75 Jahre „Der Nordschleswiger“

Der Geschäftsführer ist auch der Mann für technische Fälle

Der Geschäftsführer ist auch der Mann für technische Fälle

Der Geschäftsführer ist auch der Mann für technische Fälle

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Geschäftsführer Christian Andresen im Keller des Medienhauses in Apenrade. Eine Sturmflut setzte Ende 1995 den Keller unter Wasser und bescherte dem damaligen Geschäftsführer in spe eine Menge Arbeit. Foto: Karin Riggelsen

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„Nordschleswiger“-Geschäftsführer Christian Andresen begleitet die Minderheitenzeitung in das neue Web-Zeitalter – und geht nach 25 Jahren in der Geschäftsleitung Ende des Jahres in Rente. Im Interview blickt Andresen zurück auf mehr als drei Jahrzehnte bei der Zeitung, für die er auf vielen Ebenen tätig ist.

Christian Andresen hat sein 25-jähriges Dienstjubiläum als Geschäftsführer des „Nordschleswigers“ im Schatten der Corona-Krise begangen. Am 1. Januar konnte er als einer der beiden Chefs des „Nordschleswigers“ auf ein viertel Jahrhundert im Dienst des Mediums der deutschen Minderheit in Nordschleswig zurückblicken.

Christian Andresen führt die Geschäfte des „Nordschleswigers" seit Januar 1996. Foto: Karin Riggelsen

Volontär, Lokalredakteur, Geschäftsführer und Mann für die Technik

Christian Andresen kennt den „Nordschleswiger“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Obwohl der 65-jährige Geschäftsführer in diesem Jahr sein „silbernes“ Dienstjubiläum begeht, wurde er bereits im Mai 1981 ein Teil der Zeitung, die seitdem, lediglich mit einer Unterbrechung von viereinhalb Jahren, sein beruflicher Standort gewesen ist.

In den Anfangsjahren gehörte er dem Redaktionsteam an. Für den gebürtigen Gaardebyer (bei Tingleff/Tinglev) begann die Laufbahn beim „Nordschleswiger" mit einem Volontariat in der Hauptredaktion und der Lokalredaktion in Apenrade/Aabenraa.

Vom Studium und der Landwirtschaft zum „Nordschleswiger“

In der deutschen Minderheit aufgewachsen, besuchte Christian Andresen die Einrichtungen des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig (DSSV) in Tingleff. Er machte sein Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN) und ging danach nach Kopenhagen, wo er Betriebswirtschaft studierte.

„Ich schaffte nur drei Semester, dann starb meine Mutter plötzlich. Ich musste nach Hause, um meinem Vater zu helfen, weil er auch krank war", erzählt Christian Andresen. Aus der Not heraus bewirtschaftete Andresen den väterlichen Hof.

Die Situation zu Hause verbesserte sich im Laufe der Jahre. Die Ländereien wurden verpachtet, und Christian Andresen konnte sich beruflich neu orientieren.

Als er hörte, dass „Der Nordschleswiger" einen neuen Lokalredakteur für die Redaktion in Tingleff suchte, bewarb er sich bei Chefredakteur Siegfried Matlok. Für Andresen stand fest, dass die Landwirtschaft nicht seine Zukunft war.

Andresen wurde angestellt. Die ersten Monate arbeitete er als Volontär in der Hauptredaktion und den Lokalredaktionen in Apenrade, Tondern/Tønder und Tingleff. Er übernahm im Spätsommer 1981 die Leitung der Tingleffer Lokalredaktion.

Sein Vorgänger Jörg Svane ging nach Deutschland, um zu studieren. Die Lokalredaktion war damals in Svanes Elternhaus angesiedelt. Jörg Svane führte die Redaktion nach dem Tod seines Stiefvaters, Lokalredakteur Günther Kirsten.

Das war wohl eine halbe Stunde viermal am Tag. Wehe, man überschritt die Zeit um zehn Sekunden. Dann hackte der nächste Kollege gleich in die Tasten.

