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„Ich hatte Glück und bin glücklich“

„Ich hatte Glück und bin glücklich“

„Ich hatte Glück und bin glücklich“

Tondern/Tønder
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Der 32-jährige Zeray Habtemariam ist dankbar über seine Lehrstelle. Foto: Privat

Zeray Habtemariam ist nach sieben Jahren Flucht in Tondern angekommen und macht eine Malerlehre bei Egon Hofsted & Søn.

Zeray Habtemariam ist 32 Jahre alt. Vor acht Jahren verließ er sein Heimatland Eritrea und begab sich auf eine gefährliche Mission. In der Diktatur, wo es nach 20 Jahren Grenzkrieg vor einigen Wochen zu einem Friedensschluss mit Äthiopien kam, drohte ihm Militärdienst oder Arbeitsdienst. Im verfeindeten Nachbarland blieb er immerhin vier Jahre und machte sich dann im Mai 2014 endgültig auf die Flucht. Er hinterließ seine Familie und Ehefrau Helen, fuhr mit einem Toyota-Pkw zusammen mit 26 (!) Landsleuten durch die Sahara bis nach Libyen, wo er sich zwei Wochen aufhielt, bevor die Flucht weiterging.

Auf einem Boot mit 250 Flüchtlingen erlebte er die gefährliche Überfahrt bis nach Italien, sah unterwegs viel Leid und viele Tote. Nach einer Woche ging es per Auto über Frankreich, Deutschland nach Dänemark, wo er am 15. Juni 2014 nachts um 1 Uhr auf dem Bahnhof in Kopenhagen ankam. Er kam ins Flüchtlingslager Sandholmlejr. Von dort ging es nach einer Woche weiter ins Flüchtlingscenter Ranum/Himmerland. Dort wurde er mit seiner Frau Helen wieder vereint. Denn auch sie hatte die mit Gefahren verbundene Flucht aus Eritrea auf sich genommen. Ohne zu wissen, wo ihr Mann war. Erst nach einigen Wochen konnte wieder Kontakt zueinander aufgenommen werden, erzählt der Afrikaner.

Nach zwei Monaten in Ranum kamen sie am 29. August nach Tondern, mitten im Tønder Festival mit vielen Menschen in der Stadt. Fünf seiner Geschwister flüchteten auch aus ihrem Heimatland und leben heute in Paris, in der Schweiz und in den USA. Die Familie, von denen noch zwei Geschwister und seine Mutter in Eritrea leben, wohnte dicht an der Grenze zu Äthiopien, was im jahrelangen Grenzkonflikt besonders gefährlich war. Mit der Familie zogen sie weiter ins Landesinnerne und lebten dort ein Jahr in einem Zelt. Dennoch reifte in Zeray der Entschluss, das Land zu verlassen.

Zwei Jahre Sprachschule

In Tondern, wo er mit seiner Frau eine Wohnung in den Blöcken am Nørremarksvej bewohnt, besuchte er zwei Jahre die Sprachschule und spricht heute ein Dänisch, mit dem er sich verständlich machen kann. Sein großes Glück war, dass er ein Praktikum bei der Tonderner Malerfirma Egon Hofsted & Søn bekam. Er hatte keine Vorkenntnisse und hatte in seinem Heimatland seinem Vater geholfen, der Maurer war. Juniorchef Sune Hofsted bot ihm nach dem Praktikum sogar an, eine Malerlehre zu machen. Die Lehrzeit begann am 15. Mai, und der Chef hat ihm auch mehrfach finanziell unter die Arme gegriffen.

„Ich liebe Sune und bin heute glücklich“, strahlt der junge Afrikaner, der vor zweieinhalb Jahren Vater einer Tochter wurde, die in Apenrade geboren wurde. Er würde es nach seinen Erfahrungen nicht wieder wagen zu flüchten und rät auch anderen davon ab. Die Frage, ob er nach dem Friedensschluss zwischen den beiden Nachbarstaaten in Afrika wieder zurückwolle, verneint er. „Meine Tochter, die die kommunale Kinderkrippe besucht, ist hier geboren und kennt nur Dänemark. Wenn sie älter ist, kann sie selbst entscheiden, was sie will, und sie wird auch den Mann heiraten dürfen, den sie liebt. In meinem Heimatland wurden Eheschließungen bis vor etwa 20 Jahren noch arrangiert. Meine Familie und die meiner Frau kannten sich schon, und ich verliebte mich in Helen“, erklärt er.

Auch seine Frau hat nach dem Schwangerschaftsurlaub eine Praktikumsstelle als Reinigungskraft in den Tondernhallen gefunden. Rassismus ist ihm in Dänemark nicht begegnet, obwohl er mehrfach erlebt hat, dass die Luft aus seinem Fahrrad gelassen wurde und dass in dem Lack seines Autos auf dem Parkplatz der Wohnblöcke, wo viele Fahrzeuge stehen, mit einem spitzen Gegenstand Risse hinterlassen wurden. Er würde mit seiner kleinen Familie auch sehr gerne eine andere und günstigere Wohnung in Tondern finden.

„Bei uns leben Christen und Moslems friedlich Tür an Tür“

In seinem Heimatland habe es nie einen Religionskonflikt gegeben, erzählt der 32-jährige, der der eritreischen orthodoxen Kirche angehört. „Bei uns leben Christen und Moslems friedlich Tür an Tür“, erzählt er. Nun fühle er sich wohl in Tondern und gut integriert. Es freut ihn ihn dennoch, dass in der Kommune 30 Landsleute leben. „Als mein Vater starb, an dessen Beerdigung ich nicht teilnehmen konnte, kamen sie mit Blumen zu uns“, erzählt er dankbar. Auch dank einer Arbeit verlaufe die Integration gut. So gut, dass er keinen Sachbearbeiter mehr benötigt. Er verstehe sich gut mit seinen Kollegen, gilt als wissbegierig, fleißig, selbstständig arbeitend und ist beliebt – und erscheint jeden Tag mit einem Lächeln am Arbeitsplatz. „Ja, ich habe sehr großes Glück gehabt und bin hier glücklich“, meint der 32-jährige Familienvater.

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