Nordschleswig

Weihnachtspreisrätsel 2024: An diese Türen haben wir geklopft

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Marie Medow
Schokolade aus Lügumkloster (Løgumkloster) ist die passende Nervennahrung für Bibliothekarin Marie Medow, die gerade ihre Masterarbeit schreibt. Sie ist eine von zwölf Glücklichen, die in diesem Jahr beim Weihnachtspreisrätsel gewonnen haben.

Zwölf Adressen, 240 Kilometer und jede Menge Freude: Wir vom „Nordschleswiger“ waren mit Geschenkkörben und Mikrofon im ganzen Landesteil unterwegs, denn die Tour wird auch am Freitag, 20. Dezember, in unserem Podcast „Mojn Nordschleswig“ Hauptthema sein.

„Warum haben wir eigentlich nur noch zwei Adressen, aber noch drei Präsente?“, fragte meine Kollegin Hannah Dobiaschowski am Dienstagnachmittag irgendwo zwischen zwei Kreisverkehren bei Tingleff (Tinglev) beim Blick in den Kofferraum unseres Redaktions-Golfs. Da waren wir schon mehrere Stunden unterwegs auf unserer diesjährigen Tour zu den Gewinnerinnen und Gewinnern des Weihnachtspreisrätsels, um ihnen mit Gans, Ente oder Präsentkörben voller Schokolade oder Käse eine Freude in der Vorweihnachtszeit zu machen.

Missverständnis sorgt für mehr Preise

Ausgelost wurde im Vorfeld der Tour durch Nordschleswig wie gewohnt per Zufallsprinzip. Wir hatten für jede Region Töpfe gebildet, woraus dann die Preisträgerinnen und Preisträger gezogen wurden. Hier kommt der Fehler ins System. Wegen einer misslungenen Absprache wurden nicht zehn Preise besorgt, sondern elf. Oder auch nicht. Denn mit dem Blick auf die Rückbank wurde klar, wir hatten sogar zwölf Präsente dabei.

Es erinnert ein wenig an diese unverständlichen Mathematik-Textaufgaben aus der Schulzeit, bei denen ich damals mitunter den Überblick verlor. Projektmitarbeiterin Hannah ging es offenbar genauso. Kurzerhand wurde per Zufallsprinzip – ich durfte eine Zahl zwischen 1 und 24 bestimmen – ein zusätzlicher Gewinner ermittelt. Das resultierte dann in knapp 240 Kilometern Fahrtstrecke an diesem Dienstag.

Alles Käse im Haus Nordschleswig

Hannah Dobiaschowski und Gerrit Hencke
Hannah Dobiaschowski und Gerrit Hencke waren auf Tour, um die diesjährigen Gewinnerinnen und Gewinner des Weihnachtspreisrätsels zu überraschen.

Los geht es im Norden von Apenrade bei Nieselregen und grauem Himmel, wo an der ersten Adresse niemand die Tür öffnet. Da Apenrade aber auch gleich wieder unser Ziel ist, machen wir uns zunächst auf den Weg ins Haus Nordschleswig, wo gleich zwei Preise zu vergeben sind. Über eine Käseauswahl darf sich Bernd Søndergaard freuen, den wir in einem laufenden Meeting überraschen. „Das liegt bestimmt daran, dass ich mehrfach eingesendet habe, weil es nicht ankam“, so der Hauptgeschäftsführer des Bundes Deutscher Nordschleswiger.

Hier müssen wir beruhigen. Mehrfacheinsendungen wurden vorab herausgefiltert. Bernd hatte einfach Losglück. Die Preisübergabe verläuft etwas schwerfällig, da er am Montag im Bundesinnenministerium an einer Treppe gestürzt war und daher etwas schmerzverzerrt zum obligatorischen Foto aufsteht. Doch der Käse wird die Wunde am Fuß sicher schnell heilen.

„Jingle Bells“ sorgt für einen Sonderpreis

Bernd Søndergaard
Bernd Søndergaard freut sich über seinen Gewinn.

Einen Sonderpreis gibt es für Kommunikationskonsulentin Sally Flindt-Hansen. Sie hatte das Liederrätsel aus dem Podcast gelöst und bekommt auf dem Flur einen Goodie-Bag mit einem „Nordi“ überreicht. Sie hatte das rückwärts abgespielte Lied erkannt und die Lösung ebenfalls verkehrt eingereicht. Slleb Elgnij – na, wer errät es?

Eine Brotzeit in Kopenhagen

Sally Flindt-Hansen
Sally Flindt-Hansen kann künftig mit „Nordi“ kuscheln.

Vom Haus Nordschleswig geht es für uns nach Sonderburg (Sønderborg) weiter. Durch eine Schar an Schülerinnen und Schülern, die gerade in der großen Pause sind, platzen wir eine Dreiviertelstunde später ins Büro von Schulleiterin Henriette Tvede Andersen an der deutschen Schule. Sie ist ebenfalls in einer Besprechung, die wir gekonnt crashen.

