Gastkommentar

„Stiller Krieg: Gedanken bewegen Grenzen“

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Ein Beitrag von Peter Asmussen, Vorsitzender des Büchereiwesens in Nordschleswig, und engagiert in der kulturellen Brückenarbeit zwischen Deutschland und Dänemark.

Am 4. Oktober 2025 erinnerte Gerrit Hencke im Nordschleswiger in seinem Leitartikel „Stifte dort Frieden, wo du Frieden stiften kannst“ daran, dass sich die Weltlage spürbar verändert und Konflikte näher an unseren Alltag rücken. Gerade deshalb sei es wichtig, im eigenen Umfeld für Zusammenhalt, Respekt und Zuwendung einzustehen.

Dieser Gedanke hat mich beschäftigt. Denn wir im deutschen Büchereiwesen in Nordschleswig erleben täglich, wie wertvoll ein friedliches und vertrauensvolles Miteinander ist. Unsere Büchereien und unsere Tageszeitung sind Orte des Gesprächs, der Offenheit und des Zuhörens. Sie verbinden uns mit dem deutschen Sprach- und Kulturraum – nicht trennend, sondern verbindend. Dieses kulturelle Hören und Lesen über die Grenze hinweg erweitert Perspektiven und stärkt unser Zusammenleben hier vor Ort.

Vor einiger Zeit hörte ich im Deutschlandradio (DLF) ein Gespräch mit dem Journalisten der FAZ und Theologen Reinhard Bingener in einem Magazin zu Glaubens- und Grundfragen. Dort sprach er über die aktuellen friedensethischen Überlegungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Kontext der sogenannten „Zeitenwende“: Was bedeutet Verantwortung in einer Welt, in der Gewalt wieder als politisches Mittel eingesetzt wird? Wie verteidigen wir Freiheit, ohne das Menschliche zu verlieren?

Bingener vertieft diese Fragen in seinem Buch „Der stille Krieg“ (C.H. Beck Verlag, 2024). Er beschreibt, wie Konflikte heute nicht nur zwischen Staaten entstehen, sondern im Inneren von Gesellschaften: in Sprache, Medien und sozialen Beziehungen. Ein „stiller Krieg“, der nicht mit Waffen beginnt, sondern mit Misstrauen, Spaltung und Entwertung.

Hier treffen sich Bingeners Analyse und Henckes Appell: Wir können die großen Konflikte der Welt nicht sofort lösen. Aber wir können gestalten, wie wir hier miteinander leben. Unser Grenzland hat gelernt, dass Frieden nicht selbstverständlich ist, sondern eine Haltung, die gepflegt werden muss.

Als Büchereien und als Zeitung sind wir Orte, an denen diese Haltung sichtbar wird. Orte, an denen Menschen einander begegnen, lesen, hören und verstehen können. Orte, an denen die deutsche und die dänische Kultur ineinandergreifen.

Deshalb möchte ich das Buch „Der stille Krieg“ in unseren Büchereien empfehlen – nicht, um Sorge zu schüren, sondern um Orientierung zu ermöglichen.

Denn Frieden beginnt dort, wo wir ihn bewusst leben.

Peter Asmussen, Apenrade
Vorsitzender des Büchereiverbandes Nordschleswig
Kandidat für die Schleswigsche Partei bei der Kommunalwahl

 

Gastkommentar
Dieses ist ein Gastkommentar von einer Person, die nicht Teil der Redaktion des „Nordschleswigers” ist. Dieser Text gibt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.