LIET International

„Die Vorfreude ist jetzt dreimal so groß“

„Die Vorfreude ist jetzt dreimal so groß“

„Die Vorfreude ist jetzt dreimal so groß“

Apenrade/Tondern
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Steffi Wright ist eine der beiden Moderatoren, die am 13. Mai durch den LIET International Song Contest in der Schweizerhalle in Tondern führen werden. Hier ist sie bei den Aufnahmen für ein LIET PR-Video zu sehen. Foto: Uffe Iwersen

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Am 13. Mai findet in Tondern der Minderheiten Song Contest LIET International statt. BDN-Kulturkonsulent Uffe Iwersen steckt inmitten der Vorbereitungen, die demnächst in die heiße Phase gehen. Im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ verrät er, wie ein solches Event organisiert wird und worauf sich die Zuschauerinnen und Zuschauer freuen können.

Uffe Iwersen musste sich lange gedulden. Doch wenn am Freitag, 13. Mai, die Scheinwerfer in der Schweizerhalle in Tondern (Tønder) die Szenerie in gleißendes Licht tauchen, dürften die Freude und die Erleichterung nicht nur bei ihm groß sein.

Dann nämlich wird endlich der Song Contest der Minderheiten, LIET International, über die Bühne gehen. Ursprünglich war er bereits für das Jubiläumsjahr 2020 geplant, dann wurde er aufgrund der Corona-Pandemie jedoch um ein Jahr verschoben, doch auch aus dem zweiten Termin im vergangenen Jahr wurde nichts.

Im dritten Anlauf klappt es nun.

„Wir haben jetzt zwei Jahre lang durchgeplant. Die Planung für 2020 fing sogar schon 2018 an. Es war frustrierend, dass wir das Event zweimal absagen mussten. Und für dieses Frühjahr war es dann tatsächlich unser letzter Versuch. Hätte die Pandemie die Durchführung auch dieses Mal verhindert, dann hätten wir keinen vierten Anlauf mehr gestartet. Deswegen ist die Vorfreude jetzt dreimal so groß, schließlich haben wir alles schon dreimal durchgeplant“, erzählt Uffe Iwersen im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Liet International

Der Songcontest für Regional- und Minderheitensprachen wurde zum ersten Mal 2002 in Ljouwert/Leeuwarden in den Niederlanden ausgetragen. Das Festival tourt seit 2006 durch ganz Europa. Der Contest ist einer der größten Events zur Förderung von Regional- und Minderheitensprachen.

Ausrichter des Events ist der Bund Deutscher Nordschleswiger (Dachverband der deutschen Minderheit in Dänemark), der LIET in Kooperation mit Sydslesvigsk Forening und Friisk Foriining organisiert.

Datum: Freitag, 13. Mai, 19 Uhr

Ort: Schweizerhalle – Tønder Kulturhus, Ribe Landevej 39, 6270 Tønder

Tickets unter: https://v2.billetten.dk/index/eventdetails/eventno/101351

Eine Vielfalt an eingebundenen Akteuren

Als Kulturkonsulent beim Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) ist Uffe Iwersen der Hauptverantwortliche für die Planung dieses großen Events.

Schon seit geraumer Zeit verwendet er 90 Prozent seiner Arbeitszeit für die Vorbereitungen von LIET International, und das auch ganz zu Recht, wie er selbst meint, schließlich handele es sich um eines der größten Einzelprojekte, die er jemals für den BDN auf die Beine gestellt habe. Vor allem die Vielzahl der verschiedenen Akteure lasse das Projekt in neue Dimensionen wachsen.

Wir sind ein kleines und feines Team, das richtig gut und zum jetzigen Zeitpunkt auch noch unaufgeregt arbeitet. Das macht viel Spaß, und ich bin sehr positiv gestimmt.

Uffe Iwersen, BDN-Kulturkonsulent

„Vor zehn Minuten habe ich mit der Catering-Frau, die die Bands ab dem 9. Mai verpflegen soll, gesprochen. Ich spreche aber auch mit der Busvermietung, den Leuten, die mir bei der PR helfen, mit den Organisatoren und Organisatorinnen von LIET International in Holland, die dann auch mit ihrem Know-how nach Tondern kommen, und ich habe Kontakt mit den Bands und den Jury-Mitgliedern. Das umfasst alles von ganz praktischen Sachen bis hin zu Werbung und sozialen Medien. Aber wir sind ein kleines und feines Team, das richtig gut und zum jetzigen Zeitpunkt auch noch unaufgeregt arbeitet. Das macht viel Spaß, und ich bin sehr positiv gestimmt“, lacht Uffe Iwersen.

