Der Nordschleswiger

Die Lokalredaktionen nehmen Abschied von der Papierzeitung

Die Lokalredaktionen nehmen Abschied von der Papierzeitung

Die Lokalredaktionen nehmen Abschied von der Papierzeitung

Naomi Stieglmaier
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Neue App des Nordschleswigers
Alle Artikel können jetzt in der App gelesen werden. Foto: Cornelius von Tiedemann

Die Redakteure des „Nordschleswigers“ sind gespannt auf die nächsten Monate. Sie verabschieden sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge von der Papierausgabe.

Die Lokalredaktionen stehen in engem Kontakt zu ihren Lesern. Sie hoffen, ihre Stammleser auch von der Online-Zeitung überzeugen zu können. Eines ist klar – die gedruckte Zeitung ist Geschichte, und die Mitarbeiter schauen mit viel Optimismus in Richtung Zukunft.

Redakteurin Sara Wasmund wartet auf ihren Interviewpartner. Foto: Karin Riggelsen

Sara Wasmund arbeitet schon lange beim „Nordschleswiger". Die Redakteurin startete 2005 in der Lokalredaktion Sonderburg, wechselte für ein paar Jahre in die Hauptredaktion nach Apenrade und kehrte schließlich 2019 an ihren alten Platz in Sonderburg zurück.

Was bedeutet die Digitalisierung des Nordschleswigers" für dich persönlich, und was ändert sich dadurch für dich?

Ein großer Teil der Arbeit, die wir mit der Zeitung hatten, fällt weg. Wir haben also mehr Zeit für die Geschichten selbst, anstatt Verwaltungsaufgaben abzuarbeiten. Das ist das Wichtigste. Mir persönlich wird die Zeitung fehlen. Ich hatte zwar nicht mehr die Papierzeitung, aber ich habe die E-Zeitung gelesen. Und diese Übersichtlichkeit wird mir sehr fehlen. Ich habe mich immer rundum gut informiert gefühlt.

Was wird sich für den „Nordschleswiger" ändern?

Ich bin gespannt, wie viele der älteren Stammleser den Sprung schaffen. Die, mit denen ich gesprochen habe, die waren meist noch gar nicht auf der Homepage. Viele haben zwar schon E-Paper gelesen, aber die reine Webseite haben viele noch nicht betreten. Ich hoffe natürlich, dass wir diese Leser, unsere Stammleser auch für den digitalen „Nordschleswiger“ gewinnen können. Für viele ist es einfach unübersichtlich.

Welche Vor- und Nachteile hat die Online-Zeitung?

Das Lesen der Texte wird online viel schöner, es können mehr Bilder eingebaut werden, viele Zitate und auch Infokästen. Das ginge in der Papierzeitung nicht. Die Artikel können einfach schöner aufbereitet werden. Ein großer Nachteil ist wirklich die Unübersichtlichkeit. Bei der Zeitung in Papierform bin ich rundum einmal informiert. Ich kann mich darauf verlassen, dass die Redakteure das Wichtigste ausgesucht haben. Auf der Homepage muss ich mir das alles selbst aussuchen. Man ist auch nie fertig, es gibt ja endlos viele Artikel, die ich mir durchlesen könnte.

Denkst du, ihr werdet neue Leser dazugewinnen?

Das ist natürlich die Frage. Es wäre natürlich super, wenn wir vielleicht auch nicht deutschstämmige Menschen erreichen würden, die dann vielleicht mit ihrem Schuldeutsch den ein oder anderen Artikel lesen. Das wäre toll, wenn wir so gut werden. Ich bin sehr gespannt.

Ute Levisen
Ute Levisen freut sich darauf, nur noch online zu arbeiten. Foto: privat

Ute Levisen gehört seit 1996 zum Team des „Nordschleswigers", zunächst als Redakteurin in der Hauptredaktion. 2007 entschied sie sich dazu, die Lokalredaktion in Hadersleben zu leiten. Die Journalistin arbeitet schon lange digital und freut sich auf die Zukunft.

Was bedeutet die Digitalisierung des Nordschleswigers" für dich persönlich, und was ändert sich für dich?

