Kommunalwahl 2025

Österreicher ist jüngster Kandidat der Wahl in Hadersleben

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Finn Hoschtaleks politisches Steckenpferd ist der öffentliche Personennahverkehr.

Finn Hoschtalek kandidiert für die Einheitsliste. Mit 18 ist der gebürtige Österreicher der jüngste Kandidat der Wahl in der Domstadtkommune – und auch landesweit einer der jüngsten. Für die SP tritt er nicht an: Seine Werte, sagt er, „liegen woanders“. In seinem Dorf sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht – ungestört, denn Busse fahren dort keine. Finn will das ändern.

„Sehr braun, dunkelbraun.“ So beschreibt Finn Hoschtalek die politische Stimmung in seinem Heimatland. Geboren in Wien, später aufgewachsen nahe der österreichischen Hauptstadt, erlebt er in dem Land seiner Geburt einen Rechtsruck – erst als Beobachter, später als politisch Denkender. Seine Großeltern haben den Krieg erlebt, der Großvater unfreiwillig an der Front. Das prägt, sagt der junge Mann, der am 8. November volljährig geworden ist.

Wiener Blut – klare Kante

Als die Familie nach Dänemark zieht, ist Finn 14. Zwei Jahre lang besucht er die Deutsche Schule Hadersleben. Heute geht er auf das Technische Gymnasium EUC in Hadersleben. Er kandidiert nicht für die Partei der deutschen Minderheit, sondern geht für die Haderslebener Einheitsliste ins Wahlrennen.

Nicht auf Linie mit der SP

Mit der Schleswigschen Partei (SP) habe er kein Problem. Im Gegenteil, sagt Finn: „Ich kenne viele dort, verstehe mich gut mit ihnen, aber meine Werte liegen woanders.“

Konkret? „Ich bin Sozialist. Ich finde gut, dass die Schleswigsche Partei grüne Themen setzt; im Kern aber ist sie eine blaue Partei.“ Bei der Einheitsliste fühlt er sich gut aufgehoben – wegen des Programms: sozial, links, antikapitalistisch.

Kein Bus ins „Nirgendwo“

An der SP findet Finn Hoschtalek gut, dass sie grüne Themen setzt. Ansonsten bevorzuge er die Einheitsliste: „Ich bin Sozialist.“

Finns zentrales Thema: Mobilität. Genauer gesagt: die Immobilität. Er wohnt auf dem flachen Land unweit von Ösby (Øsby). Dahin verirrt sich kein Bus. Flextrafik? „Gibt’s bei uns nicht. Ich habe es wiederholt versucht.“ 

Finn wünscht sich Investitionen in den Alltag der Menschen, statt Prestigeobjekte. Als Beispiel nennt er den neuen schwimmenden Turm im ebenfalls neuen Klimapark: „Ein Häuschen auf dem Wasser, keiner weiß warum. Das Geld hätte man besser ausgeben können.“

Politik: „Zu wichtig, um sie nur alten Männern zu überlassen“

Das schwimmende Häuschen ist das neueste Bauwerk im Haderslebener Klimapark. Das Geld dafür hätte man besser ausgeben können, meint Finn Hoschtalek.

Allein dass er als 18-Jähriger kandidiert, macht ihn zu einer Ausnahme – in einer Altersgruppe, die sich eher für Insta interessiert als für Lokalpolitik. „Aber sitzen nur alte Männer im Kommunalrat, entscheiden sie auch entsprechend.“

Der Jungpolitiker wünscht sich mehr Vielfalt. Zum Beispiel in der Schule: Politikunterricht, der sich mit Demokratie vor Ort beschäftigt, nicht nur mit Systemkunde.

Ein Jahr noch, dann hat Finn das Abi mit Fokus auf Physik und Mathematik in der Tasche. Danach zieht es ihn wahrscheinlich nach Kopenhagen – zum Studium an der Technischen Universität, Fachrichtung Computer Engineering. 

Mit Rückenwind ins gemachte Nest

Dass die Einheitsliste in der dänischen Hauptstadt gerade politisch Rückenwind hat, ist für Finn perfektes Timing: „Vielleicht kann ich mich ja dann ins gemachte linke Bett legen“, sagt er und lacht. „Ganz ohne Kampf wird’s wohl nicht gehen, aber träumen darf man ja.“