Zum Glück bekommt er auch zahlreiche Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen beim BDN sowie von externen Personen. So hat zum Beispiel eine ehemalige Praktikantin die Kommunikation mit den Bands übernommen.

Und dann sind da auch noch die Kolleginnen und Kollegen von der dänischen und der friesischen Minderheit, die als Co-Gastgeber auftreten und Unterstützung bei Webmaßnahmen und anderen planungstechnischen Herausforderungen bieten.

„Aber der BDN ist schon der Hauptveranstalter. Wir wollten das Ganze schlichtweg nicht nur auf Nordschleswig begrenzen, sondern das zu einer Party für das ganze Grenzland machen, und dazu gehören auch unsere Freundinnen und Freunde der dänischen und friesischen Minderheit“, sagt Uffe Iwersen.

„Mojn Europe“

Ein bestimmtes Motto gibt es für den Song Contest jedoch nicht.

„Uns fiel tatsächlich nichts Tolles ein, und wir wollten es auch nicht so gewollt machen. Aber jetzt haben wir sozusagen als Abklatsch vom richtigen Eurovision Song Contest aus der Begrüßung ‚Good Evening Europe‘ ein ‚Mojn Europe‘ gemacht, und das wird dann auch die Begrüßung auf der Bühne sein“, erläutert Uffe Iwersen.

Zudem soll die Begrüßungsformel ins PR-Material einfließen, und dann kommen da auch noch einige Aktivitäten in den sozialen Medien, wo sich das „Mojn“ wiederfinden wird.

Wir wollten das Ganze schlichtweg nicht nur auf Nordschleswig begrenzen, sondern das zu einer Party für das ganze Grenzland machen, und dazu gehören auch unsere Freundinnen und Freunde der dänischen und friesischen Minderheit.

Uffe Iwersen, BDN-Kulturkonsulent

Aufwärmen vor dem Festival

Die ersten Künstlerinnen und Künstler werden bereits am 9. Mai nach Tondern kommen.

Am 11. Mai wird es um 19.30 Uhr ein Showcase-Konzert als kleinen PR-Gag geben. Dann nämlich tritt die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Foyer der Schweizerhalle auf. Dort ist Platz für etwa 50 bis 70 Leute, und wer kommt, kann sich über kostenlosen Eintritt freuen.

Die andere Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird schließlich am 12. Mai ihr erstes Probekonzert geben können, die Details hierfür stehen allerdings noch nicht fest. Gespielt wird jeweils eine kleine Auswahl von maximal drei Liedern pro Künstlerin und Künstler.

Außerdem wird es im Laufe der gesamten Woche mehrere Bühnen- und Technikproben geben. Dreh- und Angelpunkt wird während dieser Zeit die Schweizerhalle in Tondern sein, zudem hat der BDN das Schützenhaus direkt dahinter angemietet. Dort sollen die Künstlerinnen und Künstler verpflegt werden und jammen können.

Am 13. Mai steht dann die nicht öffentliche Generalprobe an, bei der die Bands in der Reihenfolge auftreten, in der sie sich auch am Abend vor dem Publikum präsentieren werden.

Live-Stream über „Omrop Fryslân“ oder „DK Syd“

Ab 18 Uhr ist dann Einlass, und um 19 Uhr beginnt die Show, die dann bis voraussichtlich 22.30 Uhr dauern soll.

Aktuell gibt es noch etwa 170 Tickets, insgesamt ist Platz für 490 Zuschauerinnen und Zuschauer. Die restlichen 50 bis 60 Plätze der Schweizerhalle fallen der Fernsehübertragung zum Opfer.

Wer nicht vor Ort in der Schweizerhalle sein kann, hat die Möglichkeit, den Wettbewerb live mitzuverfolgen.

„Das westfriesische Fernsehen ‚Omrop Fryslân‘ wird vor Ort sein und live übertragen, unter anderem auf Facebook. Zudem besteht die Möglichkeit, über den Live-Stream bei ‚DK Syd‘ mitzuschauen“, so Uffe Iwersen.

Das westfriesische Fernsehen ‚Omrop Fryslân‘ wird vor Ort sein und live übertragen, unter anderem auf Facebook. Zudem besteht die Möglichkeit, über den Live-Stream bei ‚DK Syd‘ mitzuschauen.

