Fussball

Der etwas andere Profi ist über viele Umwege ans Ziel gelangt

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Simon Wæver im Haderslebener Idrætscenter, wo er nicht nur dem Training mit der Superliga-Mannschaft nachgeht, sondern auch einer Mentorrolle für die Akademiefußballerinnen des HFK.

Fußball ist nicht alles im Leben von Simon Wæver. Ein Masterabschluss in den USA war ihm zunächst wichtiger als die Profikarriere. Erst mit 29 Jahren kam der Spätzünder zu seinem Superliga-Debüt. Der Sønderjyske-Kicker spricht im „Nordschleswiger“-Interview auch darüber, was ihm die Rolle als Mentor für talentierte Fußballerinnen bringt.

Simon Wæver ist nicht wie die meisten Fußballer. Der Sønderjyske-Spieler hat in seinem Leben andere Prioritäten gesetzt und ist erst spät ans Ziel gelangt, nach mehreren Umwegen. 

„Es ist die ganze Zeit mein Ziel gewesen, auf dem höchsten Niveau zu spielen. Darauf habe ich immer hingearbeitet, aber bei mir hat es eben länger gedauert“, sagt Simon Wæver zum „Nordschleswiger“.

Fast zwei Jahre außer Gefecht

Der Traum von der Superliga drohte zu platzen, bevor er verwirklicht wurde. Eine Fußverletzung setzte ihn fast zwei Jahre lang außer Gefecht, und die meisten hatten ihn schon abgeschrieben, als er sich im Sommer zurückmeldete und im Juli im Alter von 29 Jahren zu seinem Superliga-Debüt kam.

„In mentaler Hinsicht war es nicht leicht, damit umzugehen“, so der Rechtsverteidiger, der im Sommer 2023 von Zweitdivisionär B93 zu Sønderjyske kam und die ersten neun Spiele in der 1. Division von Beginn an absolvierte, bevor er sich beim Training eine Fußverletzung zuzog und operiert werden musste.

„Es ist nicht leicht, in Worte zu fassen, was da alles passiert ist. Ich hatte einfach viel Pech. Für einen Fußballer bedeutet es viel, in einem guten Rhythmus zu bleiben, und wenn man erst in einen schlechten Zyklus kommt, ist es schwer, wieder zurückzufinden. Ich hatte aber nicht den Gedanken aufzugeben, denn ich war endlich dort angekommen, wo ich hinwollte“, sagt Simon Wæver.

Simon Wæver hat in der laufenden Saison 13 Superliga-Spiele für Sønderjyske absolviert.

Derzeit hat er sich in der formstarken Sønderjyske-Mannschaft auf der Rechtsverteidigerposition festgebissen, spielt aber selten mehr als eine Stunde.

Fast vier Jahre College-Fußball in den USA

„Das liegt zum einen an der Physis, zum anderen an der starken Mannschaft, die wir derzeit haben. Ich bin von der Fitness her nicht mehr weit weg von den 100 Prozent. Ich kann noch zulegen, aber es reicht, um dabeisein zu können“, so der 29-Jährige, der in der bevorstehenden Winterpause körperlich weiter zulegen will.

Sønderjyske geht als Top-6-Mannschaft in die Winterpause, vielleicht sogar als Tabellenvierter, wenn es den Hellblauen am Sonntag ab 18 Uhr im Kopenhagener „Parken“ gelingen sollte, den FC København zu schlagen. Für Wæver ist es das erste Mal im Nationalstadion, das er ständig im Hintergrund hatte, wenn er seine Heimspiele für B93 im benachbarten Østerbro Stadion absolvierte.

„Ich freue mich darauf. Ich habe noch nie im ,Parken' gespielt und hatte bis zum Sommer auch noch kein Superliga-Spiel gemacht. Ich wusste, dass es für mich erst später kommen würde, weil ich anfangs priorisiert habe, nebenher zu studieren“, erzählt Simon Wæver, der von Mitte 2016 bis Anfang 2020 in den USA studierte und hier einen Master in „Digital Innovation Management“ machte. 

Simon Wæver im Gespräch mit Schiedsrichter Mikkel Redder.

Nebenbei spielte er bei der University of Evansville und später bei der Indiana University Fußball.

Training in der MLS

„Das war eine lustige und spezielle Erfahrung. Der Fußball dort war sehr von der Athletik und weniger von der Taktik geprägt. Ich bin zur Indiana University gewechselt, um bessere Chancen zu haben, gedraftet zu werden. Ich habe auch bei Toronto FC mittrainiert, habe aber keinen Vertrag bekommen und bin heimgekehrt“, sagt Simon Wæver, der danach für B93 in der 2. Division spielte, unter dem jetzigen Sønderjyske-Trainergespann Thomas Nørgaard/Lasse Frølund.

Seit Sommer 2023 ist er oft im Haderslebener „Idrætscenter“ zu finden, auch wenn er nicht seinen Verpflichtungen als Fußball-Profi nachgeht. Seit gut einem Jahr hat er auch eine Mentorrolle für die Akademiefußballerinnen des HFK.

Das ist eine andere Rolle als die, die ich im Alltag habe, und sie gibt mir Energie. Es ist einfach toll, jungen, ambitionierten Fußballerinnen zu helfen, die das höchste Niveau erreichen wollen

Simon Wæver über seine Mentorrolle

Mentorrolle gibt Energie

„Wenn es in unseren Plan passt, meistens einmal in der Woche, helfe ich beim Krafttraining, spreche mit den Spielerinnen, wenn sie Fragen haben, wie man Profi wird und wie man als Profi lebt. Und natürlich auch, wie man mit Verletzungen umgeht. Da habe ich ja reichlich Erfahrung“, so der Sønderjyske-Kicker.

„Ich genieße es sehr. Es ist schwer, in Worte zu fassen, was ich daran so mag. Das ist eine andere Rolle als die, die ich im Alltag habe, und sie gibt mir Energie. Es ist einfach toll, jungen, ambitionierten Fußballerinnen zu helfen, die das höchste Niveau erreichen wollen“, sagt Simon Wæver.