stammt eigentlich aus Ruttebüll (Rudbøl), aber lebt schon lange in Bau. Seine Frau kam als sudetendeutsches Kind erst nach Deutschland, dann nach Schweden. Heute engagieren sich beide in der Minderheit, mischen sich aber auch mal unter die Mehrheitsbevölkerung.

Günther Bonnichsen
Günther Bonnichsen fliegt mit Frau Mia und Familie über Weihnachten nach Thailand.

Über den Gewinn, eine Gans, freuen sich beide. Es ist das erste Mal, dass sie gewinnen. Dieses Jahr haben sie das Glück wohl gepachtet. So gewannen Günter und Mia bereits die „Nordschleswiger“-Karten für das Tønder Festival. „Das hat uns richtig gut gefallen“, sagen beide über das Erlebnis. Wann es die Gans gibt, ist indes noch offen. „Da müssen wir einen Termin finden.“ 

Zum Abschluss unserer Fahrt geht es in die Sundgade nach Sonderburg. Bei der Fahrt von Düppel (Dybøl) in die Stadt ist kaum etwas zu sehen. Der Nebel und die einsetzende Dunkelheit tauchen den Hafen in düsteres Licht. 

Sonderburger Hafen
Trübe Aussichten im Sonderburger Hafen.

Seit 45 Jahren im einst unbeliebten Hafenviertel

Hier wohnt Gudrun Kromand seit 45 Jahren. Erst hört sie uns nicht, weil sie mit Kopfhörern einen Film geschaut hat. Als wir gerade den Käse mit einer Notiz vor der Tür abstellen wollen, öffnet sich die Tür doch noch.

Aus Gudruns Wohnzimmer hat man einen schönen Blick auf den Hafen. Früher sei das keine beliebte Wohngegend gewesen, als sie das Haus kaufte, sagt sie. Freunde hätten damals gesagt: „Da möchtest du mit den Kindern hinziehen?“ Doch das Hafenviertel hat sich verändert und zählt heute zu den beliebtesten Wohngegenden in Sonderburg.

Als Tochter des früheren Verlagsleiters des „Nordschleswigers“, Carsten Kromand, habe sie sich auch nach dessen Ruhestand geziert, am Weihnachtspreisrätsel teilzunehmen. „Ich habe immer mitgemacht, aber nicht immer abgeschickt“, sagt sie. 

Gudrun Kromand
Gudrun Kromand lebt seit 45 Jahren in dem Haus an der Sundgade.

„Bei einer Geburtstagsfeier früher am Tag hat eine Freundin noch gesagt: ‚Einer von uns wird gewinnen‘“, freut sich die Sonderburgerin, die seit vielen Jahren im Sozialdienst aktiv ist. „Meiner Freundin werde ich etwas von dem Käse abgeben“, sagt sie. 

Punkt 16 Uhr sitzen wir im Auto. 260 Kilometer und acht Stunden später fahren wir zurück zum Medienhaus. Dort angekommen, zeigt der Akku noch 49 Prozent an. Da sagt mal noch einer, mit einem Elektroauto komme man nicht weit herum.