Leserbrief

„Zur Diskussion über christliche Feiertage“

„Zur Diskussion über christliche Feiertage“

„Zur Diskussion über christliche Feiertage“

Nordschleswig
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Christliche Feiertage entsorgen und mit neuen Inhalten füllen? Mit diesem Standpunkt in seinem Kulturkommentar im „Nordschleswiger“ hat Uffe Iwersen für Gesprächsstoff gesorgt. Im Folgenden jene Leserbriefe, die uns bislang zum Thema erreicht haben.

 

Zum Kulturkommentar von Uffe Iwersen

Am 15. April war im Nordschleswiger ein Kulturkommentar vom Kulturkonsulenten des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Ulf-Mikael Iwersen. Der Kommentar stimmte mich etwas traurig. Die Überschrift war: Es ist Pfingsten und keiner geht hin. Alle christlichen Feiertage sollten abgeschafft werden, na ja einige könnten wir ja behalten, z.B. Weihnachten und der guten Ordnung halber könnten wir auch den Karfreitag behalten.

Ich gebe es zu: Weihnachten ist schön und festlich. Es ist draußen dunkel und drinnen strahlt der Weihnachtsbaum. Die erwartungsvollen Augen der Kleinen leuchten, wenn sie die Geschenke auspacken, während Ältere mit Freudentränen in den Augen diesem wunderbaren Geschehen zuschauen. In Dänemark tanzt man sogar um den Weihnachtsbaum. Dieses wollen wir doch bei Weitem nicht missen, wo es doch ein Fest der Liebe ist.

Aber wie war das denn mit dem Karfreitag? Warum sollen wir denn den Karfreitag bewahren? Alles sieht traurig aus, und die Flaggen wehen auf halbmast. Ich habe es mal so gelernt, dass Ostern das größte Fest in der christlichen Welt ist. Ich gebe zu, dass Ostern leicht im Stress verschwindet. Es ist Frühjahr, die Sonne scheint, das Sommerkorn soll in die Erde gebracht werden, der Garten soll auf Vordermann gebracht werden, und plötzlich ist Ostern gewesen.

Die Ostertage aus christlicher Sicht sind aber wichtig. Es fängt mit dem Gründonnerstag an, wo man sich auf Ostern einstimmen kann, es folgt der Karfreitag mit der Kreuzigung, und dann kommt das große Wunder am Sonntagmorgen.
In einem demokratischen Land, oder in einem Land – wie Grundtvig sagt – „Hvor få har for meget og færre for lidt“ darf man bezüglich der Feiertage tun und lassen, was man will, und das tun auch viele. Sie aber als überflüssig zu bezeichnen ist falsch.
„Es ist aber jetzt Ostern, und man kann hingehen.“ Von meiner Warte aus wünsche ich: Frohe Ostern und schöne Feiertage

H. C. Bock, Apenrade

 

Zum Leserbrief von H. C. Bock und dem Kulturkommentar von Uffe Iwersen

Lieber Herr Bock, herzlichen Dank für Ihren Leserbrief vom 16. April. Auch wir halten die christlichen Feiertage nicht für überflüssig. Wir bitten Sie aber, etwas Nachsicht mit Ulf Mikael Iwersen walten zu lassen.

Uffe ist noch jung und bewirbt sich mit seinen Kulturkommentaren ab und an um eine Erwähnung im Kabarett „Heimatmuseum“. Wir haben tatsächlich schon etwas vorbereitet. Man könnte Uffe natürlich auf seine Funktion als Kulturkonsulent des BDN hinweisen und ihm etwa die Bedeutung des Wortes Kultur erklären, das sich vom lateinischen „cultura“, „Landbau“, „Pflege“ und im übertragen Sinne „Pflege der geistigen Güter“ herleitet.

Im Moment scheint Uffe unter Kultur vor allem „Æ Mannschaft“ und „Freibier“ zu verstehen. Das ist unbenommen ein wichtiger Teil unserer Kultur, und Uffes Horizont wird sich im Laufe der Jahre sicher erweitern.

Aus der Werkstatt des Heimatmuseums: Marion Petersen, Helmuth Petersen, Hauke Wattenberg

 

Leserbrief zum Kulturkommentar am 15. April

In der politischen Diskussion ist (manchmal) Provokation wichtig. Und wer provoziert hat (vermeintlich) sofort recht, und zwar nur deswegen, weil er provoziert. (Längeres) Nachdenken und Bedenken werden durch die reine Meinungsäußerung schnell beiseitegeschoben. Hauptsache, ich habe es endlich mal gesagt, was ich schon immer sagen wollte.

So weit so gut, denn jeder hat ja das Recht, seine freie Meinung zu äußern. Wie gut, dass wir das können. Davon lebt die Demokratie. Und doch, vielleicht sollte man im öffentlichen Diskurs nicht immer alles sofort sagen, was man denkt. Und die sogenannten „Wutbürger“ haben eben nicht recht, nur weil sie laut sind.

„Nun sag, wie hast du's mit der Religion?“, die Gretchenfrage ist so oder ähnlich unzählig wiederholt und gestellt worden. Und zum Glück mag es jeder mit der Religion halten, wie es ihm gerade recht ist.

