Grenzland

Teure Mieten und marode Infrastruktur: Wie geht es für Niebüll weiter?

Veröffentlicht Geändert
Die Stadt Niebüll steht vor großen Herausforderungen. Bürgermeister Thomas Uerschels nimmt im Interview Stellung und erklärt, welches Thema ihm besonders Bauchschmerzen bereitet.

Wohnungsbau, Infrastruktur und medizinische Versorgung stehen auch 2026 im Fokus. Niebüll investiert rund 20 Millionen Euro – und macht gleichzeitig neue Schulden. Bürgermeister Thomas Uerschels erklärt im Interview, warum.

Auch im kommenden Jahr wird die Stadt Niebüll vor großen Herausforderungen stehen. Es mangelt an bezahlbarem Wohnraum und Ärzten. Dazu sind Straßen und Abwasserleitungen teilweise marode. Wir haben Bürgermeister Thomas Uerschels getroffen, um mit ihm einen Blick auf die kommenden Aufgaben zu werfen.

Herr Uerschels, was sind Ihre drei wichtigsten Ziele für das nächste Jahr?

Das ist schwer, weil wir so ein breites Spektrum haben. Erstens: Investition in die Infrastruktur bei gleichzeitiger finanzieller Leistungsfähigkeit. Zweitens: die medizinische Versorgung. Wir haben zwar neue OPs und ein MRT im Krankenhaus, aber die haus- und fachärztliche Versorgung bereitet mir Kopfschmerzen. Wir brauchen ein Konzept für die nächsten fünf Jahre, bevor noch mehr Ärzte in Rente gehen.

Stichwort Fachärzte: Es gab mal vier Frauenärzte in Niebüll, jetzt sind es noch zwei. Wie dramatisch ist die Lage?

Wir haben ein totales Ungleichgewicht. Nicht jeder kann für eine Untersuchung nach Flensburg oder Kiel fahren. Wir als Stadt versuchen da zu unterstützen, wo wir können, auch wenn das eigentlich gar nicht unsere Aufgabe ist – so wie wir es auch bei den Kinderärzten gemacht haben.

Und das dritte Ziel?

Die Gewerbeansiedlung und die Zusammenarbeit mit Klixbüll und Risum-Lindholm. Wir haben im Norden einen Standort, der in Schleswig-Holstein einmalig ist, besonders im Wasserstoffbereich. Wir wollen offiziell Mittelzentrum werden. Faktisch sind wir es schon durch unsere Schulen, Sportvereine und die Infrastruktur, aber uns fehlen noch die nötigen Einwohnerzahlen.

Mehr Einwohner brauchen auch bezahlbaren Wohnraum. Aber es wird viel teurer Wohnraum gebaut, oder?

Ja, und das ist ein Problem. Wir brauchen Mietwohnraum. Ein Investor sagte mir neulich, er mache keinen geförderten Wohnungsbau – damit war die Sache für mich erledigt. Wir brauchen Quartiere, in denen man nicht 17 oder 18 Euro kalt für den Quadratmeter zahlt. Das kann sich kaum jemand leisten. Wir planen als Stadt Gebiete mit gefördertem Wohnraum, um den Druck vom Markt zu nehmen.

Apropos Investitionen – die kosten viel Geld. Wie ist die Stadt finanziell aufgestellt?

Wir investieren massiv, das stimmt. Allein in drei Bauvorhaben fließen 20 Millionen Euro. Dafür steigen die Kredite – wir mussten letztes Jahr fünf und dieses Jahr sechs Millionen aufnehmen. Das ist nicht schön, aber was ist die Alternative? Wenn ich jetzt nicht investiere, hinterlasse ich der nächsten Generation eine marode Infrastruktur, die später noch teurer wird. Wir haben das Glück, dass wir viel über die Städtebauförderung abwickeln können, da bekommen wir bis zu zwei Drittel der Kosten erstattet.

Auch bei den Straßen muss einiges saniert werden, zum Beispiel Berliner Ring, da sind auch die Abwasserleitungen reparaturbedürftig. Die Kanalisation ist in die Jahre gekommen, dafür müssen wir Geld in die Hand nehmen. Gleichzeitig müssen wir gucken, dass wir unsere freiwilligen Leistungen für Vereine und Institutionen stemmen können. Da gilt es, einen Spagat zu machen.

Auch das Rathaus selbst ist bald fällig, oder?

Das Gebäude ist jetzt 40 Jahre alt. In der Regel hält ein Verwaltungsgebäude 50 Jahre. Die Technik, die Lüftung, die Heizung – das muss alles gemacht werden. Wir fangen jetzt klein an: Die Begegnungsstätte bekommt einen barrierefreien Zugang und die Bücherei endlich ein ordentliches WC.

Zu den großen Bauprojekten gehört auch die Omega-Brücke, die über den Bahnübergang an der Gather Landstraße führen soll. Der Beginn des Baus hat sich erneut verzögert. Warum dauern solche Projekte so lange?

Weil wir an gesetzliche Vorgaben gebunden sind. Bei der Brücke sind wir zudem fremdgesteuert durch das Eisenbahn-Bundesamt. Ich kann denen tausendmal sagen, dass es schneller gehen muss. Wir sind aber eben nur eines von tausend anderen Projekten. Das ist ein 50-Millionen-Euro-Projekt. Es muss erst mal schlechter werden, bevor es besser werden kann. Das tut mir leid für die Bürger, aber ich habe keinen Einfluss auf die Planungsgeschwindigkeit der Bahn oder des Bundes.

Gibt es für das neue Jahr ein Versprechen an die Bürger?

Mit Versprechen tue ich mich schwer, weil so viele externe Faktoren reinspielen. Was ich aber versprechen kann: Ich habe immer ein offenes Ohr. Wenn mich jemand auf der Straße anspricht, höre ich mir die Anliegen an und versuche sie zu lösen.