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Germania: Der neue Kapitän wünscht sich mehr junge Rudernde

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Der neue 1. Vorsitzende Finn Hoppmann vor dem Klubhaus von Germania. Er möchte sanfte Veränderungen und will nicht an den Traditionen rütteln.

Für den neuen Chef beim Ruderverein Germania hat Rudern, seit er denken kann, schon immer dazugehört. Für Finn Hoppmann ist es wichtig, dass die Vorstandsarbeit Teamwork ist.

Mit Applaus wurde bei der kürzlichen Generalversammlung an Verdens Ende der neue Vorsitzende des Rudervereins Germania willkommen geheißen. Er heißt Finn Hoppmann, ist 58 Jahre alt, in Odense geboren – aber im Herzen ein echter Vollblut-Nordschleswiger.

Der Posten als Nachfolger von Günther Andersen, der 37 Jahre das Steuer der Sonderburger Rudergemeinschaft in der Hand hatte, ist für Hoppmann neu. Aber er gehört schon seit Ewigkeiten zu den aktiven Sportlern der Gemeinschaft auf dem Alsensund. Er ist seit 1983 Mitglied bei Germania. Für ihn hat Sport schon immer dazugehört. „Wenn man erst einmal anfängt, dann hört man nicht so richtig damit auf“, meint er lächelnd. Sein Vater war Ingenieur und die Mutter Krankenschwester.

Was könnte verbessert werden?

Finn Hoppmann mit einem Einer vor Germania

Zum Ruderverein Germania kam er durch die Deutsche Schule Sonderburg. Ein Klassenkamerad lockte ihn mit hinunter zum Alsensund. Seitdem ist, von einer Pause im Ausland abgesehen, immer bei Germania geblieben.

Nach den Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten des Klubs gefragt, muss er nicht lange überlegen: „Die Stärke sind die Tradition und die Vergangenheit. Ganz klar. Herausforderungen gibt es viele. Über die Schwächen muss ich mir erst noch ein Bild machen. Aber ich kann schon jetzt sagen: Wir haben zu wenig Mitglieder und zu wenig Aktivitäten.“

Wenn er die Mitgliederzahlen von Germania mit anderen Rudervereinen in Nordschleswig vergleicht, dann sieht er, dass diese ebenfalls neue Aktivitäten eingeführt haben. Dabei hat Sonderburg den Ruderinnen und Ruderern so viel zu bieten. „Wir haben hier ein hervorragendes Revier. Hier kriegt man nicht so viel ab bei Westwind, wie in Apenrade. Wir können immer einen Ausweg finden und sind dicht an einem reizvollen Hafen. Und wir haben ein schönes Klubhaus“, stellt er fest.

Wir haben hier ein hervorragendes Revier. Hier kriegt man nicht so viel ab bei Westwind, wie in Apenrade. Wir können immer einen Ausweg finden und sind dicht an einem reizvollen Hafen. Und wir haben ein schönes Klubhaus.

Finn Hoppmann

Mit anderen deutschen Rudervereinen zusammenarbeiten

Er würde gern enger mit den anderen deutschen Rudervereinen in Nordschleswig zusammenarbeiten: „Mehr Schnittflächen und dass man sich gelegentlich mal besucht. Das kann auch den Spaß am Rudern fördern. Eine solche Zusammenarbeit gibt es schon, aber sie muss noch spannender und intensiver gestaltet werden.“

Für ihn ist das Rudern nicht nur ein Sport, wo gewonnen werden muss. Aber er versteht die Jugendlichen, die konkurrieren wollen: „Wenn man acht Kinder Fußball spielen lässt, dann wollen die ja nicht verlieren, die wollen gewinnen. Beim Rudern ist es genauso. Sie wollen sich messen.“

Man muss den Kindern vermehrt das Angebot machen, sich alles einmal anzuschauen. „Es ist ein schöner Sport. Keine große Verletzungsgefahr und viel frische Luft“, so Hoppmann.