Christian Andresen, Geschäftsführer

Klangkulisse im Alltag: Das stete Ticken des Fernschreibers

Als Christian Andresen Lokalredakteur war, hatte die Zeitung verschiedene Standorte an der Hauptstraße. Zunächst hatte er einen der beiden damaligen Anzeigenleiter, Rasmus Hansen, an seiner Seite. Als Hansens Dienstsitz in die Hauptredaktion verlegt wurde, kam die Verlagsangestellte Elke Bladt in die Redaktion.

„Als ich begann, kamen die Ritzautelegramme (Nachrichtenbüro, red. Anmerkung) noch über Telefax", erinnert sich Christian Andresen. Die Fernschreiber, die über ein Netz elektronisch miteinander verbunden waren, standen in allen Lokalredaktionen und der Hauptredaktion. Schrieb einer der Redakteure oder Verlagsangestellten auf dem Fernschreiber, tickten alle anderen Fernschreiber mit, erinnert sich Andresen.

Jede Redaktion hatte Schreibzeiten zugeteilt bekommen. „Das war wohl eine halbe Stunde viermal am Tag. Wehe man überschritt die Zeit um zehn Sekunden. Dann hackte der nächste Kollege gleich in die Tasten", sagt Christian Andresen und lächelt.

Zeitungsstreik und Bankräuber

In der Erinnerung haften geblieben sind ihm auch die ersten Wochen, als er den Redaktionsalltag unter den Fittichen von Jörg Svane kennenlernte. Damals hatte sich unter den Druckern ein Zeitungsstreik entwickelt.

„Die dänischen Zeitungen konnten nicht erscheinen. Da wir in Flensburg gedruckt wurden, konnten wir in einem kleineren Umfang erscheinen. Aber die Redaktionen konnten nur jeweils einen Artikel täglich produzieren", sagt Christian Andresen.

Zeitgleich mit dem Streik sorgte ein Bankraub in Bülderup/Bylderup für Schlagzeilen.

Versuchskaninchen nach dem Ende der Bleizeit

„Ende 1983 kam die erste große technische Revolution auf uns zu", erzählt Andresen. Beim „Nordschleswiger" wurde der Bleisatz vom Fotosatz von „Norsk Data" abgelöst. Das EDV-System wurde zunächst in der Hauptredaktion eingeführt und danach in den Lokalredaktionen.

„Für uns war der Fotosatz eine Revolution. Wir hatten nicht mehr die zeitliche Einschränkung, wann wir unsere Texte nach Apenrade übermitteln konnten. Die Arbeit in der Setzerei wurde auch wesentlich einfacher“, erklärt Andresen.

In der Hauptredaktion wurden die Artikel am Schirm Korrektur gelesen und als Fotosatz herausgefahren. Danach wurden die einzelnen Artikel rausgeschnitten und auf eine Seite aufgeklebt. Von der ganzen Seite machten die Setzer dann ein Bild, und die Bilder wurden nach Flensburg gefahren in die Druckerei des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages.

Bis die Bilder elektronisch übermittelt werden konnten, pendelte Hausmeister Andreas Petersen zweimal täglich nach Flensburg. „Blei war auch nicht besonders gesund“, sagt Andresen und fügt hinzu, dass die ehemaligen Bleisetzer im Kielwasser der technischen Umwälzungen größtenteils neue Aufgaben übernehmen konnten.

„Ich war Versuchskaninchen für die Lokalredaktionen", sagt Andresen. Anfangs lief nicht alles wie am Schnürchen. Als Andresen seinen ersten Artikel im neuen EDV-Zeitalter geschrieben hatte und der Artikel elektronisch in die Hauptredaktion überführt werden sollte, konnte der Text nicht gespeichert werden. Das System löschte den Artikel. „Das passierte dreimal", erinnert sich Andresen.

