Leserbrief

„Habt Geduld. Wir lernen noch“

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Nach einem Video des „Nordschleswigers“ hagelte es Kritik an der Jungen-Spitzen-Kandidatin Anna Lea Leth Schmidt – zu Unrecht, findet Wencke Andresen. In ihrem Leserbrief stellt die Vorsitzende der Jugendpartei klar: Es geht nicht um Altersgrenzen, sondern um mehr Altersvielfalt und Respekt im politischen Miteinander.

Als Vorsitzende der jungen SPitzen ist es mir wichtig klarzustellen, dass wir uns nicht für eine obere Altersgrenze der Stadtratsmitglieder einsetzen und dies auch nicht fordern! Eine 80-jährige Person hat in einem Stadtrat selbstverständlich die gleiche Daseinsberechtigung wie eine 18-jährige Person.

Anna Lea wurde in dem Video nach ihrer politischen „unpopular Opinion“ gefragt, also nach einer Meinung, die unpopulär ist und eventuell Diskussionen auslöst, aber deshalb noch lange keine politische Forderung ist. Es ist im Video offensichtlich zu sehen, dass Anna Lea mit der Frage überrumpelt wird und nach den richtigen Worten sucht. Ihre Antwort wurde das gefundene Fressen für die ewige Suche nach Clickbait-Überschriften. Ohnehin eine komische Frage für ein Interview, wo es um politische Ziele und Visionen gehen sollte. Der aus dem Moment heraus entstandene Satz bedeutet im Kern, dass die meisten Stadträte ein hohes Durchschnittsalter haben, und eben dieses geringer sein sollte.

Dieses Ziel teilen unsere sechs jungen Kandidat*innen und sie kandidieren selbst für ihren jeweiligen Stadtrat, um die Stimme der Jugend in ihrer Kommune präsenter zu machen. Dafür verdienen sie von uns den größten Respekt! Unsere Kandidat*innen setzen sich für eine größere Altersvielfalt in den Stadträten ein, denn die Stimme der Jugend ist in diesen meist unterrepräsentiert.

Dass unsere Kandidat*innen (nicht nur Anna Lea) auf Facebook viele negative Kommentare bezüglich ihrer Kandidatur unter ihren Beiträgen lesen müssen, macht uns sehr traurig. Sie seien „unreif“ und „unerfahren“ und sollen deshalb ihre Kandidatur zurückziehen. Auch mich, als Vorsitzende einer engagierten Jugendorganisation in Nordschleswig, machen diese Kommentare fassungslos. Auch wenn unsere jungen Kandidat*innen nicht das gleiche Ausmaß an Erfahrung mitbringen, wie ihre älteren Mitkandidat*innen, bringen sie doch neue Perspektiven und frische Haltungen auf die politische Tagesordnung. Wie ich schon bei meiner Rede auf dem Knivsbergfest an die ältere Generation appellierte: „Hört zu, was wir Jugendlichen zu sagen haben. Die Stimme der Jugend ist eine wichtige Stimme, denn immerhin sind wir die Zukunft. Habt aber auch Geduld mit uns – immerhin haben wir noch nicht so viel Erfahrung wie viele andere von euch“. Schade, dass dieser Appell so schnell in Vergessenheit geraten ist, wo er doch so wichtig für alle jungen Kandidat*innen und ihre Kandidatur ist.

Wir stehen jetzt und in Zukunft zu 100 % hinter unseren 6 jungen Kandidat*innen und sind stolz auf das, was sie geleistet haben und noch leisten werden.

Wencke Andresen, Vorsitzende der jungen SPitzen

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