Kulturkommentar

„Schön verschreiben 9.0“

Schön verschreiben 9.0

Schön verschreiben 9.0

Apenrade/Aabenraa
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Wo gehobelt wird, fallen Späne. Und wo geschrieben wird, fallen immer mal wieder altbekannte Wörter in schöne neue Zusammenhänge – nur weil sie falsch geschrieben wurden. Und schon haben wir eine schöne neue Welt, versichert „Nordschleswiger“-Redakteurin Marlies Wiedenhaupt.

Schöne neue Welt? Das lässt sich nicht auf Anhieb mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine verbinden. Oder doch? Wenn wir etwa schreiben, es sei durchaus möglich, dass ukrainische Soldaten künftig von dänischen Soldaten trainiert werden könnten, vielleicht nicht. Aber wenn wir dem Verteidigungsminister in den Mund legen, das Königreich könne bei der Ausbildung der ukrainischen Streikkräfte eine entscheidende Rolle spielen, dann schon eher.

Vielleicht wollte hier jemand von uns mal wieder an den Spruch aus den Zeiten der Friedensbewegung erinnern, dessen Urheber nicht eindeutig zu sein scheint: „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“ Leider sind nun schon viele hingegangen – und kamen nicht zurück.

Wäre doch zu schön, wenn alle Beteiligten und Betroffenen sich einfach weigern würden, eine Waffe abzufeuern, einen Panzer zu starten oder eine Rakete zu zünden.

Wie viele Menschen könnten sich dann mal wieder daran erinnern, dass es im Leben auch Hygge geben kann. Wie wir kürzlich schrieben, ist das ein eher „universell einsetzbarer Begriff, den man für Situationen verwendet, in denen man sich gemütlich und geboren fühlt“. Eine Welt ohne Krieg – die könnte sich für Tausende Menschen sogar anfühlen wie wiedergeboren.

Aber mit der Einsicht, dass Leben zu kostbar sind, um sie auf einem Schlachtfeld auszulöschen, können wir mit unseren Verschreibern leider nicht dienen. Eine Einigung haben wir bislang nur im Zusammenhang mit Viren und Bakterien erzielt – von denen aus der Luft fast 100 Prozent bei jeder Innenlufteinigung herausgefiltert werden. Und: Die Vereismeisterschaften einer nordschleswigschen Turnerschaft wollen wir natürlich nicht empfehlen, damit die eisige Atmosphäre unter verfeindeten Parteien nicht weiter zur Perfektion gelangt.

Einen eher friedlichen Prozess leiten wir auf ganz andere Weise ein. „Der Nordschleswiger“ hat der TV-Sendung „Germanys Next Topmodel“ kürzlich eine ganz eigene Version an die Seite gestellt: Man könnte sie „Germanys and Danmarks Next Topmodel“ nennen. Denn: Einem bündnisgrünen Bundestagsabgeordneten haben wir im Zusammenhang mit der finanziellen Förderung der deutschen Minderheit durch die Bundesregierung in den Mund gelegt, das deutsch-dänische Grenzlandmodel könne langfristig auch zu einer Lösung des Konfliktes zwischen Russland und der Ukraine beitragen. Ein Hoch auf dieses Model!

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