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Nach der Pflicht folgt die Kür

Nach der Pflicht folgt die Kür

Nach der Pflicht folgt die Kür

Apenrade/Aabenraa
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Foto: Carl Recine/Ritzau Scanpix

Ein Kommentar von Jens Kragh Iversen

Dänemarks Fußballer stehen zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder in einem Achtelfinale einer Weltmeisterschaft. Zum vierten Mal in der dänischen Fußball-Geschichte. Für eine relativ kleine Fußballnation, die vor 32 Jahren das erste Mal überhaupt auf der Weltbühne auftrat und erst das fünfte Mal dabei ist, ein bemerkenswerter Erfolg, doch wer im Königreich überschwengliche Begeisterung oder Jubelstürme erwartet hätte, sieht sich getäuscht.

Die Begeisterung hält sich nicht nur im Ausland, sondern auch im Königreich in Grenzen, und es prasselt vor allem national massive Kritik auf die DBU-Auswahl nieder. Zu defensiv, zu langweilig, lautet der Tenor. Es scheint, als würde man mancherorts lieber in Schönheit sterben, als den ergebnisorientierten Fußball unter Åge Hareide zu sehen. Die dänische Fußballgeschichte ist voll von bedeutenden Spielen, wo sich dänische Mannschaft mit herzerfrischendem Fußball gut verkauft hat, aber letztenendes doch als Verlierer dastanden.

Viele Dänen tun sich anscheinend schwer, den Norweger an der Seitenlinie in ihr Herz zu schließen, zumindest seinen berechnenden Fußball. Hareide hat die Naivität der Vergangenheit vertrieben und muss sich nun Kritik anhören, nachdem er mit einer soliden Defensive dem Titelanwärter aus Frankreich den Zahn zog und den erforderlichen Punkt zum Achtelfinal-Einzug holte.

In Italien wäre die Anerkennung riesengroß gewesen, aber vielleicht haben sie es in Italien gar nicht mitbekommen. Der viermalige Weltmeister ist in Russland gar nicht dabei. Andere große Fußballnationen sind in der Vorrunde gescheitert oder standen am Abgrund, teilweise nur wenige Minuten von einem Fiasko entfernt. Die Gruppenphase der WM in Russland hat gezeigt, dass die Punkte so schwer wie noch nie zuvor zu holen sind, selbst für große Fußballnationen.

Es wäre völlig vermessen zu verlangen, dass die Dänen auch noch brasilianisch spielen. Eine Mannschaft, die seit der EM 2004 keine Gruppenphase einer Endrunde mehr überstanden hat. Oft waren sie gar nicht erst dabei, und auch bei Halbzeit der Qualifikation für die WM in Russland sah es keineswegs nach einer dänischen Teilnahme aus.

Dänemark ist nun ungeschlagen durch die Gruppenphase gegangen und hat fünf Punkte erzielt. Das ist für eine eher kleine Fußballnation ein Erfolg, ohne Wenn und Aber.

Viele scheinen auch vergessen zu haben, dass die Vorrunde der Weltmeisterschaft 1998, als Dänemark mit dem Viertelfinal-Einzug seinen größten WM-Erfolg feierte, auch nicht sonderlich berauschend war. Nach vier Punkten gegen Saudi-Arabien, Südafrika und Frankreich steigerten sich die Dänen in einen Rausch beim 4:1 gegen Nigeria und beim bitteren 2:3 gegen Brasilien.

Nach dem Erreichen des gesteckten Ziels besteht die Hoffnung, dass die Offensivbemühungen größer werden. Die Dänen haben gegen Kroatien nichts mehr zu verlieren und können befreit aufspielen. Nach der Pflicht folgt die Kür.

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