Das Wort zum Sonntag

„Zeit für ein dankbares Adieu“

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Axel Bargheer, Pastor der Deutsch Reformierten Kirche in Kopenhagen, schreibt das Wort zum Sonntag.

Na, sind die guten Vorsätze für 2025 schon bereitgelegt? Oder sind die alten von 2024 noch so wenig verbraucht und unbenutzt, dass sie im Neuen Jahr problemlos wiederverwendet werden können?

Ich will mich selbst gar nicht ausnehmen, aber angesichts der vielen Dinge, die wichtig und sinnvoll wären, neigen wir dazu, das Neue Jahr mit unseren Wünschen und neuen Vorhaben zu beladen wie einen alten Gaul. Dabei gibt es doch mindestens genauso viele alte Dinge, die wir zu Ende bringen müssten. Könnte nicht das Jahresende die richtige Zeit sein, sich darüber Gedanken zu machen, was an Altem beendet oder aufgegeben werden sollte, bevor Neues auf die Agenda kommt?

Was belastet uns? Wo haben wir uns verstrickt? Wo klebt uns Altes wie Lehm an den Stiefeln und hindert uns daran, uns befreit zu bewegen und die zu sein, die wir sein könnten? Es gibt Dinge, die wir nicht ändern können. Das darf aber keine Ausrede dafür sein, Dinge nicht zu ändern, die geändert werden sollten – zum Nutzen nicht nur für uns, sondern auch für andere.

Und es gibt Dinge, die zu mir gehören und die ich nicht loslassen möchte, die Dinge, die für mich wertvoll und erhaltenswert sind. Aber seien wir ehrlich, gibt es nicht etliches, was seine Zeit gehabt hat und was zum Ballast geworden ist? Davon Abschied zu nehmen, kann heilsam sein. Und ich kann sie – vielleicht auch mit einem herzlichen und ehrlichen „Danke“ – ruhig und anständig zu einem Ende bringen.

Deshalb: es gibt eine Zeit, Neues anzufangen. Aber es gibt auch eine Zeit, Altes zu beenden und loszulassen, manchmal weil es belastet, manchmal auch einfach, weil es seine Zeit gehabt hat. Manchmal ist das notwendig, um erst den Raum für Neues zu schaffen.

Alles hat seine Zeit, Aufbewahren hat seine Zeit, Wegwerfen hat seine Zeit. Und wenn wir uns nun vom alten Jahr verabschieden, kann das eine Gelegenheit sein, zu überprüfen, ob wir uns nicht auch von anderem verabschieden sollten. Dann, wenn es uns oder anderen das Leben eng macht, auf jeden Fall. Aber auch dann, wenn uns etwas eine Zeit lang durchaus hilfreich begleitet hat, diese Zeit nun aber zu Ende ist – so wie bei einem Adventskalender, wenn das 24. Türchen geöffnet wurde. Dann können wir aufrichtig „Adieu“ sagen und das Leben in Gottes Hand wissen.