Gesundheit

Warnung vor Sammelwut bei Patientendaten

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Kopenhagen
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Ärzte warnen vor der Registrierung zu vieler Patientendaten. Foto: Morten Stricker/Ritzau Scanpix

Verband Dansk Selskab for Almen Medicin warnt vor Registrierung heikler Diagnosen bis hin zu Angaben über Abtreibungen ohne Wissen der Patienten. In Patientenorganisation sieht Direktor mehr Vor- als Nachteile durch Zentralregister.

Die Vertraulichkeit im Verhältnis zwischen den praktischen Ärzten und ihren Patienten steht auf dem Spiel, wenn der Gesetzesentwurf des Gesundheitsministeriums umgesetzt wird, dass Ärzte auch für die Patienten heikle Gesundheitsdaten einem neuen zentralen Superpatientenregister melden müssen.

Die Zeitung Jyllands-Posten berichtet über entsprechende Befürchtungen im Ärzteverband Dansk Selskab for Almen Medicin (DSAM). Dessen Vorsitzender Anders Beich weist darauf hin, dass der Gesetzesentwurf nicht vorsieht, dass die einzelnen Patienten erfahren, dass diese berührende Diagnosen oder z. B. Angaben zur Einnahme von Medikamenten gegen Depressionen, Infektionen mit Geschlechtskrankheiten oder Abtreibungen ins neue Superregister gemeldet werden.

„Damit wird endgültig das Recht auf Vertraulichkeit und die Schweigepflicht des Arztes aufgehoben“, so der Vorsitzende der DSAM.

In der ärztlichen Vereinigung befürchtet man eine Schwächung des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient und als Konsequenz verschlechterte Behandlungen, wenn Patienten aus Furcht vor Registrierung und Weiterleitung ihnen unangenehmer Daten, wie zu Drogenmissbrauch oder Stresssymptomen solche Dinge gegenüber ihrem Arzt verschweigen.

Alle Mitarbeiter haben Zugang zu allen Daten

Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass alle Mitarbeiter im Gesundheitssystem Zugang zu den Daten haben, was eine Weitergabe an Dritte nicht ausschließt. Unterstützung hatte in allen Folketingsfraktionen erhalten, weil man sich mit dem Zentralregister eine Optimierung der Behandlungen in verschiedenen Bereichen des Gesundheitssystems verspricht, wenn zum Beispiel bei Einlieferung ins Krankenhaus die gesamte „Vorgeschichte“ eines Patienten abgerufen werden kann.

Der Direktor des Verbandes Danske Patienter, Morten Freil, der die Patientenseite vertritt, sieht trotz der Risiken einer Sammelwut bei Patientendaten mehr Vorteile aufgrund der Zentralisierung aller Daten. Letztlich könne man auch tödliche Behandlungsfehler vermeiden, erklärte er gegenüber Jyllands-Posten.

Sorgen macht sich auch der Wissenschaftler am Universitätscenter Roskilde (RUC), Peter Aagaard. Man könne sich in Dänemark nicht gegen die Dateneinsammlung des Staates wehren. Man werde dort wegen fehlender Rechte zur Abweisung einer Datenerfassung schlechter geschützt als bei Google oder Facbook sagte gegenüber der Zeitung.

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