„Ah, wie schön“, ist die erste Reaktion. Zuvor sagte sie am Morgen ihrem Kollegium, sie werde sicher heute überrascht. Wirklich gerechnet habe sie jedoch nicht damit, dass „Der Nordschleswiger“ in ihr Büro kommt. „Am 23. machen wir bei meinem Bruder in Kopenhagen Brotzeit, und ich soll auch etwas mitbringen“, so die Schulleiterin. Eine Käseplatte passt da doch perfekt.

In Gravenstein (Gråsten) treffen wir Gewinnerin Elisa Priester leider nicht an. Dort platzieren wir einen Präsentkorb mit Fylla-Schokolade im Carport und hinterlassen einen schriftlichen Gruß.

Henriette Tvede Andersen
In ihrem Büro an der DSS haben wir Henriette Tvede Andersen überrascht.

Erster Gewinn für Preisrätsel-Urgestein

Mehr Erfolg haben wir anschließend in Krusau (Kruså), wo wir Jes Jessen mit einer Gans überraschen können. „Nein, das ist ja wohl nicht wahr. Das erste Mal nach langer, langer Zeit“, sagt der gebürtige Oeverseer voller Freude beim Öffnen der Tür. „Ich hätte nicht gedacht, dass mir das noch mal passiert.“ Seit es das Weihnachtspreisrätsel gibt, nimmt der seit Jahrzehnten in der deutschen Minderheit sehr engagierte 92-Jährige am Preisrätsel teil. Seit Ende der 50er-Jahre, glaubt er. Gewonnen hatte er bis dato jedoch noch nie. Platz in der Tiefkühltruhe muss Jes bei den Nachbarn suchen, sein eigenes Tiefkühlfach dürfte zu klein sein, wie er an der Tür vermutet.

Eine Ente für die Feier mit dem Sohn

Jes Jessen
Jes Jessen an unserem Podcast-Mikrofon

Die Preisübergabe beim Landwirtschaftlichen Hauptverein für Nordschleswig (LHN) gelingt im ersten Anlauf nicht, da Gewinner Hugo Schmidt zu einem Kundentermin ist. So geht es für uns zunächst nach Tingleff zu Hanns Peter Blume, der uns gleich in sein Wohnzimmer bittet. Die Ente kommt gelegen, denn der frühere Lehrer an der Deutschen Schule Tingleff und seine Frau Inga haben noch nichts für den Weihnachtsabend besorgt. Gehofft, dass er gewinnt, habe er jedoch auch nicht, so der Nordschleswiger, dessen Familie gerade erst in Richtung Deutschland abgereist ist. „Mein Schwiegersohn und mein Enkel müssen an Weihnachten beide arbeiten. Wir haben also fünf Tage vorgefeiert“, berichtet Peter, der immer wieder Leserberichte für den „Nordschleswiger“ verfasst und Fotos macht – etwa über die Aktivitäten der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig, der Kirche oder des BDN-Ortsvereins. Allerdings möchte der Ruheständler hier künftig kürzertreten.

Auf dem Wohnzimmertisch liegen also – nicht überraschend – eine Chronik der Arbeitsgemeinschaft sowie ein aktuelles Jahrbuch. „Ich mache das jedes Jahr für die Familie“, sagt er. Zu Weihnachten kommt nun sein Sohn aus Kopenhagen zu Besuch. Nach einem Glas Wasser verabschieden wir uns, wir haben ja noch eine weite Strecke vor uns.

Nervennahrung für die Masterarbeit

Hanns Peter Blume und Frau Inga in ihrem Wohnzimmer vor dem bereits geschmückten Baum.
Hanns Peter Blume und Frau Inga in ihrem Wohnzimmer vor dem bereits geschmückten Baum

In Rohrkarr (Rørkær) halten wir an einem entlegenen Haus und treffen hier Tonderns Büchereileiterin Marie Medow an. Warum die 41-jährige gebürtige Berlinerin am Dienstagvormittag nicht in ihrer Funktion in der Bücherei anzutreffen ist, kann sie erklären. „Weil ich eigentlich gerne meine Masterarbeit schreiben möchte.“ Die freudige Ablenkung sei jedoch willkommen, betont sie. In dem berufsbegleitenden Studiengang dreht sich alles um Bibliotheks- und Informationsmanagement. Während wir einen Kaffee und Lebkuchen bekommen, telefoniert Marie mit ihrer Dozentin, um Feedback für ihr Exposé zu erhalten.

Freude, Apfelsaft und Holzengel

Marie Medow
Marie Medow kann Nervennahrung gerade gut gebrauchen.

Nach der Stärkung geht es für uns nach Tondern zum Haus von Ulla Terp und ihrem Mann Horst. Vor dem Haus steht bereits der Weihnachtsbaum bereit, und als die Tür aufgeht, ist die Freude bei der 83-Jährigen über eine Käseplatte riesig. Sofort umarmt sie Hannah und nimmt mich anschließend an die Hand, um uns in die Küche zu bugsieren. Wir bekommen einen Apfelsaft aus Äpfeln vom eigenen Grundstück. Ulla Terp ist gerade bei der Weihnachtspost. In der Küche läuft Musik aus dem Radio.

