Gesellschaft

Vom Zuzügler zum Urgestein

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Vom Zuzügler zum Urgestein

Tingleff/Tinglev
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Peter Blume Foto: kjt

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Peter Blume aus Tingleff kam Anfang der 60er Jahre von Deutschland nach Nordschleswig, um als Lehrer zu arbeiten. Er blieb und sieht sich seither als Teil der Volksgruppe. Mit 80 Jahren ist er immer noch sehr aktiv.

„Das stand für mich sofort fest. Es war auch Bedingung, dass man im Ort oder in der Nähe wohnt. Es gab eine Residenzpflicht“, sagt Peter Blume, pensionierter Lehrer aus Tingleff, der kürzlich sein 80. Lebensjahr vollendete.

Als er nach dem Studium an der Pädagogischen Hochschule am 1. April 1963 seine Lehrerlaufbahn in der deutschen Volksgruppe in Nordschleswig begann, war für ihn klar, dass er nach Dänemark zieht.

Für Blume, der in Lübeck aufwuchs, war es ein logischer Schritt. Er wurde quasi kraft Amtes Teil der deutschen Gemeinschaft und engagierte sich von Beginn an für das Schul- und Vereinsleben.

Ausgangspunkt seines Standortwechsels gen Norden war ein Landschulpraktikum in Süderwilstrup (Sønder Vilstrup). Blume, Sport- und Deutschlehrer, wurde später dann eine Stelle in Lügumkloster (Løgumkloster) angeboten.

Peter Blume Anfang der 60er Jahre beim Spaziergang mit Schülerinnen und Schülern der Süderwilstruper Schule Foto: Privat (Archivfoto)

Nach vier Jahren stellte man ihm 1967 in Aussicht, die deutsche Schule Lendemark zu übernehmen. Peter Blume, mit vollem Namen Hanns Peter Blume, kündigte die Stelle in Lügumkloster und hatte sich innerlich schon auf die neue Aufgabe eingestellt.

Daraus wurde dann aber wider Erwarten doch nichts. Im Juni, kurz vor den Sommerferien, gab es eine Absage.

Tapetenwechsel

„Ich hatte schon überlegt, zurück nach Deutschland zu gehen, es war ja schon spät. Beim Knivsbergfest kam ich dann mit Harald Kracht ins Gespräch (damals Leiter der Deutschen Schule Tingleff, red. Anm.). Er sagte mir, dass er zwei Sportlehrer sucht. Das passte ja eigentlich“, erinnert sich Blume noch gut an das Gespräch mit dem damaligen Schulleiter, der später sein Chef werden sollte.

Blume hatte Sport studiert und erfüllte damit die Anforderungen des Tingleffer Schulleiters. Oder etwa nicht?

„Nein nicht ganz“, wirft Blume mit einem Schmunzeln ein.

„Ich hatte damals noch keinen Führerschein, und den stellte Harald Kracht als Bedingung, da die Sportlehrer damals die Kinder zum Handballtraining zur Sporthalle in Bülderup fuhren. In Tingleff gab es noch keine Halle. Ich habe in den Sommerferien dann den Führerschein gemacht“, so Blume.

Mit Führerschein in der Tasche heuerte er 1967 an der Tingleffer Schule an und blieb der Einrichtung bis zu seiner Pensionierung 2004 treu und ist ihr immer noch verbunden.

Hat die Deutsche Schule oder die Sporthalle Jubiläum, dann ist Peter Blume aus Verbundenheit stets zur Stelle gewesen, um die Geschichte der Einrichtungen zu durchforsten. Foto: DN (Archivfoto)

1973 ließ sich Blume mit seiner Inga, die er 1968 heiratete, in ein neu erbautes Eigenheim im Fasanvænget nieder, wo das Paar heute immer noch wohnt.

Glückliches Zusammentreffen

Seine Frau stammt aus der Gegend von Tondern und Blume lernte sie bei einem Volkstanzkurs kennen, den er in Absprache mit dem damaligen Schulleiter in Seth leiten sollte.

„Da waren ausschließlich Paare und nur eine Frau ohne Begleitung. Es war Inga. Ich bin mir sicher, dass es eingefädelt war“, erzählt Blume mit einem Lachen.

Im Nachhinein war es ein Glücksfall. Hanns Peter und Inga, Tochter einer Dänin und eines Deutschen, wurden ein Paar, heirateten und ließen sich als zweifache Eltern schließlich in Tingleff nieder.

Peter Blume in seinem Haus in Tingleff Foto: kjt

Deutscher, Schleswig-Holsteiner, Zuzügler, Nordschleswiger, Sønderjyde oder Deutsch-Nordschleswiger. Wie stuft sich Peter Blume nach so vielen Jahren als Bürger Süddänemarks eigentlich ein?

Alte und neue Heimat

„Lübeck ist für mich meine Heimatstadt. Ich habe aber immer gesagt, dass ich zur Minderheit gehöre“, so Peter Blume in seinem Wohnzimmer im Fasanvænget, wo er seit fast 50 Jahren wohnt.

