Landwirtschaft

Frische Bio-Kost per Klick: Siemen Baader setzt auf Nachhaltigkeit

Frische Bio-Kost per Klick: Siemen Baader setzt auf Nachhaltigkeit

Frische Bio-Kost per Klick: Siemen setzt auf Nachhaltigkeit

Hadersleben/Haderslev
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Siemen Baader hofft, seine Bio-Initiative bald um ein digitales Netzwerk erweitern zu können. Foto: Karin Riggelsen

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Die regenerative Landwirtschaft in Nordschleswig fördern, das möchte der 39-Jährige aus Hadersleben. Er hat im vergangenen Herbst in der Domstadt ein Pilotprojekt ins Leben gerufen, das Bio-Landwirtschaft und umweltbewussten Konsum zusammenbringt. Was er sich von der Initiative erhofft, erzählt er im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Es ist Freitag, 14 Uhr. Siemen Baader steht im Haderslebener Reformhaus Frøken Helsekost neben einigen Gemüsekisten und wartet. Darauf, dass die Kunden ihre vorbestellten Kisten voller frischer, ökologischer Rohwaren innerhalb der nächsten vier Stunden abholen. Denn das ist Teil seines Konzepts.

„Es ist eigentlich ganz einfach“, erklärt Baader.

Frisches Bio-Gemüse im Online-Shop

Das Gemüse stammt vom Bauernhof „Solskin“ bei Taps, nördlich von Christiansfeld, der sich auf biodynamische Landwirtschaft spezialisiert hat. Konkret bedeutet das, dass der Hof als weitgehend geschlossener Betriebskreislauf funktioniert und auf die Zufuhr von Substanzen von außerhalb so weit wie möglich verzichtet.

Über die hofeigene Webseite können Interessierte Rohwaren aus ökologischem Anbau bestellen und anschließend bei Siemen Baader im Reformhaus an der Norderstraße in Hadersleben abholen.

Im Haderslebener Reformhaus an der Norderstraße können die Kundinnen und Kunden jeden Freitag zwischen 14 und 18 Uhr ihre bestellte Ware abholen. Foto: Karin Riggelsen

„Ich bin also eigentlich eher so etwas wie Vermittler und Projektinitiator“, erklärt Baader und fügt beim Blick auf die eher bescheiden bestückten Gemüsekisten hinzu: „Im Moment befinden wir uns in der absoluten Flaute der Saison.“

Da sein Projekt auf Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit fußt, befinden sich in den Gemüsekisten zu dieser Jahreszeit ausschließlich Produkte, die den dänischen Witterungsbedingungen im Winter standhalten können. Also alles von Kohl über Kartoffeln bis hin zum Porree.

Nachhaltig handeln

Doch genau darum geht es Baader: Anstatt Zucchini, Tomaten und anderes, nicht der Saison entsprechendes Gemüse, aus spanischen Gewächshäusern einfliegen zu lassen, möchte der Haderslebener mit seiner Initiative mehr Bewusstsein für nachhaltige, ökologische Landwirtschaft in der Region schaffen.

Sein Pilotprojekt soll daher in einem ersten Schritt Bäuerinnen und Bauern und Konsumentinnen und Konsumenten zusammenbringen.

„Als ich 2019 nach meinem Studium in Kopenhagen und Aarhus mit meiner Familie zurück nach Hadersleben gezogen bin, ist mir aufgefallen, dass es hier an Möglichkeiten mangelt, frisches Gemüse aus biologischem und CO₂-freundlichem Anbau zu kaufen“, erklärt Baader. Selbst auf dem Haderslebener Wochenmarkt sei Bio-Gemüse aus der Region eher die Ausnahme.

Im Winter sind die Bio-Kisten hauptsächlich mit Kartoffeln, Kohl und anderem Wintergemüse gefüllt. Foto: Karin Riggelsen

Ein Zustand, an dem der studierte Physiker und Informatiker etwas ändern wollte.

Einen Markt schaffen

Sowohl in Aarhus als auch in Kopenhagen hat er sich bereits aktiv in ökologischen Lebensmittelgemeinschaften engagiert und dabei jede Menge Wissen über regenerative Landwirtschaft aneignen können.

Auch einen Kurs in Permakultur hat Baader absolviert. Dabei handelt es sich um ein nachhaltiges Konzept für Landwirtschaft und Gartenbau, das darauf basiert, natürliche Ökosysteme und Kreisläufe in der Natur genau zu beobachten und nachzuahmen.

„Leider gibt es in der Region noch keine Landwirte, die nach diesem Prinzip verfahren“, so Baader. Grund dafür sei unter anderem der fehlende Markt: „Von landwirtschaftlicher Seite heißt es bislang noch, dafür gibt es keine Abnehmer. Und wer sich als Verbraucher dafür interessiert, sucht vergeblich.“

Mit seiner Initiative möchte sich der 39-jährige Haderslebener für mehr regenerative Landwirtschaft in Nordschleswig einsetzen. Foto: Karin Riggelsen

Noch befindet sich in den Gemüsekisten daher „nur“ biodynamische Kost. Doch dank seiner Initiative, so Baaders Hoffnung, könne sich daran in Zukunft etwas ändern. Das erklärte Ziel des Informatikers ist es daher, in Dänemark einen Markt für regenerative Landwirtschaft zu schaffen.

Der Traum vom grenzübergreifenden Netzwerk

„In einem nächsten Schritt möchte ich ein IT-System aufbauen, damit ein richtiges Netzwerk zwischen biodynamisch-orientierten Bauern und Verbrauchern entstehen kann“, so Baader.

Auch könne er sich gut vorstellen, die Zusammenarbeit auf Schleswig-Holstein auszuweiten, sagt der 39-Jährige, der im Alter von 12 Jahren mit seiner Familie von Deutschland in die Domstadt gezogen und anschließend in der deutschen Minderheit aufgewachsen ist.

Noch stecke sein Projekt zwar in den Kinderschuhen, doch die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel haben ihm schon immer am Herzen gelegen, verrät Baader. Und gerade in Nordschleswig, wo viel Landwirtschaft betrieben wird, sei es umso wichtiger, auf Nachhaltigkeit zu setzen. „Wenn wir in der Landwirtschaft versuchen, den CO₂-Ausstoß zu verringern“, so der Haderslebener, „dann können wir schon viel bewirken.“

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Ein Leck in unserer Gesellschaft“