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Thomas Mogensen würde alles noch einmal so machen

Thomas Mogensen würde alles noch einmal so machen

Thomas Mogensen würde alles noch einmal so machen

Sonderburg/Sønderborg
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Thomas Mogensen wechselt nach seinem Karriereende ins Management von SønderjyskE. Foto: Karin Riggelsen

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Nach 20 Jahren im Spitzenhandball ist Schluss. Der 39-Jährige spricht vor seinem letzten Spiel als Handball-Profi im „Nordschleswiger“-Interview über seine lange Karriere, schwere Entscheidungen, seine künftige Rolle bei SønderjyskE und über Gänsehaut, wenn er in die Flensburger Campushalle zurückkehrt.

Die Handballschuhe werden ein letztes Mal geschnürt, dann ist eine lange und beeindruckende Karriere vorbei. Thomas Mogensen macht nach 20 Jahren auf höchstem Niveau sein letztes Liga-Spiel, wenn SønderjyskE am Mittwoch ab 18.30 Uhr zum Abschluss der Abstiegsrunde den dänischen Rekordmeister KIF Kolding empfängt.

„Das wird schon merkwürdig. Ich hatte einige Zeit, um mich darauf vorzubereiten, aber ich muss auch gestehen, dass es in den vergangenen Wochen zu viele Gedanken an einen Abstieg gegeben hat. Wir sind in der falschen Endrunde gelandet, und ich habe mich schwergetan, damit umzugehen. Ich hatte den Gedanken, dass ich nach 20 Jahren nicht verdient habe, in den letzten Tagen meiner Karriere nervös sein zu müssen, aber zuletzt gab es dann doch die Gelegenheit, zu reflektieren und mit guten Menschen über diese 20 Jahre zu sprechen. Das sind nicht nur 20 Jahre gewesen. Das sind 20 Jahre, die ich gerne noch einmal erleben würde, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte“, sagt Thomas Mogensen zum „Nordschleswiger“.

Thomas Mogensen hat 106 Länderspiele für Dänemark absolviert. Foto: dpa

Der 39-Jährige kann auf eine Karriere mit nationalen und internationalen Titelgewinnen zurückblicken.

„Das ist eine hervorragende Reise gewesen, wilder als ich zu träumen gewagt hatte, als ich anfing. Ich fühle mich privilegiert, geehrt und stolz. Das ist kein Selbstverständnis, was ich erreicht habe. Das ist ein Ergebnis knallharter Arbeit. Ich hatte einen Traum und habe ihn ausgelebt, und das auf meine eigene Art und Weise. Das ist mir ganz gut gelungen“, meint Thomas Mogensen.

106 Länderspiele hat er für Dänemark absolviert, es hätten aber weitaus mehr werden können, wenn er im Mai 2014 nicht seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt hatte.

Mehr Luft im Alltag durch Nationalmannschafts-Rücktritt

„Ich bereue eigentlich nichts. Ich habe alles in Ruhe aufgebaut, und den Traum, bei der SG Flensburg-Handewitt zu spielen, habe ich verwirklicht, nachdem ich 1998 bei der SG ein Praktikum als Spieler gemacht habe. Ich finde selbst, dass ich im Laufe meiner Karriere gute Entschlüsse gefasst habe, auch wenn sie nicht immer einfach waren. Ich bin aus der Nationalmannschaft zurückgetreten, um mehr Zeit zu haben. Ich habe von der Bundesliga Abschied genommen, um mehr Luft in den Alltag zu bringen, um mehr Zeit dafür zu bekommen, Vater zu sein. Ich habe immer gesagt, dass ich auch im Alltag für meine Kinder da sein wollte und nicht gleich mit den Kindern in die Schwimmhalle flitzen wollte, sobald der Papa an seinem einzigen freien Tag endlich da war. Ich habe die Entschlüsse gefasst, um die beste Version meiner selbst sein zu können. Ich denke, ich habe eine gute Balance gefunden, damit ich meine Karriere und meine Träume ausleben kann“, so der 39-Jährige, der weiter in Handewitt lebt, aber 2018 nach elf Jahren bei der SG Flensburg-Handewitt die Bundesliga verließ und sportlich nach Dänemark zurückkehrte, um seine Laufbahn hier ausklingen zu lassen.

Thomas Mogensen durfte zum Abschluss seiner elf Jahre in Flensburg über den Meistertitel jubeln. Foto: DPA

„Für mich war es nicht das Richtige, meine Karriere auf dem Höhepunkt zu beenden. Ich wollte meine Karriere in Dänemark ausklingen lassen. Sportlich gab es nicht die gleichen Herausforderungen wie in den großen Endspielen und in den allergrößten Arenen Europas, aber die Zeit hier hat mir etwas anderes gegeben, das ich in meinen nächsten Job mitnehmen werde. Ich bin zu einem Punkt gekommen, wo meine eigene Leistung auf dem Spielfeld nicht mehr das Wichtigste war. Ich konnte andere Dinge prägen, zurückzahlen und mit meiner Erfahrung andere motivieren und entwickeln. Ich bin glücklich, dass ich die Chance bekommen habe, dies mit in eine andere Karriere zu nehmen, und das in einer Welt, in der ich mich immer noch am liebsten befinde“, so Thomas Mogensen, der nach dem Karriereende ins Management von SønderjyskE wechseln und den Titel Sportmanager bekommen wird.

„Ich habe mir viele Gedanken gemacht, was nach der Karriere ist, bin aber immer wieder zum Handball zurückgekehrt. Ich bin nie zu einem Punkt gelangt, wo ich ernsthaft daran gedacht habe, außerhalb der Handballwelt zu arbeiten“, sagt der künftige Handball-Rentner, der in seinem neuen Job viel vorhat und bereits voller Tatendrang ist.

