Künstliche Intelligenz

KI-Strategie beim DSSV: „Stecken da noch in den Kinderschuhen“

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Catarina Bartling ist für ein Jahr kommissarische Schulrätin. Bis zum Sommer soll eine Nachfolge gefunden sein.

Der Deutsche Schul- und Sprachverein hat sich ein ambitioniertes Ziel gesteckt. Zum neuen Schuljahr 2025/2026, Mitte August, soll für die 13 Schulen unter dem Dach des DSSV ein Rahmenkonzept für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz stehen. Viele Fragen müssen beantwortet werden. Dabei helfen müssen allerdings externe Expertinnen und Experten, sagt Schulrätin Catarina Bartling.

„Wir müssen zum Beginn des kommenden Schuljahres einen Rahmen haben. Wir müssen wissen, wo es hinläuft.“ Die Schülerinnen und Schüler müssten für die Zukunft ausgestattet werden, sagt Schulrätin Catarina Bartling vom Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) in der Schule.

Deshalb soll es sobald wie möglich eine einheitliche Grundlage zum Umgang mit KI geben, die dann fortlaufend evaluiert werde. „Künstliche Intelligenz ist nicht erst seit heute da. Wir merken, dass es in den Schulen angekommen ist.“ Derzeit gebe es an den 13 Schulen im Bereich des DSSV lediglich Umgangsweisen mit KI, aber kein Rahmenkonzept. „Natürlich gibt es Kolleginnen und Kollegen in den Schulen, die sich damit auseinandersetzen“, sagt Bartling.

Auf externe Hilfe angewiesen

Wir haben natürlich eine Meinung, aber die Grundvorgaben müssen von Experten kommen.

Catarina Bartling

Doch bei der Umsetzung eines Konzeptes ist der DSSV auf externe Hilfe angewiesen. „Wir haben natürlich eine Meinung, aber die Grundvorgaben müssen von Experten kommen“, so Bartling. Die Expertinnen und Experten sitzen in Kopenhagen und Berlin. Am Unterrichtsministerium (undervisningsministeriet) arbeitet eine Gruppe an Empfehlungen für die Bildungsstätten.

Erste Veröffentlichungen vom November 2024 sind allerdings noch sehr vage. Dort heißt es etwa: „Wendet nur generative KI an, wenn es fachlich, didaktisch und pädagogisch Sinn ergibt“ oder „Formuliert eine übergeordnete, gemeinsame Richtung für die Nutzung von KI“.

„Das ist noch sehr allgemein“, sagt Bartling. Das helfe im Prüfungsbereich, aber nicht im allgemeinen Unterricht. „Ich hoffe, dass das noch konkretisiert wird, sonst müsste jede Schule einen eigenen Handlungsplan schreiben.“ Der DSSV möchte aber lieber einen Rahmen vorgeben und eine einheitliche Grundlage für die angeschlossenen Schulen schaffen.

„Es gibt ja auch bei uns unterschiedliche Politiken zum Gebrauch von Handys und Computern“, sagt Bartling. „Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir damit weiterarbeiten und müssen einen übergeordneten Rahmen festlegen.“

Andere Herangehensweise in Deutschland

Helfen könnte da eine Publikation des Bildungsministeriums in Berlin. Die Handreichung für KI im Unterricht hat die Schulrätin bereits an die Schulleiterinnen und Schulleiter weitergegeben.

Die Kriterien zu KI und Netznutzung generell unterscheiden sich jedoch von Dänemark. Deutschland habe sich bei den Grundvoraussetzungen, also der Verfügbarkeit von Technik und Internet in der Schule, zwar herangearbeitet. „In Dänemark wird Künstliche Intelligenz aber mehr als Chance gesehen, die Möglichkeiten bietet“, sagt Bartling. „Wir müssen schauen, welche Möglichkeiten wir haben.“

Das Thema KI wird bei der nächsten Sitzung mit den Schulleiterinnen und Schulleitern im Mai auf der Tagesordnung stehen. Dabei stehen die Punkte Weiterbildung von Lehrkräften und KI im Unterricht auf der Agenda.

Wie soll KI in der Schule zum Lernen genutzt werden? Diese und weitere Fragen möchte der DSSV bis zum Spätsommer klären.

„Nicht alle Lehrer wissen über KI Bescheid und nutzen sie“, sagt Bartling. Hier gebe es aber zahlreiche Angebote zu Fortbildungen auf deutscher und dänischer Seite. „Da müssen Lehrer besser ausgebildet werden.“ Aber auch hier hänge alles von Bestimmungen und Fachanforderungen für einzelne Klassenstufen ab sowie welche Programme und Quellen genutzt werden sollen.

Mit dort rein spielen auch 33 Initiativen, die die Regierung im vergangenen Jahr unter dem Namen „Fagfornyelse“ beschlossen hat. Diese sollen dazu beitragen, die zentral gesteuerten Vorgaben an die Schulen zu reduzieren – also weg vom dänischen Lehrplan. Wie weit das auch beim Thema KI zum Tragen kommt, müsse man abwarten.

Sinnvoll sei der Einsatz von KI im Unterricht laut Bartling ab der 6. Klasse, wenn Schülerinnen und Schüler in der Lage sind, komplexere und tiefgründigere Themen zu bedenken.

Die Schüler sollen das Denken ja nicht einstellen, sondern überdenken, was da rauskommt.

Catarina Bartling

Von KI lernen und nicht Arbeit erledigen lassen

Im Unterricht müsse daher ausgelotet werden, wie in Zukunft sinnvoll mit KI gearbeitet werden soll. „Wie gehen die Schüler damit um, wie stellen sie die richtigen Fragen und wie verwenden sie die Ergebnisse?“

Für Bartling ist wichtig, dass Schülerinnen und Schüler die KI nicht für sich arbeiten lassen. Heute würden sich Grundschülerinnen und Grundschüler Aufsätze schreiben oder Präsentationen durch KI erstellen lassen. Die Lehrkräfte würden es natürlich merken, wenn Künstliche Intelligenz benutzt wird. „Alle Lehrer kennen ja ihre Pappenheimer“, sagt sie.

Ein Punkt auf der Tagesordnung ist daher auch die Quellenarbeit. „Quellenkritik zu üben, ist heute wichtiger denn je. Bei den Antworten der KI werden die Quellen nicht mitgeliefert. Das bietet Manipulationsmöglichkeiten ohne Ende“, sagt die Schulrätin. „Die Schüler sollen das Denken ja nicht einstellen, sondern überdenken, was da rauskommt.“

Es geht in der Schule nicht darum, Dinge zu erledigen, sondern sich Wissen, vor allem kritisches Wissen, anzueignen.

Catarina Bartling

Bartling ergänzt: „Wir müssen wieder dahin kommen, dass die Schüler lernen wollen und nicht lernen, zu betrügen. Es geht in der Schule nicht darum, Dinge zu erledigen, sondern sich Wissen, vor allem kritisches Wissen, anzueignen.“

Der selbstgesteckte Plan ist ambitioniert. Das neue Schuljahr startet Mitte August. Viele Fragen gibt es für den DSSV nun zu beantworten. „Es ist ein Prozess, in dem wir sind. Er steckt in den Kinderschuhen, aber wir fangen jetzt an“, sagt Catarina Bartling.

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