Das Klubhaus direkt am Alsensund

Allein kann er nichts bewegen

Nicht zuletzt für die Kinder würden Aktivitäten mit anderen Vereinen ein großes Plus sein. Sie sollen sehen, dass es woanders auch Kinder mit den gleichen Interessen gibt. „Trainingslager oder Wanderfahrten mit anderen, das wäre gut. Aber im Moment fehlt mir noch der Überblick“, so Finn Hoppmann.

Er hat schon die ersten Konzepte, die er aber vorab noch mit den Vorstandsmitgliedern und den engagierten Ruderern durchgehen will. „Pläne kann ich ja viele haben. Aber allein kann ich nichts bewegen“, hebt der neue Vorsitzende hervor.

Der neue Germania-Vorsitzende steht der Kündigung vom Ruderlehrer Marc-Oliver Klages im Herbst 2023 immer noch kritisch gegenüber: „Die Art und Weise war – da stehe ich auch heute noch zu – amateurhaft. Man hätte selbst in den Vereinen kommunizieren müssen. Ich weiß nicht, ob die Kündigung die richtige Entscheidung war. Ich stelle jedenfalls die Frage.“

Vom Klubhaus des Germania gibt es unter anderem auch einen Blick zur Alsensundbrücke

Klages ein ausgezeichneter Trainer

Klages war laut Hoppmann ein ausgezeichneter Trainer: „Er hat uns gut betreut. Aber jeder hat ja auch seine eigene Weise. Alle sind unterschiedlich. Ich habe auch meine Stärken und Schwächen.“ Eine Mail an alle Vereine wäre ihm lieber gewesen. Er ist generell für mehr Offenheit. „Die Zeit der geheimen Vereinsbeschlüsse ist vorbei. Die Mitglieder möchten teilhaben und sich einbringen“, sagt er.

Der neue Germania-Vorsitzende weiß, dass auch ein Vorstand sich Kritik zu Herzen nehmen muss. Hoppmann will niemanden direkt kritisieren, aber der Internet-Auftritt der Ruderklubs kann verbessert werden. Vielleicht müsste man einmal kritisch darüber nachdenken, wie der Verein sich digital vermarktet. Wer nicht sofort Informationen erhält, der ist digital wieder ganz schnell auf einer anderen Homepage. Der Einstieg ist heute bei den jungen Leuten sehr schwierig, weil sie ein riesiges Angebot an Freizeitmöglichkeiten haben.

Der Verein Germania liegt am Alsensund und verfügt über 25 Boote. Hinzu kommen noch einige private Ruderboote.

Zurück nach Nordschleswig

Für ihn ist Nordschleswig ein spezieller Lebensraum: „Es ist sehr reizvoll, dass man hier so nahe an der Grenze lebt. Hier pickt man sich das Beste aus beiden Ländern heraus.“ Manchmal ist der Kulturunterschied zwischen nördlich und südlich der Grenze riesig, manchmal aber auch ganz klein.

Finn Hoppmann wohnt heute in Sonderburg. Er ist in Südalsen aufgewachsen, besuchte die Deutsche Schule Sonderburg (DSS) und anschließend das Deutsche Gymnasium Nordschleswig (DGN) in Apenrade (Aabenraa). In Deutschland studierte er Deutsch, Dänisch, Sport und Volkswirtschaft. In den folgenden Jahren arbeitete er zehn Jahre lang bei der damaligen Landesbank Schleswig-Holstein und anschließend bei der Commerzbank.

Dann zog es ihn erneut wieder nach Nordschleswig. In Tingleff (Tinglev) arbeitete er bei der Elementfabrik, bis er 2018 bei „Petersen Tegl“ den Managerposten übernahm.

Der große Raum des Germania ist voller Pokale, Urkunden und anderer Erinnerungsstücke von anderen Vereinen.