Eishockey

„Der Druck ist für Førster am Ende zu groß geworden“

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Anders Førster konnte mit dem soliden Auftritt in Aalborg zufrieden sein.

Nach dem Höhenflug folgte die unsanfte Landung. Anders Førster hat in seinem ersten Cheftrainerjahr alles abgeräumt, ist dann aber mit einem unharmonischen Kader nicht zurechtgekommen. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

Erst wollte er gar nicht Cheftrainer werden, ließ sich aber überreden und übernahm nach der dramatischen Trennung von Mario Simioni bei SønderjyskE das Kommando. Jetzt zahlt er einen hohen Preis dafür.

Anders Førster ist mit Stresssymptomen auf unbestimmte Zeit krankgeschrieben, nicht einmal ein Jahr nach dem ganz großen Triumph. Der 36-Jährige wird in der laufenden Saison wohl kaum zum dänischen Eishockeymeister zurückkehren, es wäre sogar eine Überraschung, wenn er überhaupt wieder in die Cheftrainerrolle schlüpfen würde.

Einzigartiger Triumph eines Neulings

Anders Førster hat 2024 SønderjyskE zur ersten dänischen Meisterschaft seit neun Jahren geführt, nachdem er zuvor schon Pokalsieger geworden war. Für einen Trainer-Neuling ein einzigartiger Triumph, der ihm völlig verdient den Titel als Trainer des Jahres in Dänemark einbrachte.

Zur Geschichte gehört aber auch, dass er eine Mannschaft übernahm, die durch die Spielerrevolte gegen den damaligen Cheftrainer Mario Simioni im Oktober 2023 zu einer eingeschweißten Einheit wurde.

Der Kader der neuen Saison ist zwar nicht auf vielen Positionen verändert, aber dennoch ein ganz anderer. Durch den Weggang der Leitwölfe Villiam Haag und Patrick Galbraith ist die Hierarchie in der Mannschaft durcheinandergewirbelt worden.

Kein harmonischer Kader

Es ist deutlich zu erkennen, dass es kein harmonischer Kader ist, der für SønderjyskE aufs Eis geht. Es wird nicht an einem Strang gezogen. An diesem Kader scheint sich Anders Førster die Zähne ausgebissen zu haben.

Es fehlte vielleicht ein wenig die Erfahrung, um mit dieser Situation umzugehen. Der 36-Jährige hat nach seinem Karriereende lediglich zwei Jahre als Co-Trainer von Mario Simioni Erfahrungen sammeln können. Da würde das eine oder andere Werkzeug mehr im Werkzeugkasten guttun, um das Potenzial dieses Kaders auszuschöpfen.

Der Druck hat mit der sportlichen Talfahrt zugenommen und ist am Ende für Førster zu groß geworden.

Die Spieler stehen in der Pflicht

Der amtierende Meister ist in der laufenden Saison weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben und auf den achten und vorletzten Tabellenplatz abgerutscht. Die Spieler stehen jetzt in der Pflicht, müssen zusammenrücken und sich steigern.

Vom Potenzial her gehört diese Mannschaft in die Top 4 der dänischen Liga. Die Frage ist, ob der noch jüngere Casper Stockfisch (29), der ebenfalls noch keine Cheftrainer-Erfahrung hat, mit diesem nicht einfachen Kader besser zurechtkommt? Oder ob SønderjyskE nicht erst bis zur neuen Saison wartet und sich gleich nach einem Cheftrainer umsieht?

Für Anders Førster bleibt zu hoffen, dass er schnell wieder gesund wird und vielleicht wieder in seine alte Rolle als Co-Trainer zu SønderjyskE zurückkehrt.