Energie und Klima

Fernwärme: Investieren, um ein mehrfaches Plus zu erhalten

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Morten Hartmann, Direktor von Haderslev Fjernvarme

Hadersleben hat eine neue Wärmepumpenanlage, die Fernwärmekunden mit heißem Wasser versorgen soll. Die Idee hinter der Anlage: Man steckt zwar Energie hinein, bekommt aber mehr zurück. Das Ziel: Das Einsparen von Kohlendioxid und kostengünstige Wärmeproduktion.

Es ist ein wenig so wie in der Finanzwelt, wenn es gut läuft: Man investiert Geld, um ein Plus zu bekommen. In der neuen Wärmepumpenanlage im Industriegebiet Langkær ist es so ähnlich, nur dass das Plus größer ist als normalerweise in der Finanzwelt. „Wir stecken einen Teil hinein und erhalten dafür zwei hinzu“, erklärt Morten Hartmann, Direktor von Haderslev Fjernvarme, am Freitagvormittag, vor der feierlichen Einweihung der neuen Wärmepumpenanlage.

Verdampfen und komprimieren ergibt Fernwärme

Was die Anlage benötigt, ist Elektrizität – gern aus Wind und Sonne produziert. Im Industriegebiet Langkær wird folgendes Prinzip angewendet: Flüssiges Kohlendioxid verdampft und entzieht beim Verdampfen der Umgebung Wärme, dann verdichten strombetriebene Kompressoren das Gas wieder. Es entsteht Wärme. Über einen Wärmetauscher wird Wasser erhitzt, mit dem die Fernwärmekunden ihre klammen Stuben aufwärmen können – wenn die Testphase der Anlage abgeschlossen ist. Laut Morten Hartmann soll das Ende Januar der Fall sein.

Am Eingang der Halle liegt eine große Tüte mit Ohrstöpseln bereit für diejenigen, die einen Blick auf die Technik werfen möchten. Die Kompressoren verrichten ihre Arbeit, es ist laut.

Grüner Strom macht Anlage zum CO₂-Einsparer

„Wir haben insgesamt fünf Anlagen, die unabhängig voneinander arbeiten können, erklärt der Direktor vor dem Gang in die Halle. Weht der Wind und lacht die Sonne, ist der Strom günstig – zum Vorteil der Wärmeproduktion mittels des flüssigen Kohlendioxids.

Einen Speicher für das heiße Wasser gibt es auch, und der ist nicht zu übersehen. Gut 20 Meter misst der gut isolierte Turm. Das Wasser drin ist geschichtet – das heißeste oben mit 95 Grad, das kältere unten. 2.000 Haushalte kann die Wärmepumpe versorgen. Aber es gibt auch noch einen „sehr großen elektrischen Boiler“, wie Hartmann erklärt. Somit können rund 4.000 Haushalte versorgt werden – also mehr als die 3.000 neuen Kunden, über die sich Haderslev Fjernvarme freuen kann.

Rund 20 Meter ist der Warmwasserspeicher hoch. Ein Bad ist indes nicht zu empfehlen. Im obersten Abschnitt liegt die Temperatur bei bis zu 95 Grad.

Erdgas soll verdrängt werden

Das alles hat einen Grund: „Ziel ist, das Erdgas aus der Wärmeproduktion zu verdrängen“, so Hartmann. Mit dem russischen Angriffskrieg habe der Bau der Anlage nicht direkt etwas zu tun, so Hartmann, der Anstieg des Gaspreises infolge des Krieges habe dann aber die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens noch einmal verstärkt.

Mads Skau (Venstre), Bürgermeister der Kommune Hadersleben, erinnerte bei der Eröffnung an das Ziel der Kommune 2050 klimaneutral zu sein. Er nutzte die Gelegenheit, den Bürgerinnen und Bürgern für ihre Geduld zu danken. „Die Bauarbeiten würden Lärm erzeugen und das tägliche Leben erschweren, das sei der Kommune klar.

Bürgermeister Mads Skau hatte die Ehre, die Anlage einzuweihen. Bis Ende Januar läuft sie im Testbetrieb.

Die CO₂-Produktion in der Kommune müsse gesenkt werden. Deshalb, so Hartmann, sei geplant, die Wärmeproduktion über den Brennstoff Holzhackschnitzel herunterzufahren – auf die Hälfte. Denn auch Holz produziert beim Verbrennen Kohlendioxid.

Gut 200 Millionen Kronen hat die Anlage dem Direktor zufolge gekostet, inklusive Fernwärmeleitungen und Stromkabel.