Christian Andresen stieg im Mai 1981 als Volontär bei der Zeitung der deutschen Minderheit in Nordschleswig ein. Foto: Karin Riggelsen

Schleswigsche Partei stellte den Bürgermeister

Bis heute unvergessen geblieben ist ihm auch der tragische Fall mit dem sogenannten Haarwaschmörder aus Pattburg/Padborg. Dem Mann wurde wegen des Mordes an einer jungen Deutschen vor dem Landgericht in Sonderburg/Sønderborg der Prozess gemacht.

Politisch beschäftigte sich der junge Lokalredakteur, in dessen Einzugsgebiet die beiden damaligen Kommunen Tingleff und Bau/Bov gehörten, auch mit langen politischen Stadtratsdiskussionen.

Die Schleswigsche Partei (SP) rückte auch in den Mittelpunkt des Geschehens, als SP-Vertreter und Vizebürgermeister Harald Søndergaard vertretungsweise den Bürgermeisterposten übernahm. Die Entscheidung fiel per Los, erinnert sich Andresen.

Vor den Toren Tingleffs aufgewachsen, hatte der junge Lokalredakteur bereits damals ein gutes Netzwerk in Nordschleswig. „Wir waren bei allen Veranstaltungen der Minderheit dabei“, erinnert er sich an die Berichterstattung.

Neue redaktionelle Aufgaben in Kopenhagen

Im Januar 1986 entschloss sich Andresen, seiner späteren Frau, Christa Jørgensen, die in Kopenhagen ein Ingenieurstudium machte, in die Hauptstadt zu folgen.

Der Minderheitendeutsche wurde Redakteur bei „Motor-Magasinet“, einer Fachzeitschrift für die Autobranche. Der Job brachte ihm spannende Arbeitsaufgaben, bei denen er unter anderem Autos testete im In- und Ausland.

Als Christa Jørgensen 1989 in Aalborg angestellt wurde, zog das Paar nach Nordjütland. Dort setzte Christian Andresen seine Studien fort. Im Juli 1990 kehrten die Nordschleswiger zurück in die Heimat, und Christian Andresen übernahm die Apenrader Lokalredaktion des „Nordschleswigers“.

Er ließ sich mit seiner Frau und der neugeborenen Tochter in Rothenkrug/Rødekro nieder. Parallel zur Arbeit bei der Zeitung schloss er 1993 sein Betriebswirtschaftsstudium ab.

In der Vorhalle des Medienhauses in Apenrade steht ein Setzkasten aus der Zeit, als die Zeitung noch in Blei gegossen wurde. Christian Andresen berichtet, dass eine alte „Nordschleswiger"-Setzmaschine für den Bleisatz im Odenseer „Kunstmuseum Brandts" ausgestellt ist. Foto: Karin Riggelsen

Ganzseitenumbruch auf neuen Computern

1993 kam schon die nächste technische Revolution für den „Nordschleswiger“: „Da bekamen wir neue Computer von ,Apple‘ und Ganzseitenumbruch auf dem Schirm.“ Andresen war verantwortlich für die schrittweise Einführung des elektronischen Satz- und Redaktionssystems und teilte seine Arbeitszeit zwischen Lokalredaktion und Technik.

„Das war wirklich eine riesige Umstellung. Da konnten die Redakteure plötzlich nicht nur einzelne Artikel schreiben, sondern auf einer ganzen Zeitungsseite arbeiten. In einem Arbeitsgang wurde geschrieben und layoutet. Danach wurde Korrektur gelesen, und die Fotosatzseite wurde nach Flensburg gefahren“, schildert Andresen den damaligen Arbeitsgang bei der Zeitung.

Der Übermittlungsprozess wurde peu à peu digitalisiert.

Von der Redaktion an die Führungsspitze

Als Verlagsleiter Eckardt Klahn nach zweijähriger Tätigkeit 1995 kündigte, suchte der Deutsche Presseverein, damals mit Nis Peter Hansen, Tingleff, an der Spitze, einen neuen Geschäftsführer.

„Da ich sowieso für die Technik zuständig war und ein abgeschlossenes Betriebswirtschaftsstudium hatte, meinte Matlok, dass ich mich bewerben sollte“, sagt Andresen schmunzelnd.

