Energiekrise

Grüner Jubel: Sonne und Wind überholen Gas

Grüner Jubel: Sonne und Wind überholen Gas

Grüner Jubel: Sonne und Wind überholen Gas

Kopenhagen
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Am Montag wurde in Lysabbel auf Südalsen ein neuer Solarpark eröffnet. Foto: Karin Riggelsen

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In der EU ist 2022 erstmals mehr Energie durch Sonne und Wind erzeugt worden als durch Gas. Das zeigt eine Studie der Energie-NGO Ember. Vor allem der Ausbau der Solarenergie hat die Erwartungen übertroffen. Ein Experte spricht von einer „hervorragenden Nachricht“.

Erstmals ist in der EU 2022 mit Wind und Sonne mehr Energie erzeugt worden als mit Erdgas, wie eine Studie der Energie-NGO Ember zeigt.

Demnach kamen 22 Prozent der Energie aus Solar- und Windkraftanlagen, 20 Prozent vom Erdgas. Kohle liegt mit 16 Prozent deutlich abgeschlagen dahinter.

„Das ist eine ganz hervorragende Nachricht. Genau das brauchen wir jetzt und wir brauchen noch mehr davon. Denn die Energiekrise bedeutet, dass der Ausbau der erneuerbaren beschleunigt werden muss“, sagt Bjarke Møller, Direktor des Rates für grünen Umbau (Rådet for grøn Omstilling), dem „Nordschleswiger“.

Solarstrom boomt

Eine rekordhohe Anzahl von Solaranlagen ging im vergangenen Jahr ans Netz. Der Anstieg der Sonnenenergie lag bei 24 Prozent. Dadurch haben die EU-Staaten 10 Milliarden Euro (74,4 Milliarden Kronen) an Ausgaben für Erdgas eingespart.

„Wir beobachten eine bemerkenswerte Beschleunigung des Ausbaus der erneuerbaren Energien“, sagt EU-Klimachef Frans Timmermans dem Magazin „Euractiv“.

Die Niederlande waren 2022 mit 14 Prozent führend beim Solarstrom. Griechenland wird bereits Ende dieses Jahres das für 2030 gesteckte Ziel von 8 Gigawatt (GW) solarer Elektrizitätsversorgung erreichen. In Dänemark kommt fast Zweidrittel des Stroms aus erneuerbaren Quellen.

„Die Entwicklung zeigt, wie schnell der Ausbau gehen kann. Der Anstieg von Strom aus Sonne und Wind hat sämtliche Erwartungen vom Anfang des Jahres 2022 deutlich übertroffen“, so Bjarke Møller.

Kein Comeback der Kohle

Nach Russlands Angriff auf die Ukraine wurden EU-weit 26 Kohlekraftwerke als Reserve aus der Mottenkiste geholt. Das von vielen befürchtete Comeback der Kohle blieb jedoch aus. Der Anteil stieg lediglich um 1,5 Prozentpunkte an, und bereits ab September war die Stromerzeugung mit Kohle wieder rückläufig.  

„Die Schocks von 2022 haben nur eine kleine Welle in der Kohleenergie und eine große Welle der Unterstützung für erneuerbare Energien verursacht“, sagt Dave Jones, Leiter der Datenabteilung von Ember, zu „Euractiv“.

Energiesparen als wichtiges Mittel

Die Energiekrise wurde durch ein trockenes Jahr verschärft. Das bedeutete, dass weniger Strom aus Wasserkraft produziert wurde. Ausfälle bei französischen Atomkraftwerken haben ihres beigetragen. Der Anstieg bei Sonne und Wind hat den größten Teil dieser Rückgänge wettgemacht.

Bjarke Møller ist Direktor des Rates für grünen Umbau. Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

Energieeinsparungen haben ihres dazu beigetragen, dass Europa bislang glimpflich über den Winter gekommen ist. Und diese Entwicklung stimmt Møller auch für den kommenden Winter vorsichtig optimistisch.

„Wenn wir die Entwicklung des vergangenen Jahres fortführen, können wir den größten Teil des Energiebedarfes decken. Wir müssen jedoch in sämtlichen europäischen Ländern noch mehr Energie einsparen“, betont er.

Genehmigungsverfahren beschleunigen

Was die mittelfristige Entwicklung anbelangt, zeigt der Experte sich „sehr optimistisch“.

„Wir stehen am Anfang einer Explosion der erneuerbaren Energien. Sonne und Wind sind die billigsten Energieformen auf dem Markt.“

Wichtig sei jedoch, dass die Genehmigungsverfahren in sämtlichen EU-Staaten beschleunigt werden. Der Anreiz, Solarzellen auf dem eigenen Dach zu installieren, soll größer werden.

Des Weiteren fordert er, die EU solle einen strategischen Investmentfonds zur Entwicklung der nächsten Generation erneuerbarer Technologien und Batterien einrichten.

„Es wird viel zu teuer, wenn das jeder Staat für sich macht. Hier muss die EU an einem Strang ziehen. Private Akteure könnten dann über die Grenzen hinweg die EU-Mittel aufstocken“, schlägt Bjarke Møller vor.

Der Artikel wird am 2.2. um 11 Uhr korrigiert: Der Anteil der erneuerbaren Energien in Dänemark war zur niedrig angegeben. 

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