Uffe Iwersen, BDN-Kulturkonsulent

Niklas Nissen und Steffi Wright führen durch die Show

Eine solche Show benötigt natürlich auch Moderatoren. Und die hat Uffe Iwersen handverlesen ausgewählt.

„Unsere beiden Moderatoren habe ich handgepflückt. Es gab keine Luft mehr im Budget, um Moderatorenprofis ranzuholen“, erläutert er.

Und dann ist da natürlich noch die Herausforderung mit den verschiedenen Sprachen. Zwar hätte die Moderation auch komplett in Englisch durchgeführt werden können, aber das empfand der Kulturkonsulent als unpassend. Stattdessen möchte er gerne eine viersprachige Mischung aus Englisch, Deutsch, Dänisch und Sønderjysk haben.

„Deswegen habe ich mir Leute gesucht, die zumindest in Kombination diese vier Sprachen sprechen können, und so bin ich bei Niklas Nissen aus Hadersleben und Steffi Wright aus Broacker gelandet. Für die beiden wird die Veranstaltung auch eine Premiere sein, das sind keine Leute, die täglich moderieren. Aber ich bin überzeugt davon, dass die beiden einen super Job machen werden, weil sie einfach sehr positive, fantastische und hübsche Menschen sind“, sagt er.

Ein Green Room und laufende Interviews

Für die Künstlerinnen und Künstler wird es auch den vom Eurovision Song Contest bekannten Green Room geben, in dem diese erwartungsvoll ihrem Auftritt entgegenfiebern und sich danach einen Schluck Champagner genehmigen. Allerdings wird er medial nicht so sehr ins Licht gerückt werden.

Stattdessen werden die Stars des Abends jeweils unmittelbar nach ihrem Auftritt von den beiden Moderatoren auf der Bühne interviewt.

Unsere beiden Moderatoren habe ich handgepflückt. Ich bin überzeugt davon, dass die beiden einen super Job machen werden, weil sie einfach sehr positive, fantastische und hübsche Menschen sind.

Uffe Iwersen, BDN-Kulturkonsulent

Schließlich habe man kein Budget in zweistelliger Millionenhöhe wie beim Eurovision Song Contest und auch keine sechs Moderatoren. Es müsse eben alles so gemacht werden, dass es auch in die Kapazitäten passe, gibt Uffe Iwersen zu bedenken.

Deswegen gibt es auch keine wilden Kamerafahrten, was allerdings auch gar nicht nötig sei, schließlich hat die Schweizerhalle nicht die Dimensionen der großen Arenen, in denen die Eurovision Song Contests stattfinden – aber dafür sei es ein sehr schöner Saal.

Budget von 700.000 Kronen

Das Budget liegt bei etwa 700.000 Kronen. Uffe Iwersen ist vor allem froh darüber, dass zwei Sponsoren ihre Förderung trotz der zweimaligen Verschiebung nicht zurückgezogen haben.

„Der Sydbank Fonden unterstützt uns mit 100.000 Kronen, weitere 75.000 Kronen erhalten wir vom BHJ Fonden. Zudem stellt die Kommune Tondern 100.000 Kronen für das Konzert zur Verfügung. Darüber freuen wir uns sehr“, sagt er.

Der Rest der Kosten wird aus Mitteln des BDN finanziert und durch kleinere Sponsoren gedeckt.

Martin Hørløck ist Nordschleswigs Beitrag

Die Finger im Spiel hat Uffe Iwersen auch, wenn es um den nordschleswigschen Beitrag geht.

„Ich habe Martin Hørløck direkt angesprochen, weil er aus der Tonderner Umgebung kommt. Wir hatten eigentlich einen anderen Repräsentanten für 2020 und für 2021 eingeplant, der aber jetzt nicht mehr zur Verfügung stehen konnte, und so habe ich mich dann direkt an Martin gewandt. Er hat eigens für die Veranstaltung den Song ‚Æ Nordschleswig-Lied‘ komponiert“, so Iwersen.

Die Künstlerinnen und Künstler, die am 13. Mai auf der Bühne stehen werden, wurden schlussendlich jedoch von einer Fachjury aus drei Personen bestimmt. Dazu konnte man sich bei LIET International in Westfriesland bewerben.

