Leserinnenbrief

„Wir sind zuerst Menschen, Kandidaten erst danach“

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Dorthe Andresen
Dorthe Andresen

Der Wahlkampf ist in vollem Gange. Und der raue Ton auf Facebook hat zugenommen, findet Dorthe Andresen, Stadtrats-Kandidatin der SP für Apenrade.

Der Wahlkampf ist in vollem Gange. Der raue Ton auf Facebook hat zugenommen, und die Kommentare, denen ich und andere Kandidaten begegnen, sind oft grob, abwertend und teilweise sogar hasserfüllt.

Ich habe Nachrichten erhalten, in denen ich als Landesverräterin, verrückt und mit anderen Schimpfwörtern bezeichnet wurde. Manche schreiben sogar, ich sollte mich schämen, überhaupt zu kandidieren. Andere benutzen rassistische und erniedrigende Ausdrücke für Menschen, die sie nicht einmal kennen.

Ich will ehrlich sein: Es trifft mich. Wenn man sich politisch engagiert, dann tut man es, weil man daran glaubt, etwas bewirken zu können. Mit so massiven Angriffen konfrontiert zu werden, kann einen durchaus dazu bringen, sich zu fragen, ob es das überhaupt wert ist. Gleichzeitig weckt es in mir aber auch eine noch stärkere Motivation, weiterzumachen – um zu beweisen, dass ich sehr wohl Teil der öffentlichen Debatte sein kann, trotz meines Alters, und vor allem, um Ergebnisse in der Kommune Apenrade zu schaffen!

Mitten in all den „rohen" Debatten und Kommentaren vergessen viele eines: Auf der anderen Seite des Bildschirms sitzt ein Mensch. Ein Mensch mit Familie, Gefühlen und dem ehrlichen Wunsch, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Ein Mensch, der nicht nur ein Kandidat auf einem Plakat oder ein Name auf einem Wahlzettel ist. Wenn man schreibt, jemand solle sich schämen oder gehöre nicht nach Dänemark, dann sind das nicht einfach nur Worte auf einem Bildschirm – es sind Worte, die einen echten Menschen treffen.

Ich finde nicht, dass wir immer einer Meinung sein müssen. Im Gegenteil: Uneinigkeit ist eine Stärke der Demokratie. Aber es ist ein Unterschied, ob man anderer Meinung ist oder ob man andere Menschen herabwürdigt. Wenn der Ton so grob wird, schrecken wir nicht nur Menschen davon ab, an der Debatte teilzunehmen – wir riskieren auch, dass engagierte Menschen gar nicht erst in die Politik gehen. Und dann verliert die Demokratie.

Deshalb hoffe ich, dass wir alle – Kandidaten, Bürger, Wähler – uns daran erinnern, dass wir zuerst Menschen sind. Lassen Sie uns über Ideen, Haltungen und Lösungen diskutieren, aber mit Respekt. Nur so können wir eine Gesellschaft schaffen, in der alle Stimmen Platz haben – auch die, mit denen wir nicht übereinstimmen.

Dorthe Andresen, Stadevej 18, Tingleff

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