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Strandsegelverbot: Dänischer Meister hofft nach Schock auf Lösung

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Rasmus Tromborg-Hviid hat am weiten Süderstrand auf Röm unzählige Stunden verbracht, doch seit Kurzem ist damit Schluss. Ein Verbot setzt dem Strandsegelsport abrupt ein Ende.

Dänemark ist bekannt für seine weiten Sandstrände und perfekten Bedingungen für das Strandsegeln. Doch ein plötzliches Verbot hat die Szene erschüttert. Rasmus Tromborg-Hviid, dreifacher dänischer Kitebuggy-Meister, steht vor einer ungewissen Zukunft. Er spricht über seine Enttäuschung, die Konsequenzen des Verbots und mögliche Lösungen.

Rasmus Tromborg-Hviid aus Gramm (Gram) kann es kaum fassen: Seine große Leidenschaft, das Kitebuggyfahren (eine Sonderform des Strandsegelns), wurde von einem Tag auf den anderen von der Polizei für Südjütland und Nordschleswig massiv eingeschränkt.

„Als ich davon erfahren habe, war das ein Schock. Ich war frustriert, wütend und nahe dran, meine gesamte Ausrüstung zu verkaufen, weil ich keinen Ausweg gesehen habe. Doch mittlerweile denke ich, dass es eine Lösung geben muss – wenn die richtige Aufmerksamkeit und die richtigen Personen involviert sind“, sagt der dreifache dänische Kitebuggy-Meister dem „Nordschleswiger“.

Sicherheitsbedenken als Begründung

Die Polizei hat das Verbot am 28. Februar verkündet und erklärt, dass die Maßnahme auf Hinweise der staatlichen Verkehrsbehörde zurückgeht, wonach an Stränden die Straßenverkehrsordnung gilt. Fahrzeuge müssen hier bestimmten Vorschriften entsprechen. Da Strandsegler und Kitebuggys als „Spielzeuge“ gelten, sind sie nicht mehr zugelassen.

Das Verbot betrifft Strandsegler (Fahrzeuge mit drei Rädern und einem großen Segel, die ausschließlich durch Windkraft bewegt werden), Blokarts (kompakte Strandsegler mit einem kleineren Segel) und Kitebuggys (dreirädrige Gefährte, die nicht durch ein festes Segel, sondern durch einen steuerbaren Lenkdrachen angetrieben werden).

Wir haben zwei der besten Strände der Welt für diesen Sport, auf Röm und Fanø, und nun wird uns das genommen... Unsere Community nimmt Rücksicht, kümmert sich umeinander und sorgt für Sicherheit.

Rasmus Tromborg-Hviid

„Strandsegler und Kitebuggys erreichen hohe Geschwindigkeiten. Auf öffentlichen Stränden mit Fußgängerinnen und Fußgängern sowie Radfahrenden kann das zu gefährlichen Situationen führen“, begründet Polizist Steen Silberg Thomsen die Entscheidung mit den Sicherheitsrisiken.

Bürokratie gefährdet Wettersport

„Wir haben zwei der besten Strände der Welt für diesen Sport, auf Röm und Fanø, und nun wird uns das genommen. Dass dieses Verbot ohne Vorwarnung kommt und ohne Gespräche über Alternativen, verstehe ich nicht“, meint Dänemark-Meister Tromborg-Hviid. „Unsere Community nimmt Rücksicht, kümmert sich umeinander und sorgt für Sicherheit. Da habe ich nie einen anderen Eindruck gehabt.“

Ganz verboten wird der Sport nicht – für Veranstaltungen wie Meisterschaften kann künftig noch eine Genehmigung beantragt werden.

Rasmus Tromborg-Hviid ist Vorstandsmitglied im Dansk Parakart Klub, der Strandsegel-Wettkämpfe organisiert und sowohl neue als auch erfahrene Sportlerinnen und Sportler unterstützt.

„Eine zunehmende Bürokratisierung könnte bedeuten, dass wir für jede Trainingseinheit eine Genehmigung beantragen und Trainingsareale abgrenzen müssen. Dabei ist unser Sport extrem wettersensibel – es bringt nichts, eine Erlaubnis für in zwei Wochen zu beantragen, wenn das Wetter dann ungeeignet ist“, kritisiert Tromborg-Hviid.

Er fordert eine pragmatische Lösung: „Mehr Beschilderung und Informationen über das Windsportgebiet könnten helfen. So könnte ein festgelegtes Areal deutlicher gekennzeichnet und gleichzeitig erhalten bleiben.“

Tromborg-Hviid lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Gramm, verbringt jedoch mehr als 50 Tage im Jahr am Süderstrand (Sønderstrand) auf Röm (Rømø).

Rasmus Tromborg-Hviid fährt seit Jahren mit seinen beiden Töchtern zum Süderstrand auf Röm, doch das Verbot der Polizei gefährdet dieses Ritual – beide sind auch selbst Kitebuggyfahrerinnen.