Andresen übernahm den Posten am 1. Januar 1996:

„Das passte mir gut, ich wollte mich auch gerne in die Richtung, die meinem Studium entspricht, verändern“, sagt Andresen. Der Wechsel von der Lokalredaktion an die Führungsspitze der Zeitung war eine große Umstellung und eine spannende Herausforderung zugleich.

Geschäftsführer Christian Andresen ist „der Mann für alle Fälle" - er leitete auch die Rettungsaktion für das Zeitungsarchiv. Foto: Karin Riggelsen

Zeitungsbände unter Wasser

Eine seiner ersten großen Aufgaben warf bereits am 1. November 1995 seine Schatten voraus. Bei der Sturmflut in Apenrade wurde der Keller des „Nordschleswigers“ an der Schiffbrücke überschwemmt. „All unsere Archivbände, die in den Regalen nicht höher als 1,20 Meter standen, wurden überschwemmt“, sagt Christian Andresen.

Die Kosten für die Wiederherstellung von 80 bis 100 Zeitungsbänden lag bei etwa 100.000 Kronen. Für einen Teil der Ausgaben kam die Versicherungsgesellschaft auf. Die durchnässten Bände waren zunächst in einem Gefrierhaus eingefroren worden, damit sie nicht verfaulten. Später wurden sie nach Ringsted transportiert, um gefriergetrocknet zu werden. Im letzten Arbeitsgang des Projekts half eine Buchbinderfirma mit der Wiederherstellung.

„Ohne die Archivbände würde ein Teil unserer Geschichte fehlen. Es ist die historische Dokumentation über das Leben in Nordschleswig. Ohne die Bände wäre die Dokumentation verschwunden. Die Bände stehen noch immer in unserem Keller. Zwischendurch kommen auch Leute vorbei, weil sie Zugang zu unserem Archiv haben möchten“, sagt Christian Andresen.

Inzwischen ist das Archiv für Jedermann elektronisch zugänglich über www.nordschleswiger.dk

„Ohne die Archivbände würde ein Teil unserer Geschichte fehlen. Es ist die historische Dokumentation über das Leben in Nordschleswig. Ohne die Bände wäre die Dokumentation verschwunden", unterstreicht Geschäftsführer Andresen. Foto: Karin Riggelsen

Jubiläumsfeier: Ein Sprung ins kalte Wasser

An Andresens erstem Tag im neuen Amt verstarb der ehemalige Vorsitzende des Pressevereins, Wilhelm Johannsen. „Da mussten auch einige Sachen geregelt werden“, erinnert sich Andresen.

Einen Monat später, am 2. Februar 1996, wurde das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen des „Nordschleswigers“ in der Aula des Deutschen Gymnasiums gefeiert.

„Der Saal war proppenvoll mit Gästen aus Dänemark und Deutschland. Da gab es wirklich viel zu organisieren. Da wurde man wirklich ins kalte Wasser geworfen, zumal es auch keine Übergangszeit zusammen mit meinem Vorgänger gab“, räumt Andresen ein.

Christian Andresen kennt die EDV des „Nordschleswigers" aus dem Effeff. Foto: Karin Riggelsen

Wartung der Technik ist zeitaufwendig

Die Technik in Gang zu halten und dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter ordentliche Gerätschaften für ihre Arbeit vorfinden, sei, so Andresen, sehr zeitaufwendig. Die EDV habe sich im Laufe der Jahre extrem entwickelt.

Unter der Federführung von Chefredakteur Matlok und Geschäftsführer Andresen ging „Der Nordschleswiger“ 2011 eine wichtige Absprache ein. „Der Nordschleswiger“ konnte sich in das moderne Redaktionssystem des „Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages“ einmieten. Das Layout wurde im August 2011 auf das System „Citrix/NGen“ umgestellt:

„Das haben wir bis zum Ende der Tageszeitung genutzt“, erklärt Christian Andresen.

