Der Nordschleswiger

Die Mitarbeiter schauen gespannt in die Zukunft

Die Mitarbeiter schauen gespannt in die Zukunft

Die Mitarbeiter schauen gespannt in die Zukunft

Naomi Stieglmaier
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Seit dem 3. Februar: Frühstück und iPad – oder Smartphone, Computer oder Lesegerät – statt Kaffee und Tageszeitung. Foto: Hannah Dobiaschowski

Am 2. Februar erschien die letzte Tageszeitung des „Nordschleswigers“ in Papierform. Die Mitarbeiter der Hauptredaktion sind optimistisch.

„Wir müssen ganz neue Wege gehen" – das war die Überschrift der letzten täglichen Papierausgabe des „Nordschleswigers“. Seit 75 Jahren steht die Zeitung für die deutsche Minderheit in Dänemark, das soll auch so bleiben. Es wird Zeit, eine neue Richtung einzuschlagen. Ab jetzt werden, mit Ausnahme einer 14-täglichen Ausgabe, die Artikel nur noch online zu lesen sein.

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann arbeitete 2008 das erste Mal für den „Nordschleswiger“. Foto: Karin Riggelsen

Cornelius von Tiedemann ist stellvertretender Chefredakteur und schon lange verantwortlich für das Online-Projekt des „Nordschleswigers“.

Was ändert sich für den „Nordschleswiger“, jetzt wo die Papierzeitung Geschichte ist?

Es ändert sich vor allem etwas für die Redaktion. Wir können jetzt Zeit und Fokus ganz auf unseren Journalismus legen. Wir müssen jetzt nicht mehr in zwei Bahnen denken. Online-Journalismus funktioniert einfach anders als Zeitungsjournalismus. Wir haben noch immer denselben Antrieb und denselben Fokus auf die Minderheit, aber die Art und Weise, wie wir schreiben und denken, wird anders werden. In den vergangenen Jahren und Monaten sind wir dahingehend schon viele Schritte gegangen. Es gab Fortbildungen und viele Umstellungen in der Redaktionsstruktur.

Welche Vorteile bringt die digitale Zeitung, warum musste dieser Schritt gemacht werden?

Es geht um die Reichweite. Wir sind das Sprachrohr der deutschen Minderheit, und wir haben festgestellt, dass wir durch die Papierzeitung nicht mehr alle in der Minderheit erreichen und außerhalb so gut wie niemanden. Irgendwann stand fest, wenn wir in die Zukunft gehen wollen, dann müssen wir das mit Vollgas und ohne angezogene Handbremse tun. Das geht nur, wenn wir uns voll auf eine Aufgabe konzentrieren. Die Wahl fiel uns emotional nicht leicht, aber wir haben uns dann für die Online-Zeitung entschieden. Das ist nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart. Das Mediennutzungsverhalten der Menschen heute, sowohl bei jungen als auch bei älteren Menschen, tendiert klar zum Online-Journalismus.

Denkst du, ihr werdet viele Leser verlieren?

Einige werden wir verlieren, das haben diese uns auch mitgeteilt. Vielleicht finden diese irgendwann den Weg zu uns zurück, darum bemühen wir uns auch. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir viele mitnehmen werden. Außerdem haben wir sehr viele neue Leser und Leserinnen dazugewonnen.

Liest du Papier oder digital?

Ich lese eigentlich nur digital. Ich bin ziemlich weg vom Papier, höchstens wenn eine Zeitung irgendwo rumliegt, dann blättere ich mal durch.

Wirst du irgendetwas an der Papierzeitung vermissen?

Das habe ich mich auch schon gefragt. Das Einzige, was ich vermissen werde, ist, dass mein Artikel und mein Name schwarz auf weiß ausgedruckt dort stehen. Als ich vor 13 Jahren bei der Zeitung angefangen habe, da habe ich die Artikel auch noch ausgeschnitten und aufbewahrt. Das war aber nach ein paar Wochen wieder vorbei. Ansonsten freue ich mich auf das, was kommt.

Walter Turnowsky
Walter Turnowsky freut sich auf die Veränderung. Foto: privat

Walter Turnowsky ist noch nicht lange beim „Nordschleswiger“. Die Digitalisierung war ein Grund dafür, dass er im April 2020 die Stelle als Online-Redakteur in Apenrade angetreten ist.