„Bislang sind wir fast jedes Wochenende an den Strand gefahren – das war unsere gemeinsame Familienzeit. Jetzt bleibt mir nur die Möglichkeit, zweieinhalb Stunden nach Deutschland zu fahren, um dort zu trainieren. Wenn keine andere Lösung gefunden wird, könnte das für mich bedeuten, dass ich den Sport aufgeben oder zumindest stark einschränken muss.“

Verlust für den Tourismus

Das Verbot trifft nicht nur die Sportlerinnen und Sportler, sondern auch die Tourismusbranche. Jedes Jahr reisen internationale Gäste an, um auf den Stränden ihrem Hobby nachzugehen.

„Viele buchen ihre Sommerhäuser nur wegen des Buggyfahrens und Strandsegelns. Jetzt sagen sie, dass sie stattdessen in andere Länder reisen“, berichtet Tromborg-Hviid. Auch Schulen, die Anfänger in den Sport einführen, stehen vor dem Aus.

Colin John Seymour, Direktor des Touristikvereins Röm-Tondern, sieht das Verbot ebenfalls kritisch. „Sollte es bestehen bleiben, wird es das touristische Angebot erheblich schwächen. Eigentümer von Campingplätzen und Ferienhausvermietende sind bereits beunruhigt“, schreibt er auf Facebook.

Am Süderstrand auf Röm wurden bereits die Pfähle entfernt, die zuvor als Markierung des Windsportareals galten. Jetzt zeigt ein großes Schild, dass die Nutzung windbetriebener Fahrzeuge verboten ist.

Politische Rückendeckung für eine Lösung

Trotz des Polizeiverbots gebe es dem Tourismusdirektor zufolge aber Hoffnung für den Erhalt des Sports, denn die Empörung über das Verbot hat auch die Politik auf den Plan gerufen.

„Es ist erfreulich, dass es eine parteiübergreifende politische Unterstützung gibt. Jetzt muss ein konstruktiver Dialog mit den zuständigen Ministerien stattfinden“, sagt Seymour. Er schlägt eine Übergangsregelung vor: „Die Behörden sollten den Sport eine Saison lang beobachten und dann über Anpassungen entscheiden – statt ihn abrupt zu verbieten.“

Wie geht es weiter?

Noch ist unklar, ob das Verbot gelockert oder angepasst wird. Die Behörden prüfen verschiedene Möglichkeiten. Ohne eine Einigung droht das Ende des Strandsegelns in Dänemark, doch auch Tromborg-Hviid sieht Licht am Ende des Tunnels: „Mein Optimismus war zwischenzeitlich verschwunden, aber ich sehe, dass viele Menschen bereit sind, für unseren Sport zu kämpfen. Vielleicht wird die neue Lösung nicht so sein, wie wir es gewohnt waren, aber starke Kräfte stehen hinter uns. Ich hoffe, dass alle Beteiligten eine tragfähige Lösung finden.“

Auch die Polizei sucht nach einer Lösung

Am Freitag teilte die Polizei für Südjütland und Nordschleswig in einer Pressemitteilung mit, dass sie versuchen werde, praktikable Lösungen im Rahmen der aktuellen Gesetzgebung zu erarbeiten. Ziel sei es, das Strandsegeln weiterhin zu ermöglichen, dabei aber Sicherheitsvorgaben und die Interessen anderer Strandnutzender zu berücksichtigen. Die Polizei werde den Dialog mit allen Beteiligten fortsetzen.

Hintergründe zum Verbot:

Ein Bürger oder eine Bürgerin wandte sich an die Polizei für Südjütland und Nordschleswig mit Fragen zur rechtlichen Grundlage von Kitebuggies auf Fanø. Dies führte zu einer Prüfung der Regeln für windbetriebene Fahrzeuge auf beiden Stränden.

Bereits im September 2023 gründete die Polizei eine Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der Kommunen Fanø und Tondern sowie der Naturbehörde. Die Gruppe diskutierte Sicherheitsrisiken, insbesondere die fehlenden Bremsen der Fahrzeuge und das Fehlen einer räumlichen Trennung zum übrigen Verkehr.

Die Arbeitsgruppe schlug vor, am Strand von Fanø eine Fahrspur für motorisierte Fahrzeuge auszuweisen und den restlichen Bereich für Kitebuggies freizugeben. Am Süderstrand auf Röm sollte das bestehende Areal für windbetriebene Fahrzeuge deutlich mit Pfählen markiert werden.

Am 28. Februar verkündete die Polizei das Verbot mit Verweis auf die Straßenverkehrsordnung: Windbetriebene Fahrzeuge seien nicht für den Straßenverkehr zugelassen. Zwei Optionen bleiben:

Quelle: TV Syd