Die Nationalität „Deutsch-Nordschleswiger“ trifft es bei ihm wohl am ehesten. Für Peter Blume scheint eine genaue Definition letztendlich nicht die große Rolle zu spielen.

Als einstiger Zuzügler ist er als Lehrer und Privatmensch mit der Volksgruppe verflochten. In der Schule oder in Vereinen und Verbänden hat sich der pensionierte Lehrer über Jahrzehnte in verschiedenen Bereichen eingebracht und tut es immer noch.

Er habe nie Probleme mit dänischen Mitbürgern gehabt, wie er unterstreicht. Ressentiments, die früher gegenüber Deutschen oder Deutsch-Nordschleswigern keine Seltenheit waren, habe er nie zu spüren bekommen.

So kam es unter anderem, dass er vom deutschen Pastor zum Tennisspielen im örtlichen dänischen Tennisverein überredet wurde. „Ich lernte es recht schnell“, so Sporttalent Blume.

Peter Blume ist auch mit 80 noch oft auf dem Tennisplatz zu finden. Foto: DN (Archivfoto)

Er wurde Mitglied des dänischen Vereins, bestritt Punktspiele an der Seite dänischer Mitspieler und war später mehrmals Vorsitzender des Vereins, in dem auch andere Volksgruppenangehörige Mitglied waren, weil es keinen deutschen Tennisverein gab.

Mit Blumes Zutun und der bunten Mischung der Mitgliederschar wurde der Tennisverein bereits in den 80ern ein Paradebeispiel für ein respektiertes deutsch-dänisches Miteinander.

Peter Blume mit Lehrer- und Vereinskollege Hans Westphal anno 1974. Im Tingleffer Tennisklub spielte Mehr- und Minderheit Seite an Seite. Blume war viele Jahre Vorsitzender. Foto: Privat (Archivfoto)

„Ich habe seit 2020 auch die dänische Staatsangehörigkeit. Ich wollte nach so vielen Jahren als Bürger des Landes einfach die gleichen Rechte bei Wahlen und bei anderen Anlässen haben. Es war aber ein harter Kampf, die dänische Staatsangehörigkeit anerkannt zu bekommen“, erzählt Blume.

Auch mit dänischer Staatsangehörigkeit bleibt seine Verankerung in der deutschen Volksgruppe unumstritten.

Fast vom ersten Tag in Nordschleswig an engagierte sich Blume über seine Lehrerfunktion hinaus für die Minderheit.

Man denkt, dass man als Pensionär viel Zeit für alles hat. Man wundert sich dann.

Peter Blume

Fußballwart im Jugendverband, Sport- und Kulturzentrum Tingleff (Sporthalle), Lehrerverein, Literaturfonds, Kalenderausschuss des Sozialdienstes für Nordschleswig, Sportausschuss, Fußballtrainer beim SV Tingleff oder auch Wahlausschussvorsitzender der SP im Bezirk Tingleff: Peter Blume mischte und mischt zum Teil immer noch auf breiter Ebene mit.

„Das war für mich immer schon eine Selbstverständlichkeit. Als ich hierherkam, war einiges zwangsgegeben, letztendlich ist es aber Eigenantrieb“, so der 80-jährige, der als Webmaster und „Pressemann“ für den örtlichen Sozialdienst sowie den BDN-Ortsverein aktiv ist und hin und wieder auch für den „Nordschleswiger“ berichtet.

Kunstbewandert

Im Kalenderausschuss des Sozialdienstes hat Blume ein Jubiläum. Seit 20 Jahren ist der kunstinteressierte und bewanderte Tingleffer dort ein Aktivposten.

Auch dafür ist Peter Blume zu haben: Schulmeister bei einer kleinen Unterrichtseinheit im Schulmuseum. Foto: DST (Archivfoto)

Trotz einiger gesundheitlicher Probleme, „die das Alter so mit sich bringt“, ist Peter Blume nach wie vor sehr sportlich unterwegs. Volleyball, Seniorensport, Tennis, Yoga und Wandern füllen neben seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten den Terminkalender aus.

„Man denkt, dass man als Pensionär viel Zeit für alles hat. Man wundert sich dann“, so Blume, dem bei den vielen Eisen im Feuer offensichtlich nicht so schnell langweilig wird.

Man muss dann schon mal genau planen, um die beiden Kinder und die Enkelkinder zu treffen. Sohn Till wohnt in Kopenhagen und Tochter Meiken lebt in der Nähe von Frankfurt. Meiken ist Mutter zweier erwachsener Kinder und mit einem Amerikaner verheiratet.

In der Familie geht es somit noch internationaler zu, als es Meiken als Nordschleswigerin und Volksgruppenangehörige in Tingleff gewohnt war. Englisch und Deutsch sind die Alltagssprachen bei ihr in Frankfurt.

Als die Enkel noch kleiner waren und sich in den Ferien bei den Großeltern in Tingleff aufhielten, dann waren auch noch dänische Eigenarten in der Umgebung mitzuerleben. Im Hause Blume ist halt von allem etwas dabei.

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Anke Krauskopf
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