Kommunalpolitik

„Lasst uns doch die Grenze ausblenden“

„Lasst uns doch die Grenze ausblenden“

„Lasst uns doch die Grenze ausblenden“

Pepersmark/Pebersmark
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Ladelunds Bürgermeister Lutz Martensen nahm die Einladung zum Kaffee nach Pepersmark gerne an. Bei einem zwanglosen Gespräch mit dem SP-Kandidaten Kurt Asmussen wurden schon ganz viele Ideen einer künftigen Zusammenarbeit entwickelt. Foto: Anke Haagensen

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Ladelunds Bürgermeister Lutz Martensen und SP-Kandidat Kurt Asmussen trafen sich bei einer Tasse Kaffee zum Gespräch in Pepersmark.

Die Gemeinde Ladelund boomt. Nachdem die Einwohnerzahlen lange Jahre stetig nach unten gegangen waren, steigt die Kurve seit einigen Jahren wieder. Es ziehen junge Familien dorthin, bauen sich eigene Einfamilienhäuser. Ein Neubaugebiet mit 34 Parzellen ist schon komplett ausverkauft. Das nächste mit 40 Grundstücken ist zwar nur in Planung, aber auch schon so gut wie verkauft. „Wie haben die das nur gemacht?“

Diese Frage stellte sich der Pepersmarker Kurt Asmussen, und prompt lud der frisch gewählte Kandidat der Schleswigschen Partei den Bürgermeister der deutschen Nachbargemeinde zu sich nach Hause ein.

Kurt Asmussen (l.) und Lutz Martensen waren sich auf Anhieb sympathisch. Foto: Anke Haagensen

Auf einer Wellenlänge

Die beiden Männer hatten sich erst vor wenigen Wochen eher zufällig kennengelernt, aber schon gleich war ihnen klar, dass sie auf einer Wellenlänge schwimmen. „Wir sind vom Typ her ähnlich: Wir wollen machen“, sagt Lutz Martensen.

„Natürlich sollen Regeln eingehalten werden, aber ich sage immer: Lasst uns doch schon mal anfangen, dann können wir anschließend noch immer nachjustieren.“

Mit dieser Einstellung hat Martensen vor drei Jahren das Bürgermeisteramt seiner Heimatgemeinde übernommen und hat mit seiner forschen Herangehensweise sicherlich so manchen Ratskollegen ein wenig überrannt.

Der Erfolg gibt ihm aber recht.

Mit der freundlichen – bunten – Begrüßung am Ortseingang fängt es schon an. Foto: Anke Haagensen

Die Einwohnerentwicklung von Ladelund

Vor 25 Jahren hatte die Gemeinde 1.500 Einwohner. 2018 (im Jahr der Gemeinderatswahl) war die Zahl der Ladelunder auf 1.350 geschrumpft. Seitdem geht es aber wieder bergauf. Stand Juni 2021 sind es wieder 1.450 Einwohner – mit steigender Tendenz.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen sorgte Lutz Martensen dafür, dass der Kindergarten im Ort zu einem Ganztagskindergarten umgewandelt wurde. „Wenn Familien überlegen, sich irgendwo anzusiedeln, dann fragen sie nach Kindergarten, Grundschule und Quadratmeterpreis“, sagt der Bürgermeister von Ladelund. „Und neuerdings – seit Corona – fragen sie auch nach Breitbandanschluss“, fügt er hinzu.

Der Kindergarten wurde in eine Ganztags-Kita umgewandelt. Foto: Anke Haagensen

Der Ort Ladelund hat Breitbrandanschluss, und Ende nächsten Jahres werden auch die entferntesten Zipfel seiner Gemeinde über schnelles Internet verfügen. Und seit der Kindergarten in einen Ganztagskindergarten verwandelt wurde, hat er eigentlich nur Trümpfe in der Hand, die offensichtlich alle stechen.

Jung und Alt – die Mischung macht's

„Wir setzen aber nicht nur auf die Jugend. Die Mischung muss stimmen. Wir versuchen, alle Altersschichten zu berücksichtigen“, sagt Lutz Martensen.

So ist der Ausbau des Radwegenetzes sowohl für die jungen als auch für die älteren Einwohner von Vorteil. Die Nachbargemeinden Süderlügum (Sønderløgum) und Westre (Vestre) haben erst kürzlich einen neuen Radweg zwischen den beiden Orten anlegen können.