Was bedeutet die Digitalisierung für dich persönlich, und was ändert sich dadurch?

Wir haben dadurch die Möglichkeit, uns stärker auf Inhalte zu fokussieren, dadurch dass die Koordinierung und Planung der Zeitung wegfällt. Wir können so einen größeren Fokus auf die „Breaking Storys" legen. In erster Linie habe ich von Anfang an Online-Dienste gemacht. Von daher wird sich für mich nicht viel ändern.

Was sind deiner Meinung nach die Vorteile einer digitalen Zeitung?

Der wichtigste Vorteil ist, dass wir auch wirklich die Menschen erreichen, die wir erreichen sollten. Sprich, dass wir in Nordschleswig auch die jüngeren Menschen mitnehmen können. Außerdem können wir so alle aus der Minderheit erreichen, auch die, die irgendwo verstreut sind. Als Ziel können wir uns durchaus auch setzen, für Deutschsprachige in Dänemark und auch woanders Orientierung zu bieten. Das ist gerade für das, was ich mache, relevant.

Denkst du, „Der Nordschleswiger“ wird viele Leser verlieren?

Das denke ich nicht. Wir werden welche verlieren, meine eigene Mutter ist wahrscheinlich eine davon. Wir werden natürlich versuchen, diese Menschen umzustellen. Aber letztlich können ja heutzutage in Dänemark bis 75 Jahre alle Menschen mit Tablet, Handy usw. umgehen. Es werden einige wenige sein, und für die wird es auch schmerzhaft werden, das ist mir definitiv bewusst. Ziel ist es natürlich, auch neue Leser dazuzugewinnen.

Lieber digital oder Papierzeitung?

Ich lese nur digital und E-Paper. Ich habe kein Papierabonnement mehr. Das ist so eine psychische Sache. Wenn sich die Zeitungen stapeln, ohne dass ich sie lese, dann nervt mich das. Digital nervt mich das weniger, ich sehe es dann halt nicht.

Es sind sicher einige, die mit Wehmut Abschied von der Zeitung nehmen, aber mir wird es Spaß machen. Ich brauche hin und wieder eine Veränderung.

Maike Fogdal ist die Vertrauensfrau des Verlages. Foto: privat

Maike Fogdal arbeitet seit 21 Jahren als Lohnbuchhalterin für den „Nordschleswiger“. Sie möchte der Papierzeitung nicht lange nachtrauern.

Ändert die Digitalisierung etwas im Arbeitsalltag für dich?

Einer meiner Aufgabenbereiche ist das Schreiben von Anzeigenrechnungen, das fällt jetzt schon mal weg, beziehungsweise wird weniger. Ich hoffe aber natürlich, dass es mit der Zeit wieder mehr wird. Auch alles, was mit einem Abonnement zu tun hat, fällt jetzt weg. Aber dafür habe ich ein bisschen Luft, um mich um Dinge zu kümmern, die lange Zeit liegen geblieben sind. Es wird sich alles mit der Zeit ergeben. Ich bin optimistisch.

Denkst du, „Der Nordschleswiger“ wird Leser verlieren?

Das glaube ich nicht. Sicher werden es ein paar sein, aber nicht viele. Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg und erreichen jetzt auch Menschen, die wir durch die Papierzeitung nicht erreicht haben. Da wir in den sozialen Medien so präsent sind, sehen uns jetzt auch jüngere Leute.

Welche Vorteile hat die digitale Zeitung?

Ich hab die App zwar noch nicht gesehen, aber wir sind jetzt viel aktueller. Man kann schneller reagieren als mit einer Papierzeitung. Man muss sich natürlich daran gewöhnen.

Wirst du etwas an der Papierzeitung vermissen?

Ich bin ein Mensch, der sich schnell umstellen kann, das habe ich auch schon viele Male machen müssen. Das Neue reizt mich auch. Es war eine schöne Zeit, aber ich will auch nicht lange trauern. Was ich natürlich sehr vermissen werde, sind die Kollegen, die ich verabschieden musste. Einige Arbeitsplätze sind dann doch zusammen mit der Papierzeitung verabschiedet worden. Ich freue mich aber auf das, was kommt. Und ich bin mir sicher, da kommt vieles, wovon wir gar nicht geträumt haben.

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