Die Terps sind große Freunde des Tønder Festivals und haben bis heute keine Ausgabe verpasst. Jazz- und Folk-Fan Ulla sang jahrzehntelang in der Musikvereinigung Nordschleswig. Weil wir „besondere Menschen“ seien, schenkt uns Ulla zwei kleine Holzengel für den Weihnachtsbaum. „Wir sind Weihnachten zu Hause. Unsere Kinder haben beschlossen, zu uns zu kommen, weil die Situation so ist, wie sie ist“, sagt die Tonderanerin. Denn ihr Mann Horst ist schwer krank und nicht mehr mobil.

Mit viel positiver Energie, die wir von Ulla mitbekommen haben, geht es nach Uberg (Ubjerg). Dort wohnt Broder Petersen, dem wir ebenfalls Geflügeltes überreichen. Zuletzt habe er in den 80er-Jahren mal gewonnen, erinnert er sich. Ob wir bereits Mittagessen bekommen haben, fragt er. Weil wir noch viele Geschenke im Kofferraum haben, müssen wir ablehnen, wünschen frohe Weihnachten und schwingen uns wieder in den Karren. Nächstes Ziel: erneut der LHN.

Ulla Terp
Ulla Terp aus Tondern freute sich besonders über unseren Besuch.

Zweite Stippvisite beim LHN

Broder Petersen
Broder Petersen wohnt in Uberg.

Hier erwischen wir endlich Hugo Schmidt und überreichen ihm zunächst Käse. Später tauscht er aber noch gegen eine Gans. „Bei einem so wichtigen Anlass hättet ihr mich vorhin doch aus der Sitzung herausholen können“, sagt er. Beim LHN ist Hugo unter anderem für die Buchführung zuständig und berät bei Steuerfragen. Pflanzenbau- und Umweltberatung sowie Eigentumsberatung gehören beim LHN zum täglichen Brot. Auch sonst ist Hugo Schmidt engagiert. So ist er Vorsitzender der Schleswigschen Partei in der Kommune Apenrade und Wahlausschussvorsitzender für die Kommunalwahl 2025.

Nun geht es in Richtung Autobahn und dann nach Norden in Richtung Woyens (Vojens). Dort wollen wir Ilse Friedrichsen einen Präsentkorb voller Schokolade überreichen. Doch obwohl Licht brennt, scheint niemand zu Hause zu sein. Die Klingel mit Fanfare bleibt unbeantwortet. Wir hinterlassen wieder eine Nachricht an der Haustür. Später kommt eine E-Mail ins Postfach, in der Ilse um Verzeihung für ihre Abwesenheit bittet. Wegen eines Todesfalls in der Familie war sie in Esbjerg.

Ein „Donnerwetter“ für den Fahrschullehrer

Hugo Schmidt
Hugo Schmidt konnte im zweiten Anlauf seinen Preis übernehmen.

Die nächste Station führt uns in ein Gewerbegebiet nach Hadersleben (Haderslev). Dort hat Christian Jürgensen seine Fahrschule, die er 1973 mit seiner Frau Inge gegründet hat. Mittlerweile führt sein Sohn Carsten das Unternehmen. Sein Team und er bieten nicht nur Fahrstunden für den Pkw-Führerschein an, sondern auch für Lkw und Motorrad.

Hinter einer großen Halle mit geparkten Lastwagen ist das Wohnhaus versteckt, wo uns Hunde bellend empfangen. „Donnerwetter“, sagt Christian über seinen Preis. Gewonnen hat der 76-Jährige noch nie, obwohl er bereits viele Jahre mitmacht. Viele Jahre war er auch in der Minderheit aktiv, hat seine Ehrenämter aber schon vor Jahren abgegeben.

Junge Spitze freut sich über Schokolade

Christian Jürgensen
Christian Jürgensen am Mikrofon von Kollegin Hannah

Auch bei Christian hätten wir einen Kaffee bekommen, aber wir wollen nach Apenrade zurück, um hier die eingangs nicht erreichte Anika Hinrichsen zu erwischen. Und wir haben Glück. „Das habe ich echt nicht erwartet. Sehr cool“, sagt die Schülerin am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig, die sich außerdem im Vorstand der Jungen Spitzen engagiert, an der Tür. Schon im vergangenen Jahr hat sie mitgemacht. Ein guter Schnitt, gleich im zweiten Jahr zu gewinnen.

Wir verabschieden uns und setzen uns wieder ins jetzt leere Auto. Die diesjährige Tour ist geschafft, und zurück bleiben viele positive Erinnerungen an diesen Tag und die Erkenntnis, wie vielfältig Nordschleswig ist.

Anika Hinrichsen
Anika Hinrichsen ist die jüngste Gewinnerin des diesjährigen Weihnachtspreisrätsels.

Wer davon einen akustischen Eindruck bekommen möchte, der kann am Freitag, 20. Dezember, in unsere neue Podcast-Folge von „Mojn Nordschleswig“ hineinhören. In dem Spezial haben Hannah und ich den Tag mit unseren Mikrofonen festgehalten.