LINE-UP 2022

(Band – Song – Sprache – Land)

  • Adri de Boer / Bliuw mar by my / Frisian (NL)
  • Billy Fumey / U Port Titi / Francoprovencal (F)
  • Carolina Rubirosa / O teu camiñar / Galician (E)
  • Die Tüdelband / Wenn ik enen Wunsch harr / Low German (D)
  • Doria / Roma / Corsican (F)
  • Emanuele Pintus / Genia / Sardinian (I)
  • Jimi Henndreck / Heihupfa / South Tirolian (I)
  • Sofi and the Baladis / Rebutalla / Hebrew (ISR)
  • Martin Hørløck / Æ Nordschleswig-Lied / Synnejysk+German (DK)
  • Martje Johannsen & Christoph Hansen / Maleen / North Frisian (D)
  • Roger Argemí / La contradicció / Catalan (E)
  • Yourdaughters / Hudsult / Danish (D)
  • Samí (FIN/N) *The winner of the Sámi Grand Prix 2022 will represent the Sami, this festival is to be held on 16 April 2022

Fachjury kürt die Gewinnerin oder den Gewinner

Und auch die Kürung der Siegerin oder des Siegers am Abend des 13. Mai wird einer Fachjury zufallen. Dabei handelt es sich um ein 13-köpfiges Gremium mit einer Repräsentantin oder einem Repräsentanten aus jeder Sprache. Neutralität ist hier das Gebot der Stunde.

So wird beispielsweise die Südtiroler Repräsentantin oder der Südtiroler Repräsentant keine Stimme für den Südtiroler Beitrag abgeben können.

Und der Wunsch nach größtmöglicher Neutralität erklärt auch, weshalb das Publikum nicht mitentscheiden darf. Schließlich hätten dann die Lokalmatadoren einen gewissen Vorteil, denn man müsse davon ausgehen, dass mehr Tonderanerinnen und Tonderaner zugegen sind als Südtirolerinnen oder Südtiroler. Deswegen sei es ein bewährtes Konzept von LIET International, auf unabhängige Jurymitgliederinnen und -mitglieder zu setzen.

Dazu hat der BDN die Jurymitglieder für die plattdeutschen, friesischen, nordschleswigschen und dänischen Beiträge ausgesucht, während sich LIET International um die übrigen neun Jurorinnen und Juroren kümmert.

Die Welt hat sich ja wirklich verändert in den vergangenen zwei Jahren, und dann ist es umso schöner, so ein Event ausrichten zu können, bei dem Europas sprachliche und kulturelle Vielfalt zusammenkommt. Vielfalt bereichert das Gute in Europa, und davon brauchen wir in diesen dunklen Kriegszeiten viel mehr.

Uffe Iwersen, BDN-Kulturkonsulent

Kein Verzicht auf die beliebte Punktvergabe

Auf das Mitverfolgen der vom Eurovision Song Contest bekannten und sehr beliebten Punktvergabe muss das Publikum dennoch nicht verzichten. Denn es wird ein digitales Punktesystem geben, das alle im Saal und zu Hause vor dem Bildschirm mitverfolgen können.

Uffe Iwersen versichert in diesem Zusammenhang, dass die beiden Moderatoren nicht einfach eine Siegerin oder einen Sieger verkünden werden, sondern er verspricht, dass das Ganze in einem Spannungsbogen aufgebaut werden wird.

Doch ganz ohne Einflussnahme bleibt das Publikum dennoch nicht. Denn neben dem Urteil der Fachjury wird es einen Audience-Award geben, bei dem die Zuschauerinnen und Zuschauer einen Zusatzpreis vergeben können. Dazu stimmt das Publikum voraussichtlich über eine App ab.

„Vielfalt bereichert das Gute in Europa“

Uffe Iwersen hat sich also viel vorgenommen.

Aber gerade deshalb ist er stolz, der Organisator für den Gastgeber dieses großen europäischen Events zu sein.

„Und wir sind umso stolzer, weil wir so lange warten mussten, bis wir das hier endlich durchführen können. Die Welt hat sich ja wirklich verändert in den vergangenen zwei Jahren, und dann ist es umso schöner, so ein Event ausrichten zu können, bei dem Europas sprachliche und kulturelle Vielfalt zusammenkommt. Und das Ganze drückt auch aus, dass Vielfalt nicht im Gegensatz zu etwas Gutem steht, sondern dass Vielfalt das Gute in Europa bereichert, und davon brauchen wir in diesen dunklen Kriegszeiten viel mehr“, gibt Uffe Iwersen noch mit auf den Weg, bevor er voller Vorfreude zum nächsten Termin eilt.

Schließlich gibt es noch einiges zu tun bis zum 13. Mai.

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