Gedenken

107 Jahre danach: Warum das Gedenken an das Kriegsende wichtig bleibt

Veröffentlicht Geändert
Mit dem Kommandosignal „Hold inde“ (Halt ein) wird die Zeremonie jedes Jahr eingeleitet.

Trotz kühler Temperaturen kamen auch in diesem Jahr zahlreiche Menschen zur Gedenkveranstaltung neben der Marienkirche. Die Feier erinnert an das Kriegsende von 1918 und an die 199 in Sonderburg gefallenen Soldaten, derer von dänischer und deutscher Seite gemeinsam gedacht wird.

Es ist schon seit vielen Jahren eine feste Tradition: Kurz vor 11 Uhr trudeln am 11. November immer mehr Frauen, Männer und Jugendliche auf dem Parkplatz der Marienkirche ein. Männer in Uniformen und fein geputzten Stiefeln stellen sich mit großen Fahnen vor das gewaltige Denkmal mit 199 Namen. Diese 199 Männer aus Sonderburg kehrten im Ersten Weltkrieg in Särgen in ihre Heimatstadt zurück. Sie gehören zu den im Ersten Weltkrieg gefallenen 5.270 Nordschleswigern.

Diesen Opfern zu Ehren wird am 11. November in Sonderburg mit einer Feier, Kränzen und einem kurzen deutsch-dänischen Gottesdienst gedacht. Seit fünf Jahren ist die deutsche Minderheit offiziell dabei.

Eggert Mumberg war der Festredner

Eggert Mumberg bei der Ansprache

Beim diesjährigen 107. Jahrestag des Waffenstillstands hielt der für Nordschleswig Beauftragte des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Sonderburger Eggert Mumberg, eine Ansprache. Er erinnerte in seiner Rede daran, warum an der dänischen Westküste auf einigen der schwarzen polierten Grabsteinen der Text „Er starb für sein Vaterland“ steht. 

Als Volksbundbeauftragter beschäftigt sich Eggert Mumberg gezielt mit der Bewahrung von Gedenkstätten. Zu ihnen gehören auch 300 Gräber von deutschen Marinesoldaten, die im Zuge des Kriegsgeschehens auf dem Meer starben. Deren Leichen wurden an Land gespült und auf dem nächsten Friedhof beerdigt. 

Nicht für alle das Vaterland Deutschland

„Am 11. November vor 107 Jahren endete der Erste Weltkrieg und wir denken an die Menschen, die ihr Leben opferten, weil das Gesetz es ihnen so befahl. Menschen aus Sonderburg, Dänemark und der ganzen Welt. Ihr Andenken sei geehrt“, sagte Eggert Mumberg.

1864 wurden alle Menschen im nördlichen Schleswig Bürgerinnen und Bürger in einem neuen Land. „Sie wurden deutsche Staatsbürgerinnen und -bürger, aber nicht alle bezeichneten Deutschland als ihr Vaterland. Aber als die Schüsse in Sarajewo den Ersten Weltkrieg auslösten, wurden alle Männer an die Waffen geholt. Einige gingen mit Begeisterung, andere gingen, weil der Staat es so befohlen hatte“, sagte Mumberg. 

Nach den Reden wurden vier Kränze niedergelegt: vom Heer, der Sonderburger Kommune, dem Bund Deutscher Nordschleswiger und dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge.

Krieg auch heute noch

Pastor Hauke Wattenberg dachte bei der Gedenkstunde an den heutigen Krieg in der Ukraine mit großer Besorgnis. Er freute sich aber auch über den Anruf von J. P. Rasmussen vom Kontaktausschuss vor fünf Jahren. Damals wurde Wattenberg gefragt, ob die deutsche Minderheit bei der Gedenkfeier am 11. November dabei sein wolle. Der Bund Deutscher Nordschleswiger hatte sofort eingewilligt.

J. P. Rasmussen hielt es für wichtig, dass der Toten eines Krieges gedacht wird – egal, ob 1864 oder 1918. „Das werden wir auch künftig. Damit werden wir fortfahren“, versprach er den Zuhörenden. 

Jörn Petersen legte für den Bund Deutscher Nordschleswiger einen Kranz nieder.

Elf große Fahnen wurden vor dem Denkmal feierlich emporgehalten. Diese Zahl ist ein neuer Rekord: „Das ist für mich ein Zeichen der vollen Unterstützung unserer Vereine“, so J. P. Rasmussen. Zum Kontaktausschuss für militärische Traditionen gehören 23 Vereine. 

Auch die 9. Klasse der Deutschen Schule Sonderburg beteiligte sich im Geschichtsunterricht an der Gedenkveranstaltung.