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Pille gegen Übergewicht - Medikament in Dänemark auf dem Vormarsch

Pille gegen Übergewicht - Medikament in Dänemark auf dem Vormarsch

Medikament auf dem Vormarsch: Die Pille gegen Übergewicht

ml/Ritzau
Kopenhagen
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Seit Dezember vergangenen Jahres können fettleibige Menschen mit dem Medikament Wegovy zur Gewichtsabnahme behandelt werden. Foto: Paul Ellis/Ritzau Scanpix

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Eine Spritze gegen Übergewicht erobert seit Dezember den dänischen Markt. Aktuelle Studien zu einem Äquivalent in Tablettenform sind vielversprechend. Aber die Konkurrenz schläft nicht.

Im Dezember vergangenen Jahres hat das dänische Unternehmen Novo Nordisk ein Medikament zur Gewichtsabnahme namens Wegovy auf den Markt gebracht. Es ist als Spritze erhältlich, die einmal pro Woche in den Oberschenkel, Bauch oder Oberarm injiziert wird.

Die Spritze setzt sich seitdem mit rasantem Erfolg zum dominierenden Medikament auf dem Markt durch. Allein im März dieses Jahres lösten rund 38.000 Menschen in Dänemark ihr Rezept ein. Gegenüber dem Vormonat ist das ein Anstieg von 49 Prozent. 

Tablette statt Spritze?

Ähnlich erfolgversprechend ist für Novo Nordisk die Entwicklung eines Äquivalents in Tablettenform, dessen Zulassung das Unternehmen noch in diesem Jahr in der EU und den USA beantragen möchte. Statt wöchentlich per Spritze verabreicht, müssten Patientinnen und Patienten die Tablette täglich einnehmen. Der Wirkstoff (Semagluid) ist derselbe.

Es gibt Tabletten oder Pillen auf dem Markt, die eine gewichtsreduzierende Wirkung haben. Aber nicht in der Größenordnung, die Novo Nordisk angekündigt hat.

Søren Løntoft Hansen, Analyst

Noch wird die Tablette getestet. Sie befindet sich derzeit in der sogenannten Phase-3a-Studie, in der sie an einer großen Gruppe von Patientinnen und Patienten getestet wird. Laut Novo Nordisk habe die Studie bislang ergeben, dass eine Person, die zu Beginn der Studie 105,4 Kilo gewogen hatte, ihr Körpergewicht nach 68-wöchiger Behandlung um durchschnittlich 17,4 Prozent reduzieren konnte. Sprich, sie hat etwas mehr als 18 Kilo abgenommen.

Resultate sind vielversprechend

Søren Løntoft Hansen ist Senioranalyst bei Sydbank und hat sich den Vormarsch von Wegovy genauer angesehen. Die aktuellen Forschungen an dem Medikament in Tablettenform würden den Komfort für Menschen erhöhen, die diese Alternative einer Spritze vorziehen würden, so Hansen.

Novo Nordisk scheint über ein Produkt zu verfügen, das in der Lage sein könnte, die bereits erhältlichen Präparate in ihrer Wirkung zu übertreffen. Wenn man die gewichtsreduzierenden Pillen isoliert betrachte, sei das bahnbrechend: „Es gibt Tabletten oder Pillen auf dem Markt, die eine gewichtsreduzierende Wirkung haben. Aber nicht in der Größenordnung, die Novo Nordisk angekündigt hat“, sagt der Analyst. 

Was kostet das Medikament?

Der Preis von Wegovy in Tablettenform ist noch nicht bekannt gegeben worden. Jedoch zahlen Patientinnen und Patienten je nach Dosis aktuell zwischen 17.000 und 31.000 Kronen pro Jahr. Es gibt dafür keinen Zuschuss von öffentlicher Hand.

Einige wenige Personen, die im privaten dänischen Gesundheitssystem „Sygeforsikring Danmark“ versichert sind, erhalten noch einen Zuschuss von 25 bis 50 Prozent.

Davon profitieren sie jedoch nur noch in diesem Jahr, da Medikamente zur Gewichtsreduzierung aufgrund der hohen Nachfrage ab 1. Januar 2024 nicht mehr generell erstattet werden. 

Ein Produkt mit ähnlichem Effekt, Ozempic, das ebenfalls von Novo Nordisk hergestellt wird, wird Diabetikern verschrieben. Diese zahlen um die 5.000 bis 6.000 Kronen jährlich – nach Abzug des öffentlichen Zuschusses.

Konkurrenz bahnt sich an

Preise von Medikamenten hängen oft vom Angebot ab. Gibt es andere Präparate, drücken diese den Preis für Verbraucherinnen und Verbraucher. Und die Konkurrenz schläft nicht.

Das dänische Biotech-Unternehmen Zealand-Pharma forscht ebenfalls an einem neuen Medikament. In einer Phase-2-Studie verloren die mit dem Medikament behandelten Patientinnen und Patienten bis zu 14,9 Prozent ihres Körpergewichts – jedoch innerhalb von 46 Wochen. 

Kann das Unternehmen diese Ergebnisse in einer Phase-3-Studie beibehalten, könnte das Präparat zum starken Konkurrenten zu dem von Novo Nordisk avancieren, so die Prognose von Analysten. 

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