SønderjyskE

„Trotzreaktion ist angesagt“

Trotzreaktion ist angesagt

Trotzreaktion ist angesagt

Hadersleben/Haderslev
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Marc Dal Hende und SønderjyskE sind zum sofortigen Wiederaufstieg verdammt. Foto: Karin Riggelsen

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Über ein stolzes Vermögen verfügen die neuen Eigentümer von SønderjyskE Fodbold, doch das allein reicht nicht. Das Aushängeschild des nordschleswigschen Spitzensports ist auf die Unterstützung des gesamten Landesteils angewiesen. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

Es ist bei SønderjyskE eine hektische Woche gewesen, die den Abschluss der Ära Platek markiert. Nach zwei turbulenten Jahren unter dem US-Amerikaner ist SønderjyskE wieder fest in dänischer Hand und der Glaube an bessere Zeiten mächtig gestiegen.

Morten Kristoffer Larsen und sein Sohn Markus Kristoffer Hansen aus Hedensted haben 70 Prozent der Anteile an SønderjyskE Fodbold übernommen, die restlichen 30 Prozent gehören der Davidsen-Familie. Nicht zuletzt der Einstieg des langjährigen Geldgebers Povl Davidsen lässt den Optimismus wachsen, doch das allein reicht nicht.

Negativschlagzeilen

Es hat viele überrascht, wie schlimm es beim Superliga-Absteiger um die Finanzen aussieht. Ein Minus im abgelaufenen Haushaltsjahr von rund 30 Millionen Kronen, ein Darlehen, um die Spielergehälter zahlen zu können, und der alles andere als sanfte Rauswurf von CEO Jonas Lygaard sorgten für Negativschlagzeilen.

Die beiden Familien haben jeweils ein Vermögen von mehreren Hundert Millionen Kronen und werden kurzfristig Geld in den Klub investieren müssen, doch SønderjyskE wird mittel- und langfristig finanziell auf eigenen Beinen stehen müssen. Es ist nicht zu erwarten, dass jedes Jahr Geld in den Klub gepumpt wird.

SønderjyskE ist auf die Unterstützung des Landesteils angewiesen. Sponsoren und Fans haben sich in den vergangenen zwei Jahren aus Protest gegen Platek immer mehr zurückgezogen. Einer Rückkehr steht jetzt nichts mehr im Wege.

Herzblut

„Abena“-Boss Preben Terp Nielsen hatte bei seinem Ausstieg von fehlendem Herzblut unter Platek gesprochen. Die Familie aus Hedensted wird nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten zeigen müssen, wie stark das Herz für SønderjyskE schlägt, doch bei Povl Davidsen steht außer Frage, mit wie viel Herzblut er seit mehr als zwei Jahrzehnten dabei ist.

Aber die Aufforderung, das Aushängeschild des nordschleswigschen Spitzensports wieder zu unterstützen, gilt nicht nur „Abena“, sondern auch den anderen großen Unternehmen des Landesteils. Ein Schuh-Gigant von der Westküste dürfte eigentlich keine Chance auslassen, sein nach seinen Russland-Geschäften ramponiertes Image aufzupolieren.

Gemeinschaftsgefühl

„Ecco“ spielte nur einmal in der 18-jährigen Geschichte von SønderjyskE eine Rolle. Der Schuh-Gigant wollte in den Anfangsjahren von SønderjyskE erst als Sponsor einsteigen und dann doch nicht. Die ausbleibenden Sponsorengelder an der Westküste hatten zur Folge, dass die Hellblauen ihre Handball-Mannschaft von Tondern (Tønder) nach Sonderburg (Sønderborg) verlegten.

Der Umzug löste an der Westküste einen Aufstand aus, aber auch auch eine Trotzreaktion und ein Gemeinschaftsgefühl, die TM Tønder gegen jegliche Vernunft bis in die Handball-Liga führten.

Ein ähnliches Szenario wäre bei den SønderjyskE-Fußballern wünschenswert, denn nur mit einer Trotzreaktion und einem Gemeinschaftsgefühl ist eine Rückkehr zu erfolgreichen Zeiten möglich. Sonst droht beim Vizemeister von 2016 und Pokalsieger von 2020 bestenfalls Mittelmaß, wohl eher eine Zukunft als Fahrstuhlmannschaft zwischen Superliga und 1. Division.

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