Neumaßnahmen brachten viel Arbeit

Der Geschäftsführer habe im Vorfeld der damaligen Maßnahmen eine Menge technische Absprachen treffen müssen. Es mussten auch Gelder gesucht werden, um die Umstellung auf den Weg zu bringen. „Wir haben damals beim dänischen Medienverband Fördermittel beantragt“, weiß Andresen.

Die Umstellung lief auch Hand in Hand mit einigen Einsparungen, die Entlassungen mit sich führten. „Insgesamt haben wir sechs Vollzeitstellen eingespart“, sagt Christian Andresen.

Die Dachorganisation der deutschen Minderheit, der Bund Deutscher Nordschleswiger, musste aufgrund von Sparauflagen der Bundesrepublik Deutschland Einsparungen durchführen. „Der Nordschleswiger“ habe durch die Entlassungen wesentlich zur Durchführung des Sparprojekts beigetragen, erinnert sich Andresen.

Das größte Projekt

Für ihn sei die Umstellung auf das Redaktionssystem des „Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags“ eines der größten Projekte beim „Nordschleswiger“ gewesen.

„Es verlief aber relativ schnell und reibungslos. Und wir mussten danach selber keine Server betreiben. Das war auch eine Erleichterung“, sagt Andresen.

Stolz fügt er hinzu, dass die Zeitung in seiner Amtszeit niemals eine Ausgabe aus technischen Gründen verloren hat.

„Wir haben aber manchmal riesige Herausforderungen gehabt und auch kleinere Ausgaben herausgegeben.“

Eine Episode aus der Zeit, wo die Zeitung noch in der Hauptredaktion produziert wurde, ist ihm unvergessen geblieben: Er war nach dem Dienst mit seinen Kindern in Tondern zum Schwimmen gegangen. Als er in die Umkleideräume zurückkam, hatte er einen Anruf auf seinem Handy: In der Hauptredaktion hatte ein/e Mitarbeiter/in versehentlich die Mappe mit der Tagesproduktion gelöscht.

„Ich packte meine Kinder, die damals noch klein waren, ins Auto, um gleich nach Apenrade zu fahren“, so Andresen, dem es gelang, die Produktion zu retten.

„Ein ganz anderes Gebiet“

Der Geschäftsführer ist nicht maßgeblich an der Umstellung zur Web-Zeitung beteiligt.

„Das ist ein ganz anderes Gebiet“, erklärt Andresen und weist darauf hin, dass Chefredakteur Gwyn Nissen, der stellvertretende Chefredakteur Cornelius von Tiedemann und Projektmanager Carsten Werth die treibenden Kräfte bei der Umstellung sind.

Der erste große Schritt dazu wurde mit der Umstellung auf eine neue Homepage getan. „Der Nordschleswiger“ präsentierte sich erstmals online im Jahr 2001. Acht Jahre später trat die Zeitung mit einem neuen Internet-Portal auf. Artikel konnten direkt ins Netz gelegt werden, und „Der Nordschleswiger“ wurde im E-Abo erhältlich.

„Unsere erste Homepage hatten wir bei einem anderen Anbieter. Die beiden Homepages kann man nicht miteinander vergleichen. Die erste Homepage hatte die Funktion, dass wir auch im Netz sichtbar sind. Da hatten wir längst nicht so viele Artikel online. Es war nicht möglich, die komplette Produktion, wie es jetzt der Fall ist, mit dem alten System online zu stellen“, sagt Geschäftsführer Andresen.

Vor allem erreichen wir überhaupt keine jungen Leute.

Christian Andresen, Geschäftsführer

Umstieg fällig mit unter 1.000 Abonnenten

Über die Jahre sei die Anzahl der Abonnenten kontinuierlich zurückgegangen. Auf die Frage, warum das so ist, macht Andresen eine klare Ansage: „Das ist, weil die Leute keine Zeitung mehr lesen und andere Informationsquellen gefunden haben.“

Der Geschäftsführer belegt seine Aussage mit nackten Zahlen. Andresen führte Statistiken über die Zahl der Abonnenten seit Beginn seiner Karriere als Geschäftsführer. Seitdem geht es nur in eine Richtung – nach unten.