Das ist seine und ihre private Entscheidung. Dass in der öffentlichen Diskussion über Kirche und Religion schnell und voreilig von schwindendem Verständnis und Mitgliederschwund geredet wird, ist für Kirchenleute manchmal anstrengend. Zumindest sei kurz erwähnt, dass in Äußerungen zur (selbsterdichteten) Lage von Kirche Behauptungen schnell als wahr und nicht hinterfragbar proklamiert werden.

Das Wirken der Kirche in Seelsorge, in Begegnung, in Diakonie, in der Begleitung von Sterbenden, der Notfallseelsorge, der Begleitung von Traupaaren, jungen Eltern u. v. a. wird so mit mit einem Federstrich vergessen gemacht. Noch mal: Auch hier gilt, wenn ich die Gretchenfrage für mich als unrelevant abtue, dann sei dem so. Dann kann mir die Kirche herzlich egal sein.

Vorsicht aber, wenn ich meine Meinung über etwas, von dem ich keine Ahnung habe, als etwas ausgebe, „was sowieso alle denken“. Dass ein Kulturkommentar im NOS aber vom Kulturkonsulenten des BDN, und zwar mit dieser Unterschrift, geschrieben wird, gibt zu denken. Denn sicherlich wird der BDN kaum diese Definition von (Feiertags)Kultur, die so schnell (am Stammtisch?) entstanden ist, teilen.

Die meisten Mitglieder der Kirche(n) in der Minderheit sind auch BDN Mitglieder und werden dem so nicht folgen, wenn sie sich nicht sogar verärgert umdrehen. Und viele Ehrenamtliche setzen sich für ihre Kirche in Nordschleswig fantasievoll ein.
Nebenbei, dass Karfreitag einen Tag der Sinnlosigkeit symbolisiert, tiefes menschliches Leiden thematisiert und nicht auf den hoppelnden Osterhasen vorbereitet, könnte man wissen. (Nichts gegen den Osterhasen!)

Die Gretchenfrage kann nur jeder für sich selbst beantworten, und manchmal kaum dieses. Im beschaulichen Nordschleswig haben wir nichts wesentliches zur Diskussion um Feiertage beizutragen, denn diese wird andernorts entschieden, und ist auch weitaus differenzierter zu führen, als im NOS in einem sogenannten Kulturkommentar.

Allerdings sollen die Ausführungen dort nicht so einfach stehen bleiben, weil sie schlicht weg falsch sind. Nicht die Feiertagsfrage ist zu stellen, allerdings muss die Frage gestellt werden, ob das Amt eines BDN Kulturkoordinators nicht zugunsten offensichtlich sinnvolleren Tätigkeiten eingespart werden kann.

In DSSV und auch im BDN gibt es sicherlich Aufgaben, die seit Jahren nicht gemacht werden können, weil es dort an den entsprechenden Kräften fehlt.

Aber auch hier gilt: Hätte ich geschwiegen… Und ich entschuldige mich sogleich für einen solchen unsachlichen Vorschlag zum Kulturkonsultat des BDN. Denn ich habe natürlich keine Ahnung, was dort an Mehrwert erarbeitet wird. Na ja, außer dass dort „Kulturkommentare“ verfasst werden, in denen alles durcheinander geht.

Matthias Alpen, Lügumkloster

 

Antwort auf den Kulturkommentar von Ulf-Mikael Iwersen am 15. April

Dieser Kommentar hat mir als bewusste Christin zu denken gegeben, besser gesagt: Er hat mich verletzt. Dass kaum noch einer die Bedeutung der christlichen Feiertage kennt, stimmt meines Erachtens nicht.

Als ich vor vielen Jahren aus einer sehr lebendigen Gemeinde in Flensburg, in der neben dem Pastor auch ganz viele Laien aktiv mitwirkten, nach Nordschleswig kam, dachte ich (damals noch ziemlich hochmütig): Hier geht man doch nur zur Kirche, weil man zur deutschen Volksgruppe gehört.

Im Laufe der Jahre habe ich dazu gelernt, weil ich ganz viele gläubige Christen kennen lernen durfte, die mir von ihrem Glauben und ihren Lebenserfahrungen damit erzählt haben. Sie kennen durchaus das Kirchenjahr, reden aber nicht so laut davon, es sei denn, wenn es mal darum geht, ihren Glauben zu bekennen. Und das tun sie, die Christen hier in Nordschleswig und ganz sicherlich auch anderswo!

Auch habe ich viele Menschen erlebt, von denen ich vorher gar nicht gedacht hatte, sie hätten Kenntnis vom oder gar Interesse am Christentum. Sie kommen vielleicht nicht zu den Gottesdiensten, wissen aber durchaus von der Bedeutung von Karfreitag, Ostern und sogar von Pfingsten! Und ich bin mir sicher: Sie halten die christlichen Feiertage auf ihre eigene Weise in Ehren.
Ich wünsche dem Schreiber des Kulturkommentars eine gesegnete Osterzeit in der Freude über den auferstandenen Herrn Jesus Christus!

Ellen Blume, Slotsbanken 4, 6240 Lügumkloster

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