Deutsche Minderheit

Arbeit, Kuchen und Minderheit – Johanne und Marie bei ihrem ersten Deutschen Tag

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Für Johanne (rechts) und Marie findet der Deutsche Tag hauptsächlich zwischen Suppe und Kuchen statt.

Zwei Schülerinnen der Deutschen Nachschule Tingleff haben beim Deutschen Tag tatkräftig mit angepackt und dabei das erste Mal einen genaueren Einblick in die Minderheit bekommen. Wie ihre Eindrücke über den Tag hinweg waren.

„Ich wusste gar nicht, dass es so etwas wie den Deutschen Tag gibt“, sagt Marie, die sich gerade auf den Ansturm bei der traditionellen Suppe vorbereitet. Zusammen mit ihrer Mitschülerin Johanne ist sie dafür verantwortlich, dass alle Gäste mit Essen und Trinken versorgt werden.

Die beiden konnten sich aussuchen, ob und wo sie beim Deutschen Tag mithelfen wollen. So sind auch einige ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler dafür verantwortlich, die Besuchenden auf dem provisorischen Parkplatz einzuweisen.

Seit Mitte August sind Johanne und Marie in Tingleff (Tinglev). In den etwa drei Monaten in Nordschleswig bot sich für die beiden noch nicht die Möglichkeit, die deutsche Minderheit genauer kennenzulernen.

Zwischen Suppenkelle und Smalltalk

Hier füllt Marie dem Ex-Bürgermeister und Venstre-Spitzenkandidaten Thomas Andresen den Teller.

„Gerade bekomme ich nicht so viel von der Veranstaltung mit, aber wenn es etwas ruhiger ist, ändert sich das bestimmt“, erzählt Marie, während sie den nächsten Teller mit Suppe befüllt. Die hungrigen Mägen der Gäste wollen gefüllt werden.

Bei Nachfragen zu den Suppen kommen die beiden Schülerinnen jedoch an ihre Grenzen – gerade auf Deutsch. „Ich verstehe mehr Deutsch, als dass ich es spreche“, schildert Johanne mit einem leichten Lachen. Bevor es sie im Sommer an die Nachschule gebracht hatte, lebte sie in der Nähe von Århus. Nach ihrem Jahr in Tingleff wird sie wieder in ihre Heimat zurückkehren.

Nachdem alle versorgt sind, heißt es für die beiden schnell abbauen und sich einen Überblick verschaffen, wie die Lage auf den Tischen aussieht. Benötigt noch jemand ein Wasser oder stehen irgendwo leere Teller? Johanne und Marie, und die anderen Schülerinnen und Schüler der Nachschule sind bestimmten Tischen zugewiesen, damit kein Chaos entsteht. 

Von Suppe zur Sahnetorte

Es zeigt sich, dass Marie bereits Erfahrung in der Gastronomie bei einem früheren Job sammeln konnte.

Während des Programms heißt es für die 16-Jährigen Pause machen. Jetzt haben auch sie die Möglichkeit, die von ihnen ausgeschenkte Suppe einmal zu probieren. In der Zwischenzeit müssen sie sich aber auch schon auf die folgende Kaffeetafel vorbereiten. In einer Umkleidekabine der Sporthalle stehen unzählige Kaffeekannen bereit und die Torten, die zum Deutschen Tag einfach dazugehören, sind auch schon ausgepackt.

„Ich hoffe, dass ich nichts fallen lasse“, sagt Johanne mit etwas ängstlicher Stimme. Ihre Angst bewahrheitet sich aber nicht. Auf jedem Tisch landen mehrere Torten und genauso viele Kannen Kaffee.

Ein weiterer Punkt des arbeitsintensiven Deutschen Tags ist abgehakt. Auch nach der Kaffeetafel heißt es wieder restliche Torten und Kannen einsammeln, einlagern und schauen, ob noch jemand irgendetwas benötigt.

Müde, aber zufrieden

Für das Auf- und Abräumen der Tische sowie das Dekorieren des Saals bekommen die Schülerinnen und Schüler eine kleine Bezahlung.

Nach dem Abschluss des Festprogramms geht der Tag auch für Johanne und Marie in die letzten Züge. Die Gäste verlassen die Halle und gleichzeitig beginnt das große Aufräumen. Die Tische, die bereits am Vortag mühevoll dekoriert wurden, werden jetzt in Windeseile abgedeckt. Wasserflaschen werden eingesammelt und nicht benutztes Geschirr gestapelt. 

„Von den Reden haben wir nichts mitbekommen, aber ich konnte trotzdem ein paar Unterhaltungen führen und die Menschen hier kennenlernen“, stellt Johanne abschließend fest.

Der Deutsche Tag geht also für die Schülerinnen nicht nur mit Arbeit, sondern auch mit einigen neuen Eindrücken zu Ende.