Wort zum Sonntag

„Unser Herr Jesus Christus ist auferstanden und Simon erschienen!“

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Was bedeutet die Auferstehung wirklich – damals für die Jünger und heute für uns? In seinem Osterwort teilt Hermann Augustin persönliche Erinnerungen aus seiner Zeit in Nordschleswig und zeigt, wie sich österliche Hoffnung selbst in dunklen Momenten Bahn bricht.

Liebe Nordschleswiger!

Wie hoch erfreut und gleichzeitig zutiefst erschrocken mag damals den elf Jüngern zumute gewesen sein, als ihnen die beiden Emmausjünger diese Meldung überbrachten. Der Auferstandene war ihnen ja direkt unterwegs begegnet. Genauso ist es offensichtlich auch dem Simon Petrus widerfahren, der im Augenblick nicht mit den elf anderen Jüngern zusammen war.

Diese Osterfreude habe ich auch einmal auf ganz besondere Weise erlebt. Von 1963 bis 1973 lebten wir mit unserer Familie in Feldstedt. Ich hatte den Feldstedter Pfarrbezirk pastoral zu betreuen. Als ich damals das erste Mal einer dänischen Beerdigung beiwohnte, wurde ich am Grab während der Beisetzung durch den Segensspruch beim dreimaligen Erdwurf/Jordpaakastelsen österlich erfreut:

„Af Jord er du kommen! Til Jord skal du blive! Af Jorden skal du igjen opstage! Hvil i Fred!“ Aus meiner eigenen Beerdigungspraxis kannte ich nur die anderen Worte: „Erde zur Erde! Asche zur Asche! Staub zum Staube!“ Jetzt merkte ich, dass ich bei diesen Worten mit dem Verstorbenen, der vor mir in seinem Sarg im offenen Grab lag, unter dem Kreuz von Golgatha stehen geblieben war. Der völlig neue österliche Anfang unserer menschlichen Existenz durch Jesu Auferstehung am Ostermorgen kam gar nicht zur Geltung. Mit den dänischen Worten zum dritten Erdwurf strömte durch den Tod hindurch in froher Erwartung die österliche Auferstehungshoffnung.

Diese Entdeckung bewog mich in Zukunft dazu, beim Erdwurf nicht nur von Erde, Staub und Asche zu sprechen, sondern die Hoffnung „Von der Erde sollst du auferstehen!“ unbedingt zu benennen und mit dem Gruß „Friede sei mit dir!“ zu beenden. Dass diese Formulierung auch in unserer deutschen Evangelischen Kirche möglich aber unüblich war, stellte ich dann fest.

Bei weiterem Nachdenken erkannte ich, dass die dreifache Erwähnung „von der Erde, zur Erde“ und wieder „von der Erde“ die ganze Existenz des Menschen schon vor seiner Geburt bis nach seinem Tode beschreibt. Jeder Mensch wird nach Gottes Willen durch eine Frau und einen Mann geschaffen und kann nach seinem Leben auf der Erde in Gottes Ewigkeit noch einmal ganz neu und anders geschaffen werden. Der dreifache nur auf die Erde bezogene Erdwurf bekennt, dass ein Menschenleben immer in Gottes Hand liegt, gleichgültig, ob das Leben nur für zwei Tage oder 50 Jahre oder über 90 Jahre dauerte.

Woher können wir Menschen das wissen? Darauf gibt es nur eine Antwort! Weil wir aus der Geschichte erfahren, dass Gott selbst uns diese Glaubensgewissheit durch die Person Jesus Christus damals zu Weihnachten, Karfreitag und Ostern in einem historischen Zeitraum von gut 35 Jahren vermittelt hat.

Gibt es dafür auch eine Möglichkeit, dass ich als einzelner Mensch mein Leben und Sterben in Gottes Hand legen kann? Wir Christen haben darauf die ganz klare und einfache Antwort, Gottes Hand zu ergreifen, die er uns selbst in der Taufe entgegenstreckt. Der Apostel Paulus hat von Anfang an seine Arbeit darauf ausgerichtet. Denn er schreibt den damals schon getauften Christen in Rom zur Erinnerung: „Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.“

So erinnert uns Christen jetzt das diesjährige Osterfest am 20./21. April ebenso daran, dass wir getauft sind und dass bei allen grauen bis zu dunkelschwarzen Wolken, die seit Wochen weltweit über uns schweben, darüber das helle Licht der Auferstehung kraftvoll die Welt umfängt. Das ewige Licht Gottes durchbricht durch den auferstandenen Jesus Christus auch die dicksten unheilvollen Wolken. Es strahlt in unser persönliches Leben hinein und macht uns hoffnungsvoll zuversichtlich, wo beim Einzelnen dazu die eigenen Kräfte nicht reichen.

Denn die Botschaft der Emmausjünger gilt nicht nur den Jüngern damals, sondern ebenso heute Euch Christen in Nordschleswig und allen darüber hinaus!

Frohe und gesegnete Ostertage,

Dr. Hermann Augustin (geboren 1932 in Bülderup/Lendemark); Propst i. R., wohnhaft in Ratzeburg