Wirtschaft

Vier von zehn Beschäftigten nach Dienstschluss erreichbar

Vier von zehn Beschäftigten nach Dienstschluss erreichbar

Vier von zehn Beschäftigten nach Dienstschluss erreichbar

Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bauunternehmen, die im Außendienst wie bei Hoyerscheuse im Einsatz sind, müssen heutzutage ständig erreichbar sein. Doch Arbeitspsychologen warnen vor negativen Folgen, wenn die Dauererreichbarkeit den Menschen kein Abschalten vom Arbeitsleben mehr erlaubt. Foto: Volker Heesch

Eine aktuelle Untersuchung in der Region Süddänemark verweist auf Stressgefahr: Menschen können nicht mehr abschalten. Die ständigen Blicke aufs Telefon unterbrechen Arbeitstag und Freizeit.

In Dänemark ist die Flexibilität im Arbeitsleben seit Jahren als Pluspunkt und Merkmal moderner Lebensweise gerühmt worden. Eine aktuelle Untersuchung des demoskopischen Institutes Yougov im Auftrag der Gewerkschaft Krifa in der Region Süddänemark weist auf Schattenseiten der ständigen Erreichbarkeit von Beschäftigten hin.

Oft keine Vergütung für Bereitschaft

Laut der Untersuchung haben 39 Prozent der befragten Personen angegeben, dass sie rund um die Uhr und nach Feierabend erreichbar seien. Allerdings würden nur 26 Prozent eine finanzielle Vergütung für diese Einsatzbereitschaft erhalten. Der Wirtschaftspsychologe bei Krifa, Rasmus Højbæk, stellt fest, dass die Flexibilität im Arbeitsleben bei vielen Menschen einen positiven Effekt hinsichtlich der Balance zwischen Arbeit und Freizeit zeige. „Es erlaubt Familien mit Kindern, dass diese früher aus Kindergärten abgeholt werden können und mehr Zeit für familiäres Zusammensein bleibt“, so Højbæk. Doch die Arbeitsstunden würden meist auf andere Zeitpunkte verschoben.

Wenn wir ständig zur Verfügung stehen und ganz einfach auf Mails antworten oder ans Telefon gehen, wächst die Gefahr, dass unser Gehirn ständig auf Arbeit ist

Arbeitspsychologe Rsmus Højbæk

Das könne zu einer Schieflage führen, so der Wirtschaftspsychologe. „Wenn wir ständig zur Verfügung stehen und ganz einfach auf Mails antworten oder ans Telefon gehen, wächst die Gefahr, dass unser Gehirn ständig auf Arbeit ist“, so Højbæk. Der Kopf bekomme keine Ruhe und er könne nicht abschalten, das könne zu Stress führen“, so der Psychologe. Alle sollten darauf achten, wann er oder sie auf Arbeit ist, und wann man frei hat.

Telefon als Zeiträuber

In der Untersuchung wird auch die Rolle des Telefons im Alltag der Beschäftigten beleuchtet. Laut YouGov-Befragung sehen von den Menschen in der Region Süddänemark 25 Prozent pro Stunde mehrmals nach, ob Bescheide eingegangen sind. Dabei sollte darauf geachtet werden, wie viel Aufmerksamkeit während der Arbeit und in der Freizeit dem Telefon oder Smartphone gewidmet wird. Vielen sei nicht klar, wie viel Zeit bei der Beschäftigung mit dem Telefon aufgewendet wird. Und es sei zu hinterfragen, wie viel Zeit verloren geht, um andere wichtige Dinge im Leben zu erledigen.

Oft Stress

Laut der Untersuchung haben 35 Prozent der Befragten angegeben, dass sie sich immer oder oft gestresst fühlen. 12 Prozent geben an, dass das Telefon ein entscheidender Stressfaktor sei, weil es eine große Rolle als Zeiträuber spiele. Plötzlich stellten die Menschen fest, dass ihnen die Zeit davongelaufen ist, um Arbeitsaufgaben zu schaffen. Es sei wichtig, Störquellen wie ein Mobiltelefon zeitweise auszuschalten, um dem Arbeitsleben gewachsen zu bleiben.

Mehr lesen