Energiewende

Vervierfachung der Solaranlagen: Wie soll das gehen, Herr Klimaminister?

Vervierfachung der Solaranlagen: Wie soll das gehen, Herr Klimaminister?

Vervierfachung der Solaranlagen: Wie soll das gehen?

Apenrade/Aabenraa
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Lars Aagaard (Moderate) ist der Klimaminister der SMV-Regierung. Foto: Marle Liebelt

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Die SMV-Regierung will die Flächen mit Solaranlagen an Land vervierfachen. Regionen wie Nordschleswig spielen dabei eine Schlüsselrolle, denn sie haben Platz. „Der Nordschleswiger“ hat den Klimaminister Lars Aagaard gefragt, was er dafür von den Kommunen erwartet – und Kommunen gefragt, was sie benötigen.

Dänemark will die Solar- und Windkraftanlagen an Land bis 2030 vervierfachen. Lars Aagaard (Die Moderaten) soll der Mann dafür sein, und muss dafür auf Dialog setzen.

Dafür wurde der Klimaminister diese Woche in seinem E-Auto in Behrendorf (Bjerndrup) zur Eröffnung des neuesten Solarparks der Kommune Apenrade gefahren.

87.000 Kilowattstunden grünen Strom speisen die Solarmodule, die das Unternehmen „Better Energy“ hier aufgestellt hat, jährlich ins Netz ein. Das sind die Größenordnungen, auf die die Regierung angewiesen ist, soll der Ausbau-Plan aufgehen.

Dem Klimaminister ist bewusst, dass die Ziele ehrgeizig sind. Um sie zu erreichen, müssen Hürden beseitigt werden, die den Prozess von der Idee bis zur aufgestellten Solaranlage zäh machen.

Welche Hürden das konkret sind, kann der Minister noch nicht im Detail sagen. Ein nationaler Energiekrisenstab (NEKST) soll gegründet werden, um ebendiese zu identifizieren und Vorschläge auszuarbeiten, wie sie gemindert oder beseitigt werden können.

Was aber sind die größten Baustellen beim Ausbau der Sonnenenergie? Im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ am Montag in Behrendorf sagt Aagaard: „Das ist zum einen das Stromnetz.“ Die Kommunen könnten noch so gute Arbeit leisten, Projekte an Land ziehen und Genehmigungen erteilen – ohne die nötige Infrastruktur würde all das nicht viel nützen. Durch Apenrade verläuft bereits eine Hochspannungsleitung. Durch Tondern ist eine in der Umsetzung. Die Aufgabe von NEKST wird unter anderem sein, Lücken im Netz zu identifizieren, damit es dort ausgebaut werden kann, wo noch Potenzial für erneuerbare Energien ist.

Eine Aufgabe also, um die sich der Staat kümmern muss.

Was erwarten Sie von den Kommunen?

Zum anderen spielen die Kommunen laut Aagaard eine entscheidende Rolle. „Sie führen den direkten Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern.“ Sprich: Der Staat kann den Rahmen setzen; die Menschen vor Ort ins Boot zu holen ist ein Kraftakt, den die Kommunen leisten müssen.

Dafür haben sie Instrumente, wie die sogenannten „Grünen Pools“, an die Hand bekommen. Dies sind Töpfe, die die Kommunen verwalten. Das Geld kommt unter anderem von den Unternehmen, die die Solaranlagen aufstellen und betreiben. Sie zahlen einmalig 40.000 Kronen pro Megawatt, das aus ihren Anlagen ins Netz eingespeist wird, in diesen Pool ein. Dieses Geld steht der Kommune zur Verfügung, um es in lokale Projekte zu schießen. Das kann alles Mögliche sein: Spielplätze, Vereinsarbeit oder nachhaltige Initiativen in Dörfern. Wichtig ist nur: Es müssen Projekte sein, die die Menschen vor Ort erreichen.

So viel Solarstrom wird in der Kommune Apenrade eingespeist

Die Kommune Apenrade hat Flächen, die direkt an einer Hochspannungsleitung liegen, an denen Solarparks angeschlossen werden können. Wie Bo Riis Duun, Leiter der Abteilung Planung und Entwicklung der Kommune Apenrade, auf Nachfrage mitteilt, produzieren die fünf großen Photovoltaikanlagen in der Kommune rund 370 Megawatt Wechselstrom – auf mehr als 600 Hektar Land.

Darüber hinaus befinden sich noch vier weitere Projekte in der Planungsphase – sprich, sie wurden noch nicht endgültig beschlossen. Zusammengenommen sollen sie auf einer Fläche von mehr als 373 Hektar Fläche weitere 227 Megawatt erzeugen.

Das ist weit mehr, als die Haushalte der Apenrader Bevölkerung jemals in einem Jahr verbrauchen könnten. Allein der nun in Behrendorf eröffnete Solar-Park deckt mit 87.000 Kilowattstunden den Strombedarf von mehr als 90 Prozent der Haushalte in der Kommune.

Und damit wird ein springender Punkt deutlich: Ohne die Gunst der Landbevölkerung, wird das nichts mit der Energiewende. „Das ist also eine der größten Herausforderungen, die die Ausbaupläne birgen“, sagt Lars Aagaard.

Chancen für die Kommunen

Aber er betont auch die Chancen, die für ebendiese entstehen. „Der grüne Wandel birgt ein großes Potenzial zur Stärkung des ländlichen Raums.“ Nicht nur, weil Geld in die Kassen der Kommunen fließt und die Bürgerinnen und Bürger durch Töpfe wie den grünen Pool etwas zurückbekommen: „Mehr Windturbinen, Solarzellen und PtX-Anlagen verleihen dem ländlichen Raum neue Kompetenzen und sorgen so für ein ausgewogenes Dänemark“, so der Minister.

Power-to-X

Power-to-X bezeichnet verschiedene Technologien, um Stromüberschüsse in Zeiten eines (zukünftigen) Überangebotes variabler erneuerbarer Energie wie Solarenergie, Windenergie und Wasserkraft zu speichern oder anderweitig zu nutzen. Ebenfalls üblich sind die Bezeichnungen P2X.

Power-to-X ermöglicht es, in Verbindung mit einer Methanisierung, Kohlenstoffdioxid aus Industrie-Prozessen zu binden. Nach der Umwandlung in Wasserstoff wird die Elektrolyse durch eine Methanisierung ergänzt. Der erzeugte Wasserstoff reagiert mit Kohlendioxid, das Ergebnis sind Erdgas und Wasser.

Auf der Internetseite des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz ist ein Video zu sehen, das Power-to-X erklärt.

Damit geht er auch auf die Frage ein, ob das Narrativ, der ländliche Raum versorge die urbanen Regionen und bekommt nichts zurück, durch die Pläne der Regierung nicht verstärkt würden.

Die Hürden für den Ausbau abzubauen, seien eine unumgängliche Pflichtaufgabe. „Mit dem Krisenstab NEKST werden wir uns auf die regulatorischen und genehmigungsrechtlichen Anforderungen konzentrieren, die erfüllt werden müssen, bevor Solar- und Windenergieanlagen gebaut und an das Netz angeschlossen werden können.“

Welche genau das sein werden, ist noch unklar.

Ideen der Bürgermeister Riber und Popp

In den Kommunen hält man jedoch an wesentlichen Handhabungen der Genehmigungsverfahren fest. Sowohl Apenrades Bürgermeister Jan Riber Jakobsen (Konservative) als auch Tonderns Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei) betonten auf Nachfrage, dass Prozesse, wie das Einspruchsrecht oder Bürgerbefragungen, zwar zäh, aber essenziell seien. „Das sind demokratische Prozesse und für uns wichtige Instrumente, um die Unterstützung der Bevölkerung für solche Projekte zu gewinnen“, so Jan Riber.

Aber welche gesetzlichen Vorgaben könnten den Kommunen helfen, um die Akzeptanz der Bevölkerung nicht zu verlieren?

Jørgen Popp sieht da mehr Chancen in Projekten wie Bürger-Windparks, die auch für Solarparks funktionieren: „Man könnte zum Beispiel beschließen, dass Projekte, die die Bürgerinnen und Bürger beteiligen, Vorrang haben.“

Jan Riber meint: „Ich würde es gut finden, wenn die betreiben Unternehmen nicht einmalig in den Topf für lokale Projekte einzahlen, sondern fortlaufend. Vielleicht ein kleinerer Betrag, dafür aber über mehrere Jahrzehnte und nicht nur, wenn die Anlage ans Netz geht.“ Denn so würden die Dörfer über einen längeren Zeitraum von den Anlagen profitieren, die schließlich auch mehrere Jahrzehnte lang Strom produzieren.

Im Großen und Ganzen läuft der Ausbau der erneuerbaren Energien gut, es seien eher kleine Stellschrauben wie diese, die den Prozess noch vereinfachen könnten. Denn um eine Vervierfachung der Anlagen bis 2030 zu erreichen, müsse die Bevölkerung voll hinter den Projekten stehen.

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