Deutsche Minderheit

Mehr als nur Musik: Das Folkbaltica-Ensemble vereint das Grenzland

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Harald Haugaard ist künstlerischer Leiter des Folkbaltica-Festivals und verkörpert die Energie, die das Ensemble auf der Bühne entstehen lässt.

Grenzenlose Stimmung: Im Folkbaltica-Ensemble treffen junge Musizierende auf künstlerische Freiheit, kulturellen Austausch und ansteckende Bühnenenergie. Zwei Musikerinnen und Leiter Harald Haugaard geben Einblick in ein Projekt, das Musik zur gemeinsamen Sprache macht.

In Tondern liegt Musik in der Luft – sie schallt aus allen Ecken der Stadt. Wir befinden uns wieder im Sommer. Gitarren, Schlagzeug und Keyboards prägen die Atmosphäre. Fernab vom Trubel des Tønder Festivals probt gerade das Folkbaltica-Ensemble in der Kulturschule in Tondern – für seinen Auftritt in einem der großen Festivalzelte, aber auch für die Herbstkonzerte diesen November. Mit dabei: Lucie Miede und Sofie Kurowski.

„Die Konzerte sind immer echte Erlebnisse – für das Ensemble genauso, wie für das Publikum“, erzählt Lucie. Sie lebt in Tondern und spielt mittlerweile seit zwei Jahren im Jugendensemble Querflöte.

Auch Sofie, Schülerin am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN), lebt für die Musik. Sie spielt Geige, singt zudem und ist bereits seit vier Jahren Teil des Ensembles. Ihre Begeisterung ist trotzdem ungebrochen: „Die Stimmung auf der Bühne ist so besonders – da macht das Singen und Geigespielen noch mehr Spaß als ohnehin schon.“

Musik mit Gefühl

Sofie Kurowski (links) und Lucie Miede (rechts) voller Euphorie nach ihrem Auftritt bei dem diesjährigen Tønder Festival

„Ich liebe diese Freiheit beim Spielen. Bei klassischer Musik zum Beispiel ist alles sehr strikt. Man muss genau zählen und exakt spielen – alles muss genau so sein, wie es vorgegeben ist“, erklärt Lucie. Folk hingegen sei mehr wie ein Gefühl: „Selbst wenn man viel variiert, funktioniert es trotzdem noch sehr gut.“

Sofie schätzt vor allem das intuitive Musizieren: „Ich spiele viel nach Gehör. Dadurch bin ich nicht so auf Noten angewiesen. Zum Üben muss ich mir die Stücke oft nur anhören – das kann ich im Bus auf dem Weg zur Schule machen oder beim Erledigen der Hausaufgaben. Auch dass ich während des Spielens auf der Bühne tanzen kann, finde ich super.“

Später performt sie auf der Bühne des Festivalzelts ihren eigens komponierten Song für das Ensemble und bekommt dafür tosenden Applaus.

Ein Projekt mit Vision

Sofie entwickelte bereits mit drei Jahren große Freude an dem Klang einer Geige.

Dass das Folkbaltica heute ein solch lebendiges Projekt ist, verdankt es vor allem seinem künstlerischen Leiter: Harald Haugaard. Der Geiger und Komponist ist seit 2013 die zentrale Figur hinter dem gleichnamigen Festival. Er hat die Vision, junge Musizierende der deutsch-dänischen Grenzregion nicht nur musikalisch zu fördern, sondern auch kulturell zu verbinden.

„Ich bin selbst mit traditioneller Musik aufgewachsen“, erzählt Haugaard. Die Idee, ein Jugendorchester zu gründen, kam ihm, um die Musik der Region lebendig zu halten und einen grenzüberschreitenden Raum für Begegnung zu schaffen. In seinem Ensemble treffen sich Jugendliche, aus der Mehrheit und Minderheit, die Dänisch, Deutsch und Englisch sprechen – doch laut Harald ist das nebensächlich: „Vor allem sprechen sie Musik.“

Was wie ein einfacher Satz klingt, ist das Herzstück des Projekts. Musik wird hier zur gemeinsamen Sprache – auch dann, wenn Worte fehlen. Jedes Jahr werden neue Themen für das Festival entwickelt, eigene Stücke komponiert und bekannte Melodien neu arrangiert. „Wir schreiben ganz viel für das Ensemble“, erzählt er stolz.

Auch für Harald sind die Auftritte des Folkbaltica-Ensembles immer wieder ein emotionaler Höhepunkt: „Die Energie kommt nicht nur von der Musik, sondern auch aus der Stimmung im Ensemble. Aber auch das Publikum trägt viel dazu bei. Es ist so schön zu sehen, wie sich die Leute freuen, mitmachen und tanzen. Das wirkt sich auch so positiv auf die Stimmung auf der Bühne und letztendlich auch auf die Performance aus.“

Harald Haugaard bedankt sich für den tosenden Applaus und die tolle Stimmung im Publikum.

Für die Herbstkonzerte vom 21. bis 23. November in Flensburg, Husum und Gravenstein (Gråsten) gibt es bereits Tickets.

Auch beim diesjährigen Auftritt auf dem Tønder Festival sorgten viele Fans für tolle Stimmung und ein volles Zelt.

Herbstkonzerte des Ensembles

Der Bund Deutscher Nordschleswiger ist Förderer des Folkbaltica. Das gleichnamige Festival öffnet im kommenden Jahr vom 2. bis 10. Mai seine Bühnen.

 

21.11.2025 in Flensburg

22.11.2025 in Husum

23.11.2025 in Gravenstein