„Ich würde gerne überall meinen Beitrag leisten, wenn ich darf. Dann müssen die anderen mich bremsen, wenn ich ein wenig zu viel vorhabe“, lacht er: „Ich werde an der Kaderzusammenstellung mitwirken, aber in erster Linie daran arbeiten, im Alltag die Dinge für die Spieler, die Mannschaft und den Klub zu optimieren. Ich bin an feinen Adressen gewesen, auch in der Nationalmannschaft, und weiß, was erforderlich ist, um an der Spitze mitzumischen. Es ist leicht zu sagen, dass man gerne an der Spitze mitspielen will, aber der Weg dorthin ist knallhart. Ich werde mich mit den Spielern und Dilemmas befassen, die im Laufe der Saison entstehen, und versuchen, dass der Alltag und die Rahmenbedingungen immer besser werden.“

Thomas Mogensen kam 2020 von Skjern zu SønderjyskE. Foto: Karin Riggelsen

Mit konkreten Zielen für den Verein tut er sich schwer. Das sei nicht seine Aufgabe.

„Wir haben einen Masterplan, der dafür sorgen soll, dass wir uns so weit weg von dem bewegen, was wir in dieser Saison geleistet haben. Ich habe keine Lust zu sagen, dass wir in fünf Jahren Meister werden oder in drei Jahren das Halbfinale erreichen. Acht Klubs träumen vom Halbfinale, die vier werden enttäuscht sein. Wir wollen jeden Tag kleine Schritte nach vorne machen und professioneller werden“, meint der neue Sportmanager.

Kleine Schritte nach vorn hat er auch in seiner Laufbahn gemacht, wo es über Viborg HK (2002-03) und GOG (2003-07) zur SG Flensburg-Handewitt (2007-18) ging, bevor er seine Karriere in Skjern (2018-20) und SønderjyskE (2020-22) ausklingen ließ.

Und wenn ich sehe, dass ich als einer von sechs Personen an der Hall-of-Fame-Wand in Flensburg hänge und einen Blick auf die anderen werfe, die dort hängen, dann bedeutet das mehr als der Sport und als die Siege auf dem Spielfeld. Das ist eine Anerkennung meiner Person und der Leistung, die ich für einen Klub erbracht habe, der mir so viel bedeutet.

Thomas Mogensen

Titelgewinne gab es für den Europameister von 2012 reichlich. Mit GOG wurde er zweimal dänischer Meister, mit der SG Flensburg-Handewitt gewann er 2012 den Europapokal der Pokalsieger, 2014 die Champions League und 2018 die deutsche Meisterschaft.

„Die vielen Medaillen bedeuten mir sehr viel. Der größte Pokal ist der Champions-League-Sieg mit Flensburg. Das ist für mich immer das Größte im Klubhandball gewesen, und diesen Pokal mit meinem Traumklub vor 20.000 Zuschauern bei einem magischen Event in Köln zu gewinnen, nachdem ich Blut, Schweiß und Tränen investiert habe und eine tragende Rolle hatte, war der Wahnsinn“, sagt Thomas Mogensen, der aber auch andere Höhepunkte heranzieht.

„Die deutsche Meisterschaft habe ich an meinem allerletzten Tag in Flensburg gewonnen. Das war auch etwas ganz Besonderes. Vor 50 Freunden und Familienmitgliedern in der Halle und mit 15.000 Fans vor der Halle haben wir die erste deutsche Meisterschaft nach einer langen Titelflaute gefeiert“, erinnert er sich gerne zurück: „Aber auch als Europameister mit Dänemark auf dem Balkon des Rathausplatzes zu stehen, ist einzigartig. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als Dänemarks Fußballer 1992 Europameister wurden. Ich dachte, das will ich auch einmal erleben, und dann stehe ich 20 Jahre später dort und erlebe dasselbe.“

Thomas Mogensen nahm 2012 an den Olympischen Spielen in London teil. Foto: dpa

Gesteckte Ziele zu erreichen, ist während seiner langen Karriere stets sein Antrieb gewesen.

„Ich habe mir große Ziele gesteckt, immer dafür gekämpft und alles gegeben. Das ist schon der Wahnsinn, dass ich die erreicht habe. Das erfüllt mich mit Stolz. Und wenn ich sehe, dass ich als einer von sechs Personen an der Hall-of-Fame-Wand in Flensburg hänge, und einen Blick auf die anderen werfe, die dort hängen, dann bedeutet das mehr als der Sport und als die Siege auf dem Spielfeld. Das ist eine Anerkennung meiner Person und der Leistung, die ich für einen Klub erbracht habe, der mir so viel bedeutet und zu den besten des Handballsports gehört. Ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich einen Blick auf die Hallendecke werfe und mein Trikot sehe, und auch wenn die ganze Halle plötzlich aufsteht und meinen Namen singt. Die tun das aus Liebe zu mir, weil ich über die Jahre ihnen so viel Liebe gegeben habe“, sagt Thomas Mogensen, als er nach dem Abschlusstraining auf der ersten Zuschauerreihe von „Skansen“ sitzt und sich für das „Nordschleswiger“-Interview viel Zeit lässt. Die Mannschaftskameraden sind schon seit 20 Minuten verschwunden.

Bezeichnenderweise gehen mitten in dem abschließenden Satz die Lichter in der Halle aus. Am Mittwoch gehen nach einer grandiosen Karriere die Lichter aus.

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