Eishockey

„Bei Meister SønderjyskE fehlen Harmonie, Hierarchie und Disziplin“

Veröffentlicht Geändert
Cheftrainer Anders Førster steht vor der großen Aufgabe, eine Einheit zu formen.

Die Einheit aus der Double-Saison ist weg, die Leitwölfe fehlen, und es ziehen nicht alle an einem Strang. Spieler für Spieler sind die Hellblauen keineswegs schlechter als in der Vorsaison, doch diese SønderjyskE-Mannschaft macht nicht den Eindruck, dass man um Titel mitspielen kann. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

Der 8:2-Kantersieg am vergangenen Dienstag gegen das abgeschlagene und mutlose Tabellenschlusslicht Rødovre ändert nichts daran, dass der dänische Meister in der Krise steckt. Die Eishockeyspieler von SønderjyskE haben mit der 1:4-Heimpleite gegen die Odense Bulldogs den nächsten Rückschlag erlitten und seit der Qualifikation fürs Pokal-Final-Four lediglich zehn Punkte aus zehn Spielen geholt.

Meisterschaften sind noch nie im Dezember entschieden worden, aber derzeit ist es nur schwer vorstellbar, dass SønderjyskE für eine Titelverteidigung infrage kommt. Aktuell fehlt sogar die Qualität für die Top 4, die seit Jahren das Ziel für die reguläre Saison ist.

Der Meister ist auf den fünften Tabellenplatz abgerutscht und hat weitere Verfolger im Nacken, die vorbeirauschen werden, wenn sich diese Mannschaft nicht bald findet.

SønderjyskE rutschte auch gegen Odense aus.

Es fehlten gegen Odense sechs Stammspieler. Sicherlich ein Teil der Erklärung für die nachlassende Kraft im Schlussdrittel, dies darf aber nicht als Entschuldigung gelten. Es stehen immer noch viele gute Namen auf dem Spielberichtsbogen, doch zu viele der Topleute sind über die gesamte Saison gesehen weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, auch was die Disziplin betrifft.

Das Bemühen war gegen Odense da, die ersten beiden Drittel gut, aber unterm Strich ist es schlichtweg zu wenig, was aufs Eis gebracht wird. Ein Joseph Jonsson ist nur ein Schatten von dem, was ihn in seiner Herlev-Zeit zu einem der begehrtesten Spieler der Liga machte. Ein Alexander Wiklund war als neuer Leitwolf eingekauft worden, konnte bislang aber nicht in die Fußstapfen von Villiam Haag treten.

Der Weggang von Kapitän Haag und auch das Karriereende des langjährigen Nationaltorwarts Patrick Galbraith haben an der Hierarchie in der Mannschaft gerüttelt. Noch scheint es bei SønderjyskE nicht zu passen.

Ratlosigkeit bei Oskar Drugge, Gustav Nielsen und David Madsen.

Von außen betrachtet hat es nicht den Anschein, dass dies eine durch und durch harmonische Mannschaft ist. Es fehlen Führungskräfte, die die Richtung angeben. Eine Richtung, die auch von allen angenommen wird. Es ziehen nicht alle an einem Strang.

Cheftrainer Anders Førster konnte in der vergangenen Saison offenbar gar nichts falsch machen, hatte ein goldenes Händchen und wurde nach dem Double verdient zum Trainer des Jahres in Dänemark gekürt. Vergessen darf man aber nicht, dass er eine Mannschaft hatte, die nach der Spielerrevolte gegen Mario Simioni zu einem unschlagbaren Kollektiv zusammengeschweißt wurde.

Die Welt sieht mittlerweile anders aus. Anders Førster und sein Co-Trainer Casper Stockfisch stehen vor einer großen Herausforderung, aus dieser Gruppe von Spielern wieder eine Einheit zu formen, bevor es zu spät ist.

Joseph Jonsson hat die Erwartungen noch nicht erfüllen können.

SønderjyskE wird derzeit in der Tabelle durchgereicht und hat den Anschluss zur Tabellenspitze bereits verloren. Eine SønderjyskE-Mannschaft in dieser Verfassung hat im Titelkampf nichts zu melden, auch nicht im Kampf um den Pokaltitel im Januar in eigener Arena.

SønderjyskE – Odense Bulldogs (1:1,0:0,0:3) 1:4

0:1 Kristian Jensen (1:49), 1:1 Alexander Wiklund (2:22/Ass.: William Boysen, Oskar Drugge), 1:2 Kristian Jensen (41:25), 1:3 Markus Jensen (44:34), 1:4 Filips Buncis (52:50).

Zeitstrafen: SE 5×2 – Odense 3×2 Minuten. Schiedsrichter: Martin Theiltoft Christensen/Thomas Buchardt Andersen. Zuschauer: 2.576.