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Deutsche Minderheit in Polen setzt auf Online-Journalismus

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Vertreterinnen und Vertreter des „Wochenblatts“ und des Minderheitenverbandes mit der neugestalteten Zeitung; in der Mitte der Vorsitzende, Rafał Bartek.

Digitalisierung: Auch in Schlesien erwarten die Menschen Nachrichten auf dem Smartphone statt im Briefkasten. Der Dachverband der dortigen Deutschen setzt nun auf eine neue Strategie für das „Wochenblatt“ – das künftig aber noch monatlich auf Papier erscheinen soll.

Mit der politischen Wende kam in Polen auch eine Wende für die deutsche Minderheit: In Oppeln (Opole) erschien vor 35 Jahren erstmals das „Wochenblatt“ in deutscher Sprache. Jetzt steht die mediale Wende an: Aus der Papierzeitung wird ein Online-Medium mit gedrucktem Monatsmagazin. Das hat der Herausgeber, der Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG), kürzlich mitgeteilt.

„Ab April 2025 schlagen wir ein neues Kapitel in der Geschichte unserer Medien auf. Wir folgen den Trends und den Erwartungen des Publikums, verlagern und verstärken unsere Aktivitäten ins Internet und präsentieren Informationen und Nachrichten in Echtzeit auf unserem Portal“, schreibt der Verband auf der Webseite „wochenblatt.pl“.

Mehr Angebote in Bewegtbild und Audio an einem Platz

Besuch in Oppeln: Der „Nordschleswiger“-Abteilungsleiter Finanzen & Entwicklung, Carsten Werth (2. von rechts) und der stellvertretende Chefredakteur Cornelius von Tiedemann waren im Herbst 2022 nach Oberschlesien gereist, um sich mit den Kolleginnen und Kollegen des „Wochenblatts“ über Digitalisierungsprozesse auszutauschen.

Das Konzept: Ein neues Erscheinungsbild, stärkere Präsenz im Internet mit täglichen Nachrichten, Analysen und Interviews und eine Kombination von traditionellen und digitalen Medien mit neuen Formaten wie Podcasts und Radiosendungen.

So will der Verband Raum für Dialog schaffen und „die digitalen Medien zu einem Ort der Begegnung, des Gedankenaustauschs und der Pflege der Identität der deutschen Minderheit machen“, so VdG-Medienkoordinatorin Natalia Jasik-Schulwitz in einer Pressemitteilung.

Den Schritt ins Digitale erleichtert haben sinkende Abo- und Verkaufszahlen, der Rückgang von Werbeeinnahmen und nach Informationen des „Nordschleswigers“ schwer kalkulierbare Vertriebskosten in Polen. Zudem nutzen primär die Generationen unter 60 Jahren Alter kaum noch gedruckte Medien.

Das Generalsekretariat der deutschen Minderheit in Polen in Oppeln. Hier hat auch das Neue Wochenblatt seinen Redaktionssitz (Archivfoto).

Auch deshalb wird das „Wochenblatt.pl“ nun in das Monatsmagazin „Neues Wochenblatt.pl“ umgewandelt. Auf dem Internetportal sollen künftig alle Medienprodukte der Minderheit sowie die von den Organisationen der deutschen Minderheit in Polen erstellten Audio- und Videoangebote an einem Ort verfügbar sein. Darunter neue Formate wie die Radiosendung/Podcast „Frauenfragen – Babskie Sprawy’“.