Klimawandel

Steigender Meeresspiegel: In Zukunft braucht Sylt noch mehr Sand

Steigender Meeresspiegel: In Zukunft braucht Sylt noch mehr Sand

Steigender Meeresspiegel: Sylt braucht noch mehr Sand

Barbara Glosemeyer/shz.de
Sylt
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Die Arbeiten in diesem Jahr sind weitestgehend fertig: Nördlich von Hörnum wird im letzten von sieben Aufspülbereichen noch für etwa zwei Wochen gearbeitet.  Foto: Lisa Bohlander

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Da sind gigantische Zahlen: Seit 1972 ist die Westküste von Sylt mit 58 Millionen Kubikmeter Sand befestigt worden. Das hat 260 Millionen Euro gekostet. Und zukünftig wird die kostbare Insel noch mehr Sand brauchen.

Wenn die Insel nicht Jahr für Jahr an der Westküste mit viel frischem Sand befestigt würde, gäbe es Sylt schon nicht mehr mehr in seiner heutigen Form. Und so werden alljährlich Millionen Kubikmeter Sand auf- und vorgespült. Seit 72 Jahren.

Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums der ersten Sandvorspülung 1972 blickten Beteiligte aus Praxis und Forschung am Donnerstag, 22. September, im Erlebniszentrum Naturgewalten List zurück und nach vorn – und präsentierten imposante Zahlen.

Im Jahr 1972 wurde im Strandbereich von Westerland die erste Sandersatzmaßnahme auf Sylt als sogenannte Versuchsaufspülung durchgeführt. Nach den Erfahrungen dieser Sandaufspülung und einer Wiederholung im Jahr 1978 werden seit 1983 regelmäßig Sandaufspülungen zum Erhalt von Dünen und Kliff entlang der Sylter Westküste vorgenommen.

Sandaufspülungen von List bis nach Hörnum

Die Aufspülmengen und –intervalle unterscheiden sich dabei je nach Küstenabschnitt. Die größten Sandmengen wurden bisher in Westerland, Hörnum, Kampen und List aufgespült.

Gigantisch: 58 Millionen Kubikmeter Sand in 50 Jahren

Insgesamt wurden seit 1972 etwa 58 Millionen Kubikmeter Sand an der Westküste von Sylt eingebracht. „Beobachten, spülen, lernen“, so beschreibt Birgit Matelski, Direktorin des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN.SH), die Entwicklung der Maßnahmen der vergangenen 50 Jahre.

Kostenpunkt: 260 Millionen Euro – 3,5 Milliarden Euro Sachwerte

Somit wurden in diesem Zeitraum rund 260 Millionen Euro für Sandaufspülungen auf Sylt ausgegeben. Oliver Rabe, Staatssekretär im Finanzministerium, betonte, dass „die gesellschaftliche Bedeutung der Aufspülungen für die Landesregierung eindeutig ist“, da mit den Sandersatzmaßnahmen Sylt mit seinen 18.000 Menschen und mehr als 3,5 Milliarden Euro an Sachwerten geschützt würde.

Dem stimmt auch Manfred Uekermann, Kreistagspräsident und Vorsitzender des Landschaftszweckverbandes Sylt zu, der sich im Namen aller Sylterinnen und Sylter dafür bedankte, dass der LKN sich „so stark für Schutz und Erhalt der Küste, Natur und Landschaft einsetzt.“

Warum noch mehr Sand gebraucht wird

In der Zukunft werde bei steigendem Meeresspiegel der Bedarf an Sand für die Insel weiter steigen, aber laut Professor Peter Fröhle von der TU seien feste Bauwerke keine Alternative: „Sie bringen keinen Kubikmeter Sand ins System.“

Der Sand wird in einem Entnahmefeld westlich von Westerland gewonnen. Um den ökologischen Eingriff zu kompensieren wurden, seit 2019 bereits 70 Buhnen an der Küste Sylts zurück gebaut, weitere 20 sollen bis 2024 folgen.

Schwerer Eingriff in die Schutzgebiete

Dr. Hans-Ulrich Rösner (WWF) bezeichnete die Sandaufspülungen zwar als „einen schweren Eingriff in die Schutzgebiete“. Aber harte Befestigungen, da war er sich mit Professor Fröhle einig, „seien auch aus Sicht des Naturschutzes nicht die bessere Alternative.“

1,75 Millionen Kubikmeter Sand im Jahr 2022 – fast fertig

Auch in diesem Jahr sind wieder eine Million Kubikmeter für den Strandbereich und ca. 750.000 Kubikmeter für den Vorstrandbereich vorgesehen. Die Arbeiten sind weitestgehend fertig gestellt: Nördlich von Hörnum wird im letzten von sieben Aufspülbereichen noch für etwa zwei Wochen gearbeitet. In der gleichen Zeit versorgen vor List drei Baggerschiffe den Vorstrand mit zusätzlichem Sediment.

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Leitartikel

Helge Möller
Helge Möller Journalist
„Positiver Klimaschutz durch Nachmachen“