Ich bin vielleicht nicht die typische Redakteurin. Für mich bedeutet das erst mal nichts. Ich arbeite schon lange digital und lese eigentlich nur online Artikel. Durch den Wegfall der Papierzeitung haben wir weniger zu tun, da wir nicht länger zweigleisig arbeiten. Somit können wir uns auf andere Sachen konzentrieren.

Denkst du, der Nordschleswiger" wird viele Leser verlieren?

Ich glaube nicht, dass wir viele Leser verlieren werden. Einige Stammleser kamen mit ihren Smartphones zu uns und haben um Hilfe gebeten. Ihnen konnten wir helfen. In Hadersleben hatten wir nicht besonders viele Abonnenten. Deshalb denke ich, wir werden auch nicht viele verlieren. Nicht im Vergleich zu Lesern, die wir neu dazugewonnen haben.

Welche Vorteile hat eine Online-Zeitung im Vergleich zur Papierzeitung?

Wir müssen uns nicht mehr streng an eine bestimmte Wortzahl halten und können Links, Videos und viel mehr Fotos einbauen. Außerdem haben die Bilder online eine bessere Qualität. Das wird, denke ich, auch die Fotografen freuen.

Papierzeitung oder digital?

Digital. Ich abonniere diverse Zeitungen und lese grundsätzlich nichts auf Papier. Das Gefühl von Papier finde ich nicht gut, manchmal riecht es merkwürdig. Außerdem ist Papier ein Luftverschmutzer. Oft entdecke ich interessante Artikel, habe gerade aber keine Zeit zu lesen. Einige heben sich die Zeitung auf, um Artikel später zu lesen, und so entsteht schnell ein ganzer Zeitungsberg. Das passiert mir online nicht.

Monika Thomsen
Monika Thomsen ist wichtig, weiterhin engen Kontakt zu ihren Lesern zu halten. Foto: privat

Monika Thomsen unterstützt die Lokalredaktion in Tondern seit 1991.

Was bedeutetet die Digitalisierung des Nordschleswigers" für dich, und was ändert sich? ​​​​​​

Für mich ändert sich nicht so viel. Aber ich muss jetzt nicht mehr an die Papierzeitung denken, sondern kann mich voll auf Online konzentrieren und es macht mir Spaß, die Artikel fürs Internet aufzubereiten. Das ist das Wichtigste, denke ich. Dem Abschied von der Papierzeitung gehe ich auf jeden Fall mit gemischten Gefühlen entgegen. Es ist definitiv auch ein bisschen Wehmut dabei.

Denkst du, ihr werdet viele Leser verlieren?

Das ist schwer zu beurteilen. Als kleines Trostpflaster gibt es ja noch die 14-tägliche Ausgabe. Ich hoffe, dass sich die meisten Leser mit der Zeit auf den digitalen „Nordschleswiger“ einlassen können. Manche lehnen das ja auch aus Prinzip ab.

Welche Vor- und Nachteile gibt es?

Ein Vorteil ist auf jeden Fall, dass wir jetzt eine breitere Zielgruppe erreichen. Vielleicht gewinnen wir so auch mehr dänische Leser dazu. Wir könnten aber auch untergehen, es gibt mittlerweile so viele Online-Zeitungen.

Liest du digital oder Papierzeitung?

Ich lese beides, meistens aber digital. Ich habe die Papierzeitung aber bis zuletzt gehabt.

Was wirst du besonders vermissen?

Ich habe neun Enkelkinder, und ich habe immer Rätsel und Aufgaben ausgeschnitten, da gab es schöne bei den Kindernachrichten. Das kann ich jetzt nicht mehr machen. Und manchmal habe ich mir die Zeitungen zur Seite gelegt und wollte dann lesen, wenn ich Zeit habe, im Netz gehen die Artikel dann unter.

Mir ist wichtig, dass die Leute wissen, dass wir noch immer da sind, wo wir immer waren. Wir möchten weiterhin engen Kontakt zu den Lesern und sind mitten drin im Geschehen.

Mehr lesen