„1995 hatten wir knapp unter 3.000 Abonnenten. Die Zahl hat sich Jahr für Jahr verringert“, so Andresen, der hinzufügt, dass „Der Nordschleswiger“ jährlich zwischen 50 und 100 Abonnenten verloren hat.

Andresen: „Neue kommen nicht nach“

„Das ist, weil unsere älteren Abonnenten uns wegsterben. Die jungen Leute, die eigentlich nachkommen sollten, sind keine Zeitungsleser“, sagt Andresen.

Er unterstreicht, dass die Umstellung auf die Web-Zeitung lange absehbar war: „Aber es war nur die Frage, wann ist der richtige Zeitpunkt für den Umstieg gekommen.“

Mit unter 1.000 Abonnenten in Nordschleswig erreiche man, so Andresen, nicht mehr die Minderheit: „Vor allem erreichen wir überhaupt keine jungen Leute.“

Der Geschäftsführer bezeichnet es als logische Konsequenz und Zukunftssicherung, dass die Umstellung auf eine Web-Zeitung erfolgte. Es tue dem „Nordschleswiger“ natürlich leid um die Senioren, die sich nicht in der digitalen Welt bewegen.

„Wir versuchen alles, was wir können, um ihnen beim digitalen Einstieg zu helfen. Aber wir müssen auch akzeptieren, dass es Leser gibt, die leider nicht mitgenommen werden können in die digitale Zeitung“, bedauert Andresen.

Aufgrund der Schutzmaßnahmen wegen der Corona-Pandemie mussten die meisten geplanten Schulungen abgesagt werden. Den Unterricht hofft „Der Nordschleswiger“ nachholen zu können, sobald die Corona-Maßnahmen erleichtert werden.

Verlagsmitarbeiterin Mary Tarp und Geschäftsführer Christian Andresen planen den Vertrieb der 14-täglichen Papierzeitung. Foto: Karin Riggelsen

Wirtschaftliche Leitung und einige „Nebenaufgaben“

Christian Andresen macht darauf aufmerksam, dass „Der Nordschleswiger“ in Vereinbarung mit dem BDN und Verbänden der deutschen Minderheit immer noch eine 14-tägliche Papierzeitung herausgibt. In der Zeitung finden nicht digitale Nordschleswiger einen Auszug der Artikel, die bereits in der Web-Zeitung veröffentlicht wurden.

Im Laufe der Jahre hat Christian Andresen auch einen Teil seiner Aufgaben an den Technischen Leiter Marc Janku abgegeben.

„Marc hat mehr und mehr übernommen. Ich betreue aber nach wie vor die Computer. Der technische Teil, also Internet und Computer, muss laufend aktualisiert werden“, unterstreicht Andresen, der monatlich über Land fährt, um die Lokalredaktionen in Sonderburg, Hadersleben/Haderslev, Tingleff und Tondern zu besuchen.

„Meine Hauptaufgabe ist die wirtschaftliche Leitung“, erzählt Andresen. Er behält neben der Buchhaltung unter anderem den Vertrieb der 14-täglichen Zeitung und die Anzeigenabteilung im Blick.

„Der Nordschleswiger“ habe sich bei der Digitalisierung bedauerlicherweise von jeweils zwei Mitarbeitern in der Anzeigenabteilung und der technischen Abteilung trennen müssen.

Es sei beschlossen worden, dass Anzeigen geschaltet werden können in dem Umfang, wie Platz ist. Die Anzeigengröße sei festgelegt, und „alle Interessierten“ können inserieren. Bislang sei das Interesse aber nicht so groß wie bei der Papierzeitung. Todesanzeigen werden, so Andresen, auch veröffentlicht.

Christian Andresens Hauptaufgabe ist die wirtschaftliche Leitung. Foto: Karin Riggelsen

Neues Medienhaus in Apenrade

Beim Rückblick spricht Andresen auch den Verkauf des Pressehauses in Apenrade an. Im September 2012 wurden die Weichen gestellt für ein neues deutsch-dänisches „Haus der Medien“ in Apenrade.

Der Deutsche Presseverein verkaufte das Gebäude an „Stenbjerg Ejendomme“, ein Teil des Jebsen-Handelskonzerns. Bevor „JydskeVestkysten“, „Aabenraa Ugevavis“, „Skala FM“ und „Der Nordschleswiger“ sich unter einem Dach ansiedeln konnten, waren umfassende Umbaumaßnahmen vonnöten.

Währenddessen zogen die „Nordschleswiger“-Mitarbeiter in das ehemalige Apenrader Rathaus. Christian Andresen sorgte dafür, dass sowohl am vorübergehenden „Außenstandort“ als auch in den neuen Räumlichkeiten alles glattlief mit der Technik.

Auch bei Einrichtung der deutsch-dänischen Medienhäuser in Hadersleben und Sonderburg war der Sachverstand des Geschäftsführers gefragt.

Zusammenarbeit über die Grenze

Im Nachhinein hat das Medienhaus in Apenrade keine große Umwälzung bedeutet für Andresen, denn wirtschaftlich gebe es keine Berührungspunkte, sagt der Geschäftsführer.

Eine Zusammenarbeit mit „Radio Mojn“ hatte „Der Nordschleswiger“ seit 2004. Inzwischen sendet „skala.fm“ die Nachrichten bzw. den Newsletter des „Nordschleswigers“. Die Radiosendungen werden von redaktionellen Mitarbeitern zusammengestellt, der Geschäftsführer stellt die notwendige Technik bereit.

Die ursprüngliche Zusammenarbeit der vier Grenzlandmedien „Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag“, „Flensborg Avis“, „Der Nordschleswiger“ und „JydskeVestkysten“ hatte unter anderem der damalige „Nordschleswiger“-Chefredakteur Siegfried Matlok auf den Weg gebracht.

Gute Zusammenarbeit mit den Chefredakteuren

„Wir sind immer zwei Chefs gewesen beim ,Nordschleswiger‘. Ich habe immer eine gute Zusammenarbeit mit Matlok gehabt. Er war für den redaktionellen Teil verantwortlich. Ich habe die technischen Dinge umgesetzt. Wir haben unsere Arbeitsaufgaben gegenseitig respektiert. Und wir mussten zusammenarbeiten, um unsere Ziele zu erreichen. Ich hatte immer freie Hand. Ich konnte die Leitung so machen, wie ich es für richtig hielt“, unterstreicht Andresen, der die gute Kooperation mit Chefredakteur Gwyn Nissen, der seit 2013 im Amt ist, fortsetzt.

Rentendasein in Sicht

Das Jahr des „silbernen Dienstjubiläums“ wird auch das letzte Jahr, in dem Andresen seines Amtes als Geschäftsführer waltet. Er geht am 31. Dezember in Rente.

„Das ist kein Geheimnis. Ich habe immer gesagt, dass ich das Digitalisierungsprojekt noch begleiten möchte“, sagt Andresen.

Er und seine Frau ließen sich 1993 in Seth (Sæd) nieder. Hier sind die drei Kinder des Ehepaares, Louise, Jacob und Lasse aufgewachsen. Die Söhne studieren inzwischen in Aarhus. Tochter Louise hat dem Ehepaar ein Enkelkind geschenkt, und sie wohnt mit Mann und Tochter in Seth.

Der angehende Rentner ist Kommunalvorsitzender der Schleswigschen Partei (SP) in Tondern. Er nimmt außerdem Posten wahr im Sether „Lokalrat“ und ist Vorsitzender des Hausvereins des deutschen Kindergartens in Jeising/Jejsing. Andresen ist auch Vorstandsmitglied des Volkshochschulvereins Nordschleswig.

„Ich habe mich auf meinen neuen Lebensabschnitt eingestellt und werde bestimmt nicht arbeitslos“, sagt Christian Andresen und lacht.

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