Deutscher Tag 2025

Anke Meyers erster offizieller Auftritt als Botschafterin: Heiserkeit und Freude

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Anke Meyer war gesundheitlich angeschlagen auf dem Deutschen Tag – und freute sich dennoch, vor der Minderheit zu sprechen.

Sie tritt erstmals offiziell vor der Minderheit als deutsche Botschafterin in Kopenhagen auf. In dieser Funktion hielt Anke Meyer am Sonnabend eine Festrede auf dem Deutschen Tag in Tingleff: über Herausforderungen, Zusammenhalt und warum die Minderheit für sie inspirierend und Vorbild ist.

Anke Meyer betritt die mit Blumenkästen eingerahmte Bühne. In schwarzem Hosenanzug, schwarzer Bluse mit aufgedrucktem Blumenmuster. In einer Hand ein Glas Wasser, in der anderen ihre ausgedruckte Rede. „Das ist ein bisschen wie nach Hause kommen“, richtet sich Botschafterin Anke Meyer lächelnd an das Publikum. Sie ist hier keine Unbekannte: Von 2015 bis 2020 war die Diplomatin schon einmal als stellvertretende Botschafterin für die Belange der deutschen Minderheit zuständig.

Schon nach den ersten Worten wird deutlich: Anke Meyer ist offenbar gesundheitlich angeschlagen. Ihre Stimme klingt heiser. Wird sie die Rede durchhalten?

Sicherheit, Freiheit, Wohlstand

Thematisch spannt Anke Meyer einen großen Bogen. Spricht von unsicheren Zeiten, der Pandemie, dem Einmarsch Russlands in die Ukraine. „Viele Menschen scheinen tief verunsichert und trauen offenbar der pluralistischen Demokratie nicht zu, die enormen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern.“

Daher sollten drei strategische Ziele das Leitmotiv sein, das den Menschen in unsicheren Zeiten Orientierung und Zuversicht gebe, so die Botschafterin: „Sicherheit, Freiheit, Wohlstand.“ 

Die zunehmenden Verletzungen des europäischen Luftraums in jüngster Zeit hätten mehr als deutlich gemacht, wie verletzlich die Menschen in Europa seien. Dabei sei die Unterstützung, die unter anderem Deutschland angeboten und geleistet habe, ein wichtiges Signal. „Dass wir uns aufeinander verlassen können." 

Die Botschafterin spricht in ihrer Rede offen die Herausforderungen in der Welt und in der Minderheit an.

Doch die Botschafterin benennt auch die Herausforderungen: darunter die schwächelnde deutsche Wirtschaft, das Beschaffungswesen, wenn es um die Bestellung von Rüstungsgütern geht, und das ebenso einer Reform bedürfe wie die Wehrpflicht. Anke Meyer ist zuversichtlich: „Zusammengefasst: Die neue Bundesregierung treibt die Zeitenwende mit Hochdruck weiter voran."

Botschafterin lobt Zusammenhalt in der Minderheit

Anke Meyer spannt schließlich den Bogen ins Nachbarland Dänemark und zur Minderheit. Weiterhin sicher und wettbewerbsfähig zu bleiben, das gehe nur mit gesellschaftlichem Zusammenhalt. „Die Art und Weise, wie ihr als Minderheit zusammenhaltet, euch ehrenamtlich füreinander engagiert, das ist inspirierend und beispielhaft.“ Dabei lässt sie auch den Einsatz der deutschen Minderheit für die Region als Ganzes nicht unerwähnt, spricht auch über den Schulterschluss mit der Mehrheitsbevölkerung und darüber, dass die Zusammenarbeit mit der dänischen Minderheit in Südschleswig über die Jahre immer weiter verbessert wurde. 

Sichtbarkeit auch in Berlin

Auf der einen Seite heimatverbunden, auf der anderen Seite weltoffen, die Mehrsprachigkeit als großer Schatz: So drückt die Diplomatin ihre große Wertschätzung für die Menschen in Nordschleswig in ihrer Rede aus. „Das alles kann man in Krisenzeiten nicht hoch genug schätzen.“ Sie freue sich darüber, dass das auch in Berlin gesehen werde.

 

Vor allem das Wort „Zusammenhalt“ fällt oft in ihrer Rede. Im Großen innerhalb Europas, im Kleineren in der Grenzregion, in der Minderheit sowieso. Nur so ließen sich die zahlreichen Herausforderungen meistern, davon ist Anke Meyer überzeugt. 

Euer Zusammenhalt und euer Engagement füreinander ist inspirierend und beispielhaft.

Anke Meyer

Und sie sei sich auch der finanziellen Herausforderung bewusst, mit der die deutsche Minderheit konfrontiert sei, und des zunehmenden Ungleichgewichts der finanziellen Unterstützung aus Berlin und Kopenhagen – bei dem Kopenhagen die größere Last trägt. „Dass es leicht wird, kann ich euch nicht versprechen.“ Doch eins sei klar, schickt sie direkt hinterher: „Ihr seid unverzichtbar. Für das Grenzland und für das Deutsch-Dänische insgesamt.“

Warmer Applaus, Blau-Gelbes und ein Glücksfall 

Ihre Rede schließt Anke Meyer mit den Worten: „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit euch in den nächsten Jahren.“ Das Publikum honoriert die Rede der Botschafterin mit anhaltendem Applaus, und Uwe Jessen, Generalsekretär des Bundes Deutscher Nordschleswiger, mit einem Blumenbouquet in Blau und Gelb. Geschafft – ihre Stimme hat Anke Meyer nicht den Dienst versagt. Ihre größte Sorge, wie sie anschließend am Rande der Veranstaltung verrät.

 

Ungeachtet dessen ist ihr die große Freude anzumerken, sich nun als Botschafterin und damit als Bindeglied zwischen verschiedensten Akteuren für die Minderheit einsetzen zu können: Das sei ihre Rolle als Diplomatin. „Ich habe aus den vielen Gesprächen heute mitgenommen, dass die Sorge mit Blick auf die Finanzen groß ist.“ 

Trotz angeschlagener Stimme: Anke Meyer führt auf dem Deutschen Tag viele Gespräche. Darunter mit Lasse Rodewald, dem neuen Generalsekretär des Südschleswigschen Vereins (SSF).

Mitgenommen habe sie aber auch, „dass mir hier viel Sympathie entgegengebracht wurde“.

Anke Meyer hat ihren ersten offiziellen Auftritt vor der Minderheit als Botschafterin gemeistert – und der kam gut an beim Publikum. „Sie hat viel Gutes über die Minderheit gesagt, das war toll“, findet zum Beispiel Christian Jepsen. Brigitte Handler fühlt sich von Anke Meyer „emotional erreicht. Sie ist hier bei den Menschen und nimmt uns mit unseren Belangen wahr.“ 

Ihr Ehemann Nis-Edwin List-Petersen zeigte sich unter anderem tief beeindruckt von der thematischen Bandbreite der Rede Anke Meyers: „Sie ist ein Glücksfall für die Minderheit.“

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