Deutsche Minderheit

Nach geglückter Integration: Tschüß, Förde-Schule!

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Der Schulchor der 3. und 4. Klasse an der Förde-Schule war besonders gefragt bei der Abschiedsfeier.

Viel Freude, aber auch ein bisschen Wehmut war dabei am Freitag bei der Abschiedsfeier der 6. und 7. Klasse der Förde-Schule in Gravenstein. Für einen Schüler ist der Wechsel auf die nächste Schule schon der vierte. Was seine Geschichte mit Integration zu tun hat und warum sich Milan trotzdem auf die neue Schule freut.

Fingerschnippen, Mitsingen, Klatschen: gar nicht so einfach mit dem stillsitzen, wenn es so viele musikalische Beiträge gibt wie am Freitag in der Förde-Schule in Gravenstein. Die Turnhalle wurde zur Bühne bei der traditionellen Abschiedsfeier für die Schülerinnen und Schüler der 6. und 7. Klasse.

Gleich zu Beginn sorgte die Schulband für gute Stimmung mit dem Song „Cheap Trills“ der Sängerin Sia. Direkt danach hatte der Schulchor mit den Schülerinnen und Schülern der 3. und 4. Klasse seinen großen Auftritt. Von den Mädchen und Jungen in ihren gelben Shirts war auch Schüler Milan beeindruckt. Er ist einer derjenigen, die heute ihren letzten Tag an der Förde-Schule haben. Milan ist erst vor zwei Jahren mit seinen Eltern von Glücksburg nach Snorrum (Snurom) gezogen.

Überraschende Auswanderung

Abschiedsbotschaften für die Schülerinnen und Schüler, die jetzt weiterziehen.

Dass seine Eltern nach Dänemark auswandern wollten, hat ihn überrascht: „Ich wusste nicht, wie sich das anfühlt, in ein neues Land zu gehen, auszuwandern. Ich hatte positive und negative Gedanken darüber“, erzählt Milan.

Besseres Schulsystem in Dänemark

Doch bei diesem Schritt hatten seine Eltern vor allem ein besseres Schulsystem im Sinn. „In der Klasse meiner Tochter in Deutschland waren 32 Schülerinnen und Schüler. Da war auch die Kommunikation mit den Lehrkräften nicht mehr gut. Das ist hier total anders“, findet Vater André. Dänemark kannten sie zwar aus Urlauben, doch die Sprache konnte vorher keiner aus der Familie.

Auswandern, neue Schule und die Sprache lernen: Ganz schön viele Herausforderungen für Schüler Milan

Auch Milans Eltern, die den alten Gasthof in Snorrum gekauft haben, sprechen inzwischen die Sprache. Und sind froh darüber, dass ihr Sohn einen Platz an der Förde-Schule bekommen hat. „Das kam damals über unseren neuen Nachbarn Henning. Dafür sind wir ihm sehr dankbar“, sagt André.

Die Familie fühlt sich inzwischen gut integriert: Monique und André haben Dänisch gelernt, Milan hat Freunde gefunden und ist unter anderem aktiv beim Badminton. „Heute bin ich froh darüber, dass ich mit meinen Eltern ausgewandert bin“, sagt Milan. Auch, wenn er jetzt nach der 6. Klasse schon wieder die Schule wechseln muss.

Milan hat sich hier sehr schnell sehr gut zurechtgefunden und auch ganz schnell Dänisch gelernt.

Schulleiter Niels Westergaard

„Das ist cool, aber irgendwie auch komisch“, findet der 12-Jährige. Immerhin: Alle aus seiner Klasse wechseln jetzt an die Deutsche Schule in Sonderburg (Sønderborg). Er muss dort also nicht ganz von vorn anfangen, was Freunde angeht.

Schulische Integration geglückt: Milan freut sich mit seinen Eltern über Einser und Zweier in seinem Zeugnis.

Sommerferien genießen und Geburtstag feiern

Im Gegensatz zu Luca, der nach den Sommerferien als Einziger auf die Deutsche Schule nach Tingleff (Tinglev) gehen wird. „Ich war für eine Testwoche da, das war ok“, sagt Luca. Er wirkt verhalten optimistisch und freut sich jetzt erst mal auf die Ferien.

Da will er vor allem „viel draußen sein, mit meinen Freunden zusammen sein und joggen. Ich laufe gern im Wald“, erzählt Luca. Außerdem hofft er, dass der Kontakt zu seinen Freunden von der Förde-Schule erhalten bleibt.

Und Milan? Der wird erst mal seinen Geburtstag feiern. Am. 29. Juni wird er 13 Jahre alt. „Am Montag geht’s für zwei Wochen nach Italien in den Urlaub“, sagt Milan. Klingt danach, dass die Familie das umsetzt, was Schulleiter Niels allen nach der Abschiedsfeier wünscht: einen schönen Sommer.

Luca wechselt als einziger aus seiner Klasse an die Deutsche Schule nach Tingleff.
Ihre Kinder haben heute ihren letzten Tag an der Förde-Schule – auch für die Eltern ein großer Moment.