Gesellschaft

Raus aus der Langeweile: Maria holt Events nach Apenrade

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Maria Jeppesen im Konzertsaal des Kulturhauses NygadeHuset: Hier findet ein Teil der Veranstaltungen statt, die sie plant und durchführt.

Wie schafft man es, dem Bevölkerungsrückgang auf dem Land zu begegnen? Diese Herausforderung hat die Leiterin des Veranstalters Aabenraa Live angenommen. Sie hat ihren Fokus auf neue Zielgruppen gerichtet. Damit will sie die Menschen nicht nur unterhalten, sondern auch dafür sorgen, dass die Zahl der Bürgerinnen und Bürger in der Randkommune nicht zurückgeht.

„So wie viele andere junge Menschen hatte ich mich entschlossen, Nordschleswig zu verlassen, um etwas anderes zu erleben und eine Ausbildung zu absolvieren“, erzählt Maria Jeppesen im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Das ist einige Jahre her. Inzwischen ist die 37-Jährige wieder zurück im Landesteil und leitet Aabenraa Live. Aabenraa Live ist ein kommunaler Konzertveranstalter.

Damit ist sie nicht im Trend. Seit Jahren verlieren die Landkommunen Einwohnende. Rund 85.000 waren es in den vergangenen 17 Jahren. In der Hauptstadtkommune und den Stadtkommunen stieg sie dagegen kontinuierlich an, zeigen Zahlen der dänischen Statistikbehörde Danmarks Statistik.

Warum kehren so wenige zurück?

Maria Jeppesen hat beobachtet, dass viele ihrer Altersgenossinnen und -genossen nicht von den Stadtabenteuern zurückkehren, sondern sich anderswo im Land niederlassen. „Die kleinen Städte und ländlichen Gebiete fallen durch das Netz, wenn es darum geht, wo sich die Menschen niederlassen.“ Sie findet das sehr schade. Sie könne jedoch die Beweggründe verstehen.

Das Bild der Heimat hat sich verändert

Sie spricht auch aus eigener Erfahrung: „Ich ging mit dem Gefühl, hier passiert nichts. Hierher soll ich nicht zurück. Es ist langweilig.“ Viele dächten auch heute so, fügt sie hinzu.

Das will Maria Jeppesen ändern. „Meine Agenda ist es, dass die jungen Leute gerne zurückkommen.“ Sie habe es erst zu schätzen gelernt, auf Konzerte zu gehen, als sie in Kopenhagen studierte. Das soll für die neue junge Generation in Apenrade anders werden.

Veranstaltungen für junge Menschen schaffen

Ich ging mit dem Gefühl, hier passiert nichts. Hierher soll ich nicht zurück. Es ist langweilig.

Maria Jeppesen

Die eigenen Erfahrungen – und die ihrer Mitarbeitenden – sind Ausgangspunkt. „Wir überlegen, wie wir es damals empfunden haben und was uns eigentlich fehlte“, erklärt die Haderslebenerin.

Inzwischen gibt es Veranstaltungen, die sich an junge Leute im Alter von 18 bis 25 Jahren richtet. Es gibt Konzerte mit Künstlerinnen und Künstlern, die besonders dem jungen Publikum bekannt sind. Das sei jedoch nicht einfach, solche zu finden, denn „durch die sozialen Medien gibt es sehr schnell neue Musikerinnen und Musiker, die gerne gehört werden und schnell in der Popularität steigen. Das ist für uns jedoch schwierig einzufangen, denn wir planen natürlich langfristiger“, so die Aabenraa-Live-Leiterin.

Jugendliche als Teil des Projekts

Wichtig sei der Einbezug der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, so die Erfahrung des Aabenraa-Live-Teams. „Wir haben eine Jugendgemeinschaft gegründet, die aus Freiwilligen besteht. Die Gruppe namens ,Bars' besteht nur aus Mitgliedern dieser Altersgruppen.“

Von ihnen kämen viele Ideen, was man anbieten könne. Zudem seien sie Botschafterinnen und Botschafter, die die Gleichaltrigen mit zu den Veranstaltungen nähmen. „Wir sehen das Potenzial“, sagt Maria Jeppesen.

Die Hoffnung auf langfristige Wirkung

Sie hoffe, dass ihr Einsatz zukünftig Früchte tragen werde, dass „die jungen Leute so tolle Veranstaltungen erleben, dass sie hoffentlich zurückkehren, wenn sie eine Familie gründen.“ Denn Präferenzen änderten sich mit der Lebenssituation, fügt sie hinzu. Mit den anderen Angeboten, wie gute Ausbildungs- und Freizeitmöglichkeiten, der nahen Natur sowie Wassersportmöglichkeiten, die die Kommune Apenrade bieten kann, die die großen Städte nicht haben, überzeuge das hoffentlich mehr Junge.

Musikangebote für alle Altersgruppen

Sogar für Kinder hat Aabenraa Live inzwischen Veranstaltungen im Programm. So zum Beispiel den Tung Søndag (Schwerer Sonntag), wo Heavy Metal gespielt wird. Umrahmt ist das Konzert mit Gesichtsbemalung und dem Kreieren von thematisch passenden T-Shirts in Zusammenarbeit mit den NygadeHuset.

Junge Menschen als schwierige Zielgruppe

Für die kommerziellen Eventanbieter sind junge Menschen eine Zielgruppe, die sich nicht lohne: „Es ist nicht rentabel genug“, so Jeppesen. Das sei ein Vorteil von Aabenraa Live, das keinen Überschuss erzielen muss. „Wir sind nicht entstanden, um Gewinn zu machen, wir sind entstanden, um das Musikleben zu stärken und den Menschen kulturelle Angebote zu machen“.

Junge Familien nicht vergessen

Daneben gebe es eine weitere Zielgruppe, die oftmals übersehen wird: Es sind die jungen Familien. Auch wenn es schwierig sei, denn die Zeit dieser Altersgruppe ist durch die familiäre Situation stark begrenzt. „Es ist eine Zielgruppe, die uns herausfordert“, fasst Jeppesen zusammen. „Wir versuchen, dass es ein natürlicher Teil ihrer Kultur wird, Konzerte zu besuchen“, so die Pläne für zukünftige Generationen von Apenraderinnen und Apenradern. Für die aktuelle Generation gilt das jedoch noch nicht.

Festival für die ganze Familie

Mit dem Festival Stella Polaris, das in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Knivsberg stattfindet, geht Aabenraa Live diesen Weg, denn das Ein-Tages-Event richtet sich mit der Aufmachung und der Festivalumgebung gezielt an die Zielgruppe junge Familien, die sich dort mit ihren Kindern in gemütlicher Atmosphäre niederlassen und gemeinsam Musik hören können.

„So schaffen wir ein Erlebnis für die Eltern und die Kinder, die so schon früh an das Festivalerlebnis gewöhnt werden“, so Maria Jeppesen. Sie hofft, mit diesen Angeboten dazu beitragen zu können, Menschen zum Bleiben bzw. zum Zurückkehren bewegen zu können.

Aabenraa Live

2022 ist Aabenraa Live von der „Staatlichen Kunststiftung“ (Statens Kunstfond) zum Genre- und Netzwerkveranstalter ausgerufen worden. Damit ist die Einrichtung verpflichtet, breit angelegte musikalische Veranstaltungen, verteilt über die ganze Kommune, anzubieten.

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