Leserbrief

„Reaktion auf den Artikel: Ein ganz anderes Leben hier“

Reaktion auf den Artikel: Ein ganz anderes Leben hier

Reaktion auf den Artikel: Ein ganz anderes Leben hier

K. Steffens
Apenrade/Aabenraa
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In einem Leserbrief teilt K. Steffens seine Meinung zu den Zuzüglerinnen und Zuzüglern mit, die in Dänemark alles besser finden als in Deutschland. Er weist darauf hin, dass auch in Dänemark nur mit Wasser gekocht wird und nicht alles so toll ist, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Mir ist der Artikel „Ein ganz anderes Leben hier. Alles ist entspannter“ aufgefallen, von denen man zumindest ähnliche Erzählungen in Zukunft des Öfteren antreffen wird. Und davon sind einige Menschen gleich welcher Nationalität mittlerweile auch durchaus genervt. Denn es wird der Realität nicht wirklich gerecht und es fördert nicht unbedingt das Zusammenleben.

Es ist schon einzigartig, dass Menschen, die die Corona-Zeit in Dänemark NICHT erlebt haben, das dänische System über den Quark loben und auf alles Deutsche in ihrer ehemaligen Heimat schimpfen. Nein, wir hatten in der Corona-Zeit ein Haus ausgesucht, eines gekauft und sind auch nach Dänemark gezogen. Und – wir waren kurz davor, das Haus gleich wieder zu verkaufen. Denn die Restriktionen in Dänemark waren so diffus wie in Deutschland.

Man konnte nicht einmal mit Bargeld den Bus bezahlen, um sich ordnungsgemäß bei Siri anzumelden und man bekam auch kein MobilePay für die Busfahrkarte ohne Anmeldung. Beim Grenzübertritt wusste die eine Stelle nicht, was die andere tat. Ich möchte diese Familie einmal hören, wenn sie aufgrund des sinnlosen Grenzstaus am Wochenende keine Besuche mehr aus der deutschen Heimat bekommt. Oder wenn sie ihre Bankgeschäfte ohne MitID nicht mehr erledigen kann, aber zeitgleich keinen Behördentermin für MitID bekommt.

Aber warum ist Dänemark gut durch die Corona-Krise gekommen? Das lag an dem Miteinander, an einer gewissen Staatshörigkeit und an einer hohen Impfbereitschaft. Für die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen in Deutschland hat man in Dänemark eher Kopfschütteln geerntet.

Ich möchte mit diesem Beispiel nicht auf Dänemark schimpfen. Vielmehr aufzeigen, dass auch hier nur mit Wasser gekocht wird. Dass es hier genauso Altersarmut gibt und dass es hier viele Menschen gibt, die mit der Digitalisierung kaum zurechtkommen. Dänen übrigens. Oder dass Menschen allein aufgrund ihres Aussehens, ihrer Hautfarbe an der Grenze kontrolliert werden. Nein, in Deutschland ist nicht alles so toll, wie man es sich vielleicht wünscht. Aber vielleicht ist es auch deswegen nicht so toll, weil man seinen eigenen Beitrag nicht geleistet hat. Sich vielleicht nicht ehrenamtlich engagiert hat. Auch Deutschland lebt eine Gesellschaft von einem Miteinander genauso wie Dänemark.

Wir erleben gerade eine stärkere Zuwanderung von Menschen, welche den Ferienhausurlaub an der dänischen Westküste mit dänischem Alltag verwechseln. Das hat Potenzial, das Miteinander auch der deutschen Minderheit zu sprengen. Denn wir wünschen uns Zuzügler, die nicht vor Deutschland flüchten, sondern sich hier wirklich in das Grenzland einfinden und engagieren wollen. Wir wollen hier keine Zuwanderer mit Grenzen im Kopf. Denn solche werden zeitnah Probleme mit dem dänischen und durchaus restriktiven System bekommen. Und alsbald weiterziehen. Mittlerweile weiß ich, dass man in einem großen Maklerbüro von dieser Klientel schon recht genervt ist. Weil man weiß, dass es unnötige Unruhe stiftet.

Und dass Dänen auch Deutschland durchaus toll finden, zeigt die große Minderheit, die südlich der Grenze lebt und das Gemeinsame der beiden Welten, des gemeinsamen Grenzlandes liebt und sich im Miteinander engagiert.

K. Steffens

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