Gastkommentar

„Kriegsschiffe aus Flensburg? Dänische Marine sollte auf Deutschland setzen“

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Ist es wirklich sinnvoll, neue dänische Kriegsschiffe ausschließlich in Dänemark zu bauen? Der Politologe und Historiker Preben Bonnén plädiert in seinem Gastkommentar für die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) als realistische Alternative – im Interesse von Tempo, Versorgungssicherheit und deutsch-dänischer Zusammenarbeit.

Die Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat nicht verschwiegen, dass es dringend notwendig ist, die dänische Verteidigung aufzurüsten, und das in rekordverdächtiger Zeit. Es geht daher darum, große Einkäufe zu tätigen; kaufen, kaufen, kaufen …, wie die Ministerpräsidentin es ausgedrückt hat. Es gibt keine Zeit für Zögern oder Verzögerungen, und das gilt auch für den Bau neuer Kriegsschiffe für die dänische Marine.

Die gleiche Mitteilung war am 22. April dieses Jahres von Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen zu hören: „Die Bedrohungen, denen wir auf See begegnen, sind heute anders und erheblich schwerwiegender als noch vor wenigen Jahren. Insbesondere auf ein bedrohliches Russland müssen wir reagieren, während sich die technologische Entwicklung rasend schnell vollzieht. Mit dem Abkommen über den Flottenplan leiten wir mehrere dringende Beschaffungen ein, die der erste Schritt sind, damit die dänische Marine eine breitere Palette von Bedrohungen abwehren kann.“

Bau in Dänemark – gut gemeint, aber begrenzt realistisch

Im Flottenplan wird festgelegt, dass ein großer Teil der Produktion in Dänemark stattfinden soll, unter anderem in Zusammenarbeit mit NATO-Verbündeten. Daher ist es beabsichtigt, dass zukünftige Beschaffungen die dänische Produktionskapazität stärken sollen, um nicht zuletzt die Geschwindigkeit in Bezug auf Einsatz und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Die Absichtserklärung, dass die Produktion unbedingt in Dänemark stattfinden muss, ist grundsätzlich in Ordnung, aber nicht unbedingt die richtige. Für die Verteidigung einzukaufen – in diesem konkreten Fall Kriegsschiffe für die Marine – ist nicht dasselbe wie in den örtlichen Supermarkt zu gehen.

Die Verteidigung Dänemarks ist etwas ganz anderes und weitaus größer und wichtiger als der Kauf von Milch- und Käseprodukten. Dass Dänemark eine einzigartige Nischenwaffenindustrie hat, ist nicht zu unterschätzen, aber wenn es um den Kauf und den Bau von Kriegsschiffen geht, könnte die dänische "Expertise" und das "Know-how" auf diesem Gebiet sehr begrenzt sein.

Warum nicht die Nachbarn im Süden?

Nichtsdestotrotz haben eine Reihe dänischer Konsortien und Häfen im ganzen Land ihre Angebote unterbreitet, sei es Konsortien mit Esbjerg Hafen als Dreh- und Angelpunkt, Odense Hafen, Frederikshafen Hafen und zuletzt Rødby Hafen, um nur einige der vielen Bieter zu nennen. Alle haben sie schon Vereinbarungen mit Unternehmen und der Waffenindustrie getroffen und sind bereit, die Aufgabe zu übernehmen.

Die große Frage, die sich jedoch unweigerlich aufdrängt, ist, ob es überhaupt zweckmäßig und optimal ist, die wirtschaftlichen Ressourcen auszunutzen, um die Kriegsschiffe der Marine in Dänemark bauen zu lassen?

Südkorea und die baltischen Staaten waren auch kurzzeitig im Gespräch, wurden aber schnell ausgeschlossen, mit Verweis auf die Versorgungssicherheit, was sicherlich ein guter und gültiger Grund ist, weshalb sie nicht in Betracht gezogen werden sollten.

Aber das ändert nichts daran, dass es einen viel besseren und naheliegenderen Kandidaten direkt südlich der dänisch-deutschen Grenze gibt, nämlich die Werft in Flensburg FSG – Flensburger Schiffbau-Gesellschaft, die in diesen Tagen eifrig damit beschäftigt ist, Wartungsarbeiten und Inspektionen an der deutschen Fregatte F212 Karlsruhe durchzuführen, die normalerweise an der Marinebasis in Eckernförde stationiert ist.

Chance für Sicherheit – und politische Partnerschaft

Durch die Vergabe einer oder mehrerer der Aufgaben an die FSG in Flensburg zum Bau ganzer oder Teile neuer Kriegsschiffe für die dänische Marine könnte Dänemark gleichzeitig eine enge Zusammenarbeit mit der deutschen Bundesmarine eingehen, die ebenfalls vor neuen und großen Beschaffungen steht, ebenso wie die Versorgungssicherheit gewährleistet wäre.

Darüber hinaus wird Dänemark immer engere politische Bande zu Deutschland knüpfen können, das bis heute mehr oder weniger nur als ein Handelspartner betrachtet gewesen ist.

Der dänische Kauf der amerikanischen F-35-Abfangjäger war nicht nur, weil sie die besten und fortschrittlichsten ihrer Art sind. Mit dem Kauf amerikanischer Militärtechnik erwarb man sich gleichzeitig auch politischen "Goodwill", das jedoch in letzter Zeit schwer zu erkennen ist.

Deutschland rüstet auf, und innerhalb eines überschaubaren Zeitraums wird die Bundeswehr über die größten konventionellen Streitkräfte Europas verfügen, wenn man den Worten von Bundeskanzler Friedrich Merz Glauben schenken kann. Daher gibt es allen Grund, deutsch zu kaufen und dabei auch deutsches "Goodwill" zu erwerben.

Schließlich könnte eine dänisch-deutsche Zusammenarbeit beim Bau dänischer Kriegsschiffe einerseits zu einer erweiterten Zusammenarbeit beim Bau neuer deutscher Kriegsschiffe einladen, und andererseits Arbeitsplätze für die gesamte Grenzregion schaffen, wodurch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von bloßen Worten zu Taten vertieft werden könnte.

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