Sämtliche Grundstücke in dem neuen Wohnviertel im Norden von Ladelund sind bereits verkauft, weshalb schon ein weiteres für 40 Einfamilienhäuser in Planung ist. Der Bürgermeister hat schon eine Warteliste anlegen müssen. Foto: Anke Haagensen

„Nun fehlt das Teilstück zwischen Westre und Bramstedtlund (Bramstedlund)“, sagt Martensen. Dieses Vorhaben unterstützt er genauso wie die Wünsche der Nachbargemeinde, einen Radweg entlang der Betonstraße anlegen zu können. Was allerdings generell den Ausbau des Radwegenetzes angeht, blicke er stets ein wenig neidisch nach Dänemark.

„Ich habe den Eindruck, dass man bei euch drüben da viel weiter ist“, sagt er. Allerdings teilt Kurt Asmussen diese Ansicht nicht ganz. Durch die Größe der Kommune müssen viele Ortschaften berücksichtigt werden, und dies sorgt natürlich auch für Verzögerungen.

Ladelund verfügt über eine eigene Grundschule. Ab dem 5. Schuljahr wechseln die Kinder in der Regel nach Leck. Foto: Anke Haagensen

Von Renz nach Bülderup-Bau

Der Radweg von Renz (Rens) nach Bülderup-Bau (Bylderup-Bov) ist ein Projekt, für das sich Asmussen, der erst kürzlich in den Lokalrat von Renz (Rens Egnsråd) gewählt wurde, unter anderem einsetzt. Vorteil der Großkommune Apenrade ist, dass auf diese Weise einfacher ein Zusammenhang im Radwegenetz geschaffen werden kann, während eine kleine Gemeinde wie Ladelund selbst bestimmen kann, wofür sie ihr Geld ausgeben will.

Letzteres findet Kurt Asmussen wiederum beneidenswert. Ganz so rosig sei das nun auch wieder nicht, gab Martensen zu bedenken. „Wir sind ja auch schon davon abhängig, wie viel Geld uns aus Kiel zur Verfügung gestellt wird. Kiel liegt an der Ostküste, und an der Ostküste bleibt auch das meiste Geld hängen“, ärgert sich der Bürgermeister der Gemeinde Ladelund.

Durch eine Bürgerinitiative ist vor einigen Jahren in Ladelund ein sogenannter Bürgerbus-Service ins Leben gerufen worden. Zwei kleine Busse fahren in den Tagesstunden nach Leck und zurück. Foto: Anke Haagensen

Ehrenamt ist unverzichtbar: Beispiel Bürgerbus

Deshalb sei Engagement und Ehrenamt auch nicht hoch genug zu schätzen. Aus einer Bürgerinitiative heraus ist ein Bürgerbus ins Leben gerufen worden. Es handelt sich inzwischen um zwei Acht-Personen-Busse, die in den Tagesstunden zwischen Leck und Ladelund hin- und herpendeln, und um ein Zubringer-Taxi, das die Menschen, die nicht an der Linienführung wohnen, zur nächsten Haltestelle fährt und von dort auch wieder zurückbringt.

„Die Fahrer sind allesamt Ehrenamtler. Die Gemeinde beteiligt sich auch nicht an den Kosten, wenn man davon absieht, dass wir in der Verwaltung die erforderlichen Förderanträge stellen, was sehr zeitaufwendig und mühsam ist“, sagt Lutz Martensen. Die Busse werden sowohl von älteren Mitbürgern und von Schulkindern als auch von Arbeitnehmern genutzt. Mobilität ist für Jung und Alt wichtig.

Vielleicht sollten wir auch mal ein oder zwei Fahrten pro Woche nach Renz anbieten?

Lutz Martensen, Bürgermeister von Ladelund

„Vielleicht sollten wir auch mal ein oder zwei Fahrten pro Woche nach Renz anbieten?“, überlegt er laut. Kurt Asmussen greift die Idee gleich auf. „Ja, lass uns das mal versuchen“, sagt er und überlegt schon, wie zum Beispiel der Angelteichbetrieb im Ort da eingebunden werden kann. Auch das Lokalarchiv und Museum sowie der Outdoorspielplatz in Renz könnten interessante Ausflugsziele für Ladelunder sein, während sich für die Renzer zumindest in der Sommerzeit ein Ausflug an den Badesee lohnen würde. Ladelund verfügt zudem über der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte hinaus über ein kleines, aber sehr interessantes Museum. Außerdem hat der Ort noch einen Supermarkt und einen eigenen Schlachter.

Die Haltestellen der Bürgerbuslinie sind mit solchen Schildern gekennzeichnet. Zum Bürgerbus-Service gehört auch ein Ruf-Taxi, das Passagiere anfordern können, um zur nächsten Haltestelle gebracht zu werden. Foto: Anke Haagensen

Es fehlt der Dorfarzt – noch

Die Gemeinde Ladelund hat seit einiger Zeit, seitdem die letzte praktizierende Ärztin in Rente gegangen ist, keinen eigenen Arzt mehr im Ort. Das bekümmert den Bürgermeister, zumal die Einwohnerzahlen ja steigen.

Die Praxen in der Umgebung nehmen zudem keine neuen Patienten mehr auf, und die beiden Hausärzte in Süderlügum haben auch das Pensionsalter erreicht. Eine Nachfolge ist dort nicht in Sicht.

Als die Bankfiliale in Ladelund vor einiger Zeit eingestellt wurde, hat die Gemeinde das Gebäude erstanden – zu einem günstigen Preis unter der Voraussetzung, dass der Bankautomat dann dortbleiben kann.

Wir haben ein Gebäude günstig gekauft, das sich für eine Hausarzt-Praxis sehr gut eignet, und wir behalten obendrein den Geldautomaten im Ort.

Lutz Martensen, Bürgermeister von Ladelund

„Das war für uns eine Win-win-Situation. Wir haben ein Gebäude günstig gekauft, das sich für eine Hausarzt-Praxis sehr gut eignet, und wir behalten obendrein den Geldautomaten im Ort. – Es ist für unsere älteren Mitbürger nämlich noch wichtig, Bargeld im Portemonnaie zu haben. Das kennt ihr in Dänemark ja kaum noch, wo inzwischen fast alle mit Handy oder Karte zahlen“, stellt Martensen fest.

Die Bemühungen, einen Allgemeinmediziner oder eine -medizinerin für Ladelund zu begeistern, waren erfolgreich. „Wir haben eine Ärztin aus Bremerhaven an der Hand, die zu uns kommen würde“, berichtet Martensen froh. Allerdings gibt es auch einen Wermutstropfen. „Die Kassenärztliche Vereinigung stellt sich quer. In deren Plan ist nämlich keine Praxis in Ladelund mehr vorgesehen – dafür aber weiterhin zwei in Süderlügum“, ärgert er sich. Das letzte Wort ist da aber noch nicht gesprochen, ist Martensen deutlich anzumerken.

Sich nicht einfach abwimmeln lassen, sondern noch einmal nachhaken und mit guten Argumenten selbst Überzeugungsarbeit leisten, sind sicherlich einige der Lehren, die Kurt Asmussen aus dem gemütlichen Plausch mit dem Bürgermeister von Ladelund gezogen hat.

SP-Kandidat Kurt Asmussen hatte den Bürgermeister von Ladelund vor einigen Wochen eher zufällig kennengelernt. Sie vereinbarten ein Wiedersehen. Das nachbarschaftliche, politische Gespräch fand nun in Pepersmark auf dem Hof von Asmussen statt. Foto: Anke Haagensen

Synergien nutzen

Die beiden Männer haben bei dem Gespräch nicht nur festgestellt, dass sie ganz ähnlich ticken, sondern dass es für Ladelund und das sogenannte „Auenland“ („Ålandet“), das das Gebiet um die Ortschaften Bülderup (Bylderup), Jündewatt (Jyndevad) und Renz umfasst, ganz viele Dinge und Projekte gibt, die man gemeinsam anpacken sollte. „Lasst uns doch die Grenze ausblenden. Wir sind eine Region!“, sind sich die beiden Männer einig.

„Bei den Kindern anfangen. Dann erreichst du auch die Eltern“, lautet der Ratschlag des erfahrenen Politikers aus Ladelund an den politischen Anfänger aus Pepersmark. Foto: Anke Haagensen

Sie haben schon ganz viele Ideen, wie die Synergien genutzt werden können. Nach den Ferien sollen auch schon erste Nägel mit Köpfen gemacht werden.

„Wenn etwas wachsen soll, fängt man am besten bei den Kindern an“, sagt Lutz Martensen aus Erfahrung. „Ich habe erfahren, dass die Ladelunder eine kleine Faustballabteilung haben; ich denke, wir laden mal die Kinder zum Schnuppertraining nach Saxburg ein, wo der Sport an der dortigen Schule gerade boomt“, hat Asmussen gleich schon ein konkretes Projekt im